Hænesy – Katruzsa

Haenesy - Katrusza

Ich war schon etwas verdutzt, als mir bewusst wurde, wie lange ich die Rezension von „Katruzsa“ – dem ersten Longplayer des Ungarn Henrik Sándor und seiner nicht mehr ganz so einköpfigen Band Hænesy – vor mir hergeschoben habe. Aber bevor ich darüber schwadroniere, wie die Zeit vergeht und was einem alles dazwischen kommen kann, sage ich euch lieber, dass auch das erste Album von Hænesy ein verdammt eindrucksvolles Teil geworden ist. Sagte ich nicht mehr ganz so einköpfig? Korrekt, denn für „Katruzsa“ hat sich Sándor die stimmliche Unterstützung von Gabor Angeli (Twilight of Emptiness) gesichert. Mir fällt es allerdings schwer, die beiden Stimmen auf dem Album auseinanderzuhalten (aber vielleicht suche ich an den falschen Stellen), da auch Sándor selbst als Sänger genannt wird. Ansonsten ist die Scheibe wieder eine echte One-Man-Show, denn er zeichnet sich für das Einspielen sämtlicher verwendeter Instrumente verantwortlich.

Nun, ich mag auf „Katruzsa“ zwar keine echte zweistimmige Abwechslung entdecken, doch eines steht fest: Das Album setzt die Arbeit der ebenfalls 2018 erschienenen EP „Mortals“ nicht nur würdig fort, sondern setzt auch noch ordentlich einen oben drauf. „Katruzsa“ ist ein dichtes und atmosphärisches Stück Musik geworden, welches man verdammt gut nebenbei laufen lassen kann, obwohl es eine komplexe Intensität besitzt, die sich nicht mit nur einem Hördurchlauf erfassen lässt. Auch dieses (wahrscheinlich nur von mir empfundene) Twin-Peaks-artige Gefühl, welches mir bereits die EP vermittelte, findet sich auf „Katruzsa“ wieder und unterstreicht für mich die mysteriöse und geheimnisvolle Seite des Albums.

Geheimnisvoll und mysteriös sind wohl auch die beiden Schlagworte, die ich dauerhaft mit Hænesy verbinden werde. Beide Begriffe fassen für mich die Stimmung sowohl von Debüt als auch der vorausgehenden EP perfekt zusammen. Im Gegensatz zur EP wirkt das frische Album jedoch wesentlich homogener und kann in der Tat nur in einem Rutsch so richtig genossen werden. Die Songs – wahrscheinlich dazu passend nur von I bis VI durchnummeriert – gehen ziemlich nahtlos ineinander über. Im Zusammenspiel ergeben sie einen eindrucksvollen Ausflug in dunkle Wälder, die zu Füßen hoher, die Sonne verdeckender Berge liegen. Ich werde Teil einer einsamen Wanderung, die mich durch schattige Täler und düstere Klammen führt, deren Böden niemals vom Tageslicht erreicht werden. Ein bisschen fühle ich mich an die Szenerie von Lovecraft-Geschichten wie „Die Farbe aus dem All“ oder „Das Grauen von Dunwich“ erinnert. „Katruzsa“ lädt mich daher auch zu einer spirituellen Exkursion zu meinen eigenen Urängsten ein und führt mich durch eine unberührte Wildnis, die ich ohne der Hilfe einer Taschenlampe erkunde, so dass ich niemals weiß, was hinter dem nächsten Baum lauert. Ja, ich mag viel in die Musik hineininterpretieren. Aber genau das machen für mich Alben wie dieses aus – sie rühren an der Vorstellungskraft und wecken Kräfte, von denen man (vielleicht) nicht wusste, dass sie da sind.

Gitarre und Gesang präsentieren sich als ein eingespieltes Team. Agieren aber nicht nur mit faszinierender Harmonie sondern auch einem intensiven Kontrast. Wie bitte? Ja, ich weiß, dass das merkwürdig klingt. Doch der Kontrast zwischen den erstaunlich melodischen, teils feinfühligen Gitarrenklängen und dem dämonischen, Verzweiflung (ja, teilweise auch Leid) in die Welt hinausschreienden Gesang könnte nicht größer aber auch nicht passender sein. „Katruzsa“ ist auf eine gewisse Art und Weise depressiv bis ins Mark, ohne dabei die Laune in den Keller zu drücken. Es ist mehr wie eine schonungslose Sicht auf die Natur: Gnadenlos und gleichzeitig beeindruckend!