Heaume Mortal – Solstices

Heaume Mortal - Solstices

Black Metal soll auf Konventionen scheißen. Denken sich auch Heaume Mortal aus Frankreich: Sie meinen es augenscheinlich wirklich ernst und scheinen um die Gunst des Black-Metal-Mainstreams nicht viel zu geben, covern sie doch mit „Erblicket die Tochter des Firmament“ einen Song von Burzum.

Aber starten wir vorne: Die Band präsentiert auf dem französischen Label Les Acteurs de l’Ombre Productions mit dem Album „Solstices“ ihren melodiösen und dennoch verschrobenen Black Metal. „Yesteryears“ lebt von den atmosphärischen, leicht disharmonischen und weitestgehend instrumentalen Parts. Die Vocals klingen entrückt, voller Abscheu und – auch wenn sie sich im ersten Song sehr zurücknehmen – gut in den Gesamtsound eingebettet. Zum Ende des über dreizehnminütigen Songs wird deutlich, dass die Band von ruhiger, unangenehmer Stille über Nerven-maternde Drone Tones bis hin zu wildesten Ausbrüchen ihr Handwerk beherrscht. „South of No North“ ist nicht nur kürzer, der Song legt auch mehr Wert auf Groove, als darauf, alles zu zeigen, was man kann. Nahezu klassischer, brutaler Black Metal mit einer leichten Schlagseite zum Depressive Black, die Vocals wimmern, schreien und leiden sich förmlich durch den Text. Ein richtig guter Song. „Oldborn“ berichtet von der Wissensübergabe durch die Altvorderen und dem Wandeln auf der „anderen Seite“. Wieder überlang, abwechslungsreich, aber ohne den roten Faden missen zu lassen.

Darauf folgt nun mit „Erblicket die Tochter des Firmament“ ein Cover von Burzum, vom „Filosofem“-Album. Wer das Original nicht kennt, der könnte denken, es handle sich um einen Heaume-Mortal-Song. Nicht mal so sehr, weil die Band sich den Song sehr zu eigen macht und hier und da, um eigene Akzente zu setzen, von der Vorlage abweicht, sondern gerade weil der Song so gut in das Klangbild der Franzosen passt und nicht krampfhaft versucht, die klanglichen Unzulänglichkeiten des Originals zu kopieren. Gerade diejenigen, welche die Hip-Hop-artigen, satten Drums von Vikernes immer als deplatziert empfinden, werden hier auf ihre Kosten kommen. Obwohl musikalisch immanent wichtig für die Black-Metal- und Ambient-Black-Metal-Szene, ist es aber mehr als fraglich, ob man eine so moralisch und wertetechnisch korrumpierte Person wie Vikernes auch noch mit der Neuvertonung seiner Musik unterstützen möchte. Der mündige Hörer entscheidet wie immer selbst. „Tongueless (Part III)“ ist ein finsterer, hasserfüllter Black-Metal-Epos, abermals sehr abwechslungsreich inszeniert, und sowohl mit elegischen Parts als auch garstiger Black-Metal-Attitüde versehen. Die Band versteht es, sich Zeit für den Aufbau einer tiefen, intensiven Atmosphäre zu lassen und hasstet nicht unbedacht von Riff zu Riff. „Mestreguiral“ beschließt das Album mit Ambient-Sphären, ein augenscheinlich harter Bruch zum brutalen Black Metal der vorangegangenen etwas mehr als fünfzig Minuten, aber ein schöner Ausstand.

Mit einem sehr wertigen, aufwendig gestalteten Digipak präsentiert das Trio Heaume Mortal auf „Solstices“ aufregenden, intensiven und teils auch wunderschönen Black Metal. Ob die Band mit dem Burzum Cover nur im Topf gleichartiger Veröffentlichungen auffallen möchte, sei mal in den Raum geworfen, nötig hätte sie es jedenfalls nicht. Musikalisch und textlich wird hier einwandfreier, kalter, teils groovier, teils entfesselter Black Metal auf hohem Niveau dargeboten.