Faelwa – Farewell Sun

Faelwa - Farewell Sun

Als ein kleines Mitbringsel vom allerersten Trollmusic Concert Evening habe ich mir eines der Restexemplare der 2009 erschienenen EP „Farewall Sun“ von Faelwa, einem früheren, an Tenhi und Empyrium angelehnten musikalischen Projekt der beiden Alvenrad-Gründer, genehmigt. Diese EP, welche die volle Aufmerksamkeit des Trollmusic-Rudelsführers Thor auf die beiden niederländischen Musiker Mark Kwint und Jasper Strikt erst lenkte, war sozusagen der Grundstein für ihre gemeinsame Arbeit, Freundschaft und überhaupt alles was noch folgen sollte und in der Zukunft noch zusammen angepackt wird. Da es sich dabei um eine der letzten sechs verbliebenen EPs handelte, musste ich auch etwas tiefer in die Tasche als üblich greifen, wofür ich von allen meinen Mitgefährten für den Rest des Abends für total bekloppt gehalten wurde. Das war mir aber egal, schließlich betrachtete ich diese Handlung als einen direkten Support einer Band, der meiner Ansicht nach viel zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird. Und da mich mein Bauchgefühl wie fast immer nicht täuschte, kann ich erhobenen Hauptes behaupten, dass mir die vier schönen Musikstücke von „Farewall Sun“ jeden einzelnen dafür ausgegeben Cent auch wert sind.

Die von der Natur inspirierte Musik des Trios (Arjan Hoekstra von Mirna´s Fling und The Good Hand ist bei dieser Veröffentlichung als Gastmusiker am Schlagzeug in Erscheinung getreten) hat mit dem gemeinen Metal natürlich nichts gemeinsam. Der einzige Verbindungspunkt besteht im Vorhandensein einer dichten, aber doch irgendwie leicht über die Instrumentierung hinweg durchschimmernden Atmosphäre, welcher vor allem in den dunkleren Spielarten des Metals ebenfalls eine sehr große Bedeutung zukommt. Für Jasper ist sie sogar das Wichtigste an der Musik überhaupt, und dem kann ich mich nur anschließen. Die Klänge des ersten Tracks „The Heron“ (der Reiher ziert übrigens auch schon das geschwungene Band-Logo), die einzig von klassischen Instrumenten erzeugt werden, lassen sich auch sofort in die Nähe des Neofolks oder der Neoklassik zuordnen. Das die Melodie nach vorn treibende Piano ist hier zwar relativ vordergründig aber nicht wirklich dominant. Jaspers Spiel setzt beständige, wohlplatzierte und punktuelle Akzente, die im Soundgewand womöglich eine Vorstellung von herabfallendem Herbstlaub erwecken könnten. Hier wirkt einfach alles äußerst harmonisch, alle vier Songs sind von gleicher zerbrechlicher Schönheit und mit wundervollen zartbesaiteten Melodien gesponnen, und hier und da mit gezielt eingesetzten und gelegentlich die Musik ablösenden Vogelstimmen versehen. Zusammen mit dem nur im ersten Song vorkommenden geisterhaften Flüsterton und der flüchtigen Gesangseinlage wie dem poetisch bestechenden Cover-Artwork des Künstlers J. W. Bilders (1811-1890) ergibt „Farewall Sun“ ein wunderbares Gesamtkunstwerk, dem man sich gar nicht entziehen möchte, wenn man sich erst darauf eingelassen hat.

Nach dieser musikalischen Reise durch die niederländische „Veluwezoomlandschap“, welche ganz sicherlich noch sehr oft und regelmäßig von mir wiederholt wird, kann ich mir nur die Frage stellen, warum dieses Projekt, das ein sehr vielversprechendes ist, so lange auf Eis gelegt wurde. Neue Songs sind bereits geschrieben, wie mir von Jasper und Thor noch am Verkaufsstand direkt versichert wurde. Also worauf noch lange warten? Raus damit!