F41.0 / Ygramvl – Malintegrigo

F41.0 / Ygramvl - Malintegrigo

Über das kleine Label Lupus Tonkunst erreichte mich die interessante Split „Malintegrigo“, welche die Bands/Projekte F41.0 mit dem Song „Todschürfer“ und Ygramvl mit dem Song „Werdegang“ kompiliert.

Und tiefschwarz beginnen F41.0 mit dem „Todschürfer“. Der Bandname leitet sich aus dem Diagnosekürzel einer Panikstörung, der episodisch paroxysmalen Angst, ab. Hinter dem Projekt verbirgt sich der Musiker Hysteriis, der für alle Instrumente und den Gesang verantwortlich zeichnet und mit „Todschürfer“ einen finsteren und dramatischen Hassbatzen des Atmospheric Black Metals geschaffen hat. Nach einem dramatischen Intro zeichnen sich meterhohe und messerscharfe Klippen von zerstückelten Akkorden ab, umgeben von bebenden Wellen mächtiger Drums. Die Produktion ist urig schwarz-metallisch und die Vocals decken hervorragend eine breite Spanne von verzweifelten Schreien bis wütendstem Zischen ab. Die hohe Präsenz und Artikulation des Gesangs erinnert oft an die schwedischen Shining. Das Hauptriff ist in seiner Einfachheit genial und dennoch erhaben und wird zu keiner Sekunde langweilig. Die knappen elf Minuten vergehen wie im Fluge und machen mir den Mund wässrig, ich brauche sofort noch mehr von F41.0. Das schreit nach einem Album!

Aber es gibt noch mehr zu entdecken. Ygramvl, ebenfalls ein Ein-Mann-Projekt, legen mit „Werdegang“ nach und eröffnen den Song ebenfalls mit einem Intro, welches hier allerdings elektronisch ausfällt und kurzzeitig von einer eher Dance-artigen, künstlichen Bassdrum unterlegt wird. Für mich persönlich liegt das schon außerhalb meiner Komfortzone und erzeugt ein Unbehagen. Vermutlich war das genau so von Musiker MeTvS beabsichtigt. Umso mehr freue ich mich, als der eigentliche Song beginnt. Auch hier bleiben die elektrischen Klänge erhalten, im Hintergrund wabert ein Synthesizer, während über ihm erhaben die Gitarren ihr Tagwerk verrichten. Die Produktion fügt sich in das Gesamtbild der Split hervorragend ein, allerdings stand der urige Black-Metal-Produktionsduktus F41.0 mit ihren lebendigen und dynamischen Drumsound besser zu Gesicht, während Ygramvl etwas unter den adynamischen und sehr programmiert-klingenden Drums leiden. Die Vocals hingegen sind über jeden Zweifel erhaben und tragen zur bedrohlichen Stimmung bei. Das eine oder andere Mal habe ich mich an ein tragisch-berühmtes Ein-Mann-Projekt aus Bergen erinnert gefühlt, welches den atmosphärischen Black Metal in der ersten Welle entscheidend mitgeprägt hat.

„Malintegrigo“, die Split von F41.0 und Ygramvl bringt auf etwas mehr als zwanzig Minuten zwei Projekte von Solokünstlern zusammen, welche trotz stilistischer Unterschiede gemeinsam eine angenehme Kälte und Finsternis verbreiten. Hysteriis gelingt mit „Todschürfer“ ein Meilenstein, kalt, brutal, dramatisch, verzweifelt und dennoch groovy. Das ist ganz große Kunst. Die Kälte von MeTvS ist klinischer, entrückter, sein „Werdegang“ der Verdammnis überzeugt mit einer nahezu schizophrenen Disbalance aus elektronischer Monotonie und rastlosen Gitarren. Selten hat eine Split so Spaß gemacht. Chapeau, Lupus Tonkunst!