Friisk – De Doden van’t Waterkant

Friisk - De Doden van't Waterkant

Aus is‘! Jetzt empfiehlt ein Bayer (genauer gesagt ein Franke!) schon Musik aus Ostfriesland! So weit ist es mit der Völkerverständigung also schon gekommen. Dabei gibt es, auch wenn es weder Nordis noch Südis (Neologismen par excellence!) wahrhaben wollen, durchaus Parallelen zwischen den sehr unterschiedlich anmutenden Regionen Deutschlands. Zum einen eine gewisse Wortkargheit, welche regional mal mehr oder weniger in Erscheinung tritt. Zum anderen eine tiefe Identifikation mit der eigenen Region, deren Geschichten und Mythen und natürlich der eigenen Sprache, respektive Dialekte, welche Land, Leute und Kultur schlichtweg prägen.

Aus Ostfriesland stammen Friisk und schenken uns mit „De Doden van’t Waterkant“ ihr erstes Lebenszeichen in Form eines trefflich aufgemachten Minialbums. Ein holzschnittartiges Bild einer Kirche, welche im sturmgepeitschten Meere Blitzen und Unwettern trotzt, ziert den Silberling. Das macht Stimmung und passt wie die Faust aufs Auge zu den spannenden vier Stücken plus Intro, welche in hervorragendem Soundgewand modern, aber dennoch kantig genug wirken, um nicht der Plaste- und Elaste-Fraktion anzugehören. Wer unbedingt weitere Parallelen sucht, könnte sie musikalisch und in Sachen Anspruch bei älteren Helrunar suchen, melodisch und dennoch reichlich harsch presst sich das Songmaterial aus den Boxen, kann dank Abwechslung im gesanglichen Bereich durchweg überzeugen. Dem Sturme am Cover gleich prescht die Band hervor, setzt aber auch genügend ruhige akustische Momente, um den Stürmen ein eindringliches Auge zu verleihen. Kleine Anhaltspunkte, die auflockern und atmosphärisch melodisch in die Vollen gehen, setzen sich fest und erschaffen spannende Momente. „Dämmerung“ ist eins dieser Stücke, welches in Sachen Aufbau alle Register zieht und von vorne bis hinten zu überzeugen weiß. Songwriting, welches einer hervorragenden deutschen Black-Metal-Band gut zu Gesicht stehen würde. Man bedenke, dass Friisk hier gerade einmal ihre erste EP veröffentlicht haben. Nicht alle Abschnitte sind völlig überzeugend, „Kein Heiland“ beispielsweise besitzt Abschnitte, die eher füllend als songdienlich wirken, aber wie gesagt, die Band ist noch jung. Potential für die Zukunft ist jedenfalls ohne Ende vorhanden.

Wer also den schnellen, norddeutschen Rausch erleben möchte, darf die über 27 Minuten mit ein paar Kurzen voll Küstennebel genießen. Ein Album ist hoffentlich bereits in der Mache, denn Friisk stellen sich mit „De Doden van’t Waterkant“ als neue, deutsche Black-Metal-Hoffnung ins Rampenlicht. Nächstes Mal noch mehr auf den Punkt komponiert, und uns steht ein Meisterwerk ins Haus. Und das, wie gesagt, als Lob von einem Typen aus Bayern!