Ebbe – Ruß

Ebbe - Ruß

Die Bremer Black-Metaller von Ebbe waren mir bisher nur durch ihr selbstgebrautes Nightbringer Cascadian Black Ale bekannt, welches schon vor ca. zwei Jahren sehr ausführlich auf unseren Seiten vorgestellt wurde. Nun hat die Band seit kurzem nicht nur ihr eigenes Gesöff, sondern dazu passend endlich auch ihre eigene Musik am Start. Stilecht mit einem dumpfen Sound aus dem Underground auf einem kleinen Tape mit dem Titel „Ruß“ verewigt. Und was soll ich sagen: Gleich die erste Hörprobe hat mich komplett in einen düsteren Strudel gezogen, welcher sich zunächst langsam aufbauend, vielleicht einer zum Angriff bereiten Schlange ähnelnd, mit einer ganz und gar unerwarteten Heftigkeit über einen herfällt. Die permanent von einem Gefahr verheißendem, für Drone typischen Gitarrengebrumme umspülte Musik ist zwar recht repetitiv, aber von einem derartig dunklen Schatten umhüllt, dass man hier wortwörtlich von einer verrauchten Atmosphäre sprechen möchte. Der Titel „Ruß“ ist somit kein Stuss, sondern ein sehr gut durchdachtes Musikprogramm. Die stark verrußten Töne könnten auch als eine Art Komplementärseite zum Bandnamen Ebbe angesehen werden, denn gleich einer Flut, die den ahnungslosen Wanderer überraschen und in die Tiefen des Meeres ziehen kann, verhält es sich auch mit der Musik. Die Schwärze, in die man hier unwissend hineingezogen wird, ist tief wie das nasse Grab, die Atmosphäre dicht wie der Wasserdruck in tausend Meter Tiefe. Sie erdrückt, quetscht einem die Augäpfel aus, lässt das Gehör zerplatzen. Der eröffnende Titeltrack ist wahrlich ein sehr gelungenes, über zehn Minuten andauerndes Meisterstück! Das kann man anders nicht sagen. Die raue Rum-Stimme geht zudem perfekt Hand in Hand mit der Instrumentierung einher. Bei dem kurzen Stück „Windwikkersche“ kann man sich recht flott ein gutes Bild davon machen. Mit „Wider dem Stachel löcken“ kommt auch die Doom-Attitüde stärker zum Vorschein, was sich ebenso sehr gut ins Gesamtkonzept einfügt und eine tadellos rezitierte Kreationsformel offenbart. Lediglich der letzte, mit einer waagerechten Linie (die vielleicht den Tod bzw. einen Zustand des absoluten Stillstands symbolisieren soll) bildlich betitelte Track entzieht sich ein wenig meinem Verständnis. Denn solche einsamen, zugegeben, eine bestimmte Stimmung beherbergenden Töne empfinde ich dennoch stets als eine Art Lückenfüller. Aber das fällt hier nicht wirklich negativ ins Ankergewicht, denn der Rest der Tape-EP ist einsame Spitze. Für mich definitiv um einiges cooler als die Bremer Stadtmusikanten!