Feradur – Legion

Feradur - Legion

Luxemburg ist zweifellos keine Metal-Hochburg, doch die überschaubare nationale Szene zeichnet sich in gleicher Weise durch Organisiertheit aus wie ihre Bands durch Professionalität. Feradur sind ein weiterer Beleg dafür.

Bei „Legion“ handelt es sich um das zweite Album des Quintetts nach „Epimetheus“ vor knapp fünf Jahren, auf dem es bereits eine gute Figur machte. Mit ihren neuen Songs sind die Musiker um Strippenzieher Mario Hann, der neben Gesang und Gitarre auch die Produktion der Platte übernommen hat (um die Schlagzeugspuren kümmerte sich indes Markus Siegenhort von Lantlôs bzw. LowCityRain), bereit für den Sprung zu einem Label, das sich auf melodischen Death Metal versteht.

Feradurs Lesart des Stils schließt jegliche Zutaten aus der Metalcore-Ecke aus, obwohl das Material definitiv nicht die Retro-Schiene bedient. Die Band agiert über mehrere akustische Einsprengsel hinaus nie so verspielt wie Vertreter der alten Göteborger Schule, sondern versteht sich auf kriegerisch anmutende Stampfer wie „A Hadean Task“, der beispielsweise Amon Amarth zeigt, wo der Thorshammer hängt, denn während die bärtigen Schweden in ihrer Erfolgsbehäbigkeit schon seit Jahren mit einfältigsten Riffs zum Gähnen anregen, erweisen sich diese Jungspunde als wählerischer.

Im Grunde trifft jeder der zehn hübsch kompakten Songs (ein Outro nicht mitgerechnet) des Albums mehr oder weniger direkt mit einem prägnanten Hauptmotiv ins Schwarze, was andererseits nicht bedeutet, dass keine Steigerung mehr möglich wäre. Wohingegen etwa das biestig aggressive „Kolossus“ auch deshalb neben der fast rockenden Hymne „Fake Creator“ das Highlight auf „Legion“ darstellt, weil es einen individuellen Akzent setzt, lassen sich zwei, drei andere Nummern untereinander austauschen, wirken also bis zu einem gewissen Grad beliebig.

Indessen ändert das nichts daran, wie die Platte insgesamt mitreißt, nicht zuletzt wegen mit merklicher Hingabe ausgefeilter Solos und dank einer Messerspitze Bombast in Form quasi-symphonischer Arrangements inklusive Blastbeats, mit denen die Gruppe knapp am orchestralen Schwarzmetall aus der zweiten Hälfte der 1990er vorbeischrammt. Die selbst von den Mitgliedern angeführten Einflüsse aus dem Stoner Rock und von Videospiel-Soundtracks sind allerdings nicht vordergründig hörbar.

Was dies betrifft, liegen das schwerpunktmäßig atmosphärische „Omen of Incompleteness“, der an neuere Hypocrisy erinnernde Groover „Amplification Monolith“ und das umso vehementere „The Night They Were Taken“ weit vorne. „Legion“ – gemastert übrigens von Justin Weis (Agalloch, Pallbearer) in den USA und abgerundet von einem Artwork, wie es für seinen französischen Schöpfer Metastazis (Alcest u.v.m.) relativ typisch ist – kommt für den Fünfer aus dem kleinen Herzogtum einem Sechser im Lotto gleich, auch wenn die damit erbrachte Leistung kein Zufall, sondern die Frucht engagierter Arbeit ist.

Feradur greifen schließlich erst jetzt, da seit ihrer Gründung fast 15 Jahre vergangen sind, bewusst nach den sprichwörtlichen Sternen, derweil sie sich im Wacken Metal Battle schlagen oder über die Grenzen ihres Heimatzwergstaats hinaus Konzerte geben; helft ihnen bei ihrem Höhenflug, denn es wäre eine Bereicherung für die derzeit weitgehend farblose Todesbleiszene, die keinen gangbaren Mittelweg zwischen den Extreme Vintage und Technik zu finden scheint.