Hegesias – Mountains

Hegesias - Mountains

Sachsen liegt nicht unbedingt mitten in den Bergen. Doch wenn man bedenkt, dass sowohl der Harz mit seinem bekanntesten und sagenumwobenen Gipfel, dem Brocken, als auch das nicht minder geheimnisvolle und geschichtsträchtige Erzgebirge gleich um die Ecke liegen, wundert es nicht, dass es einer kleinen Ein-Mann-Truppe aus Leipzig dennoch gelingt, die mystische und erhabene Stimmung der Berge musikalisch einzufangen.

Hegesias, ehemals Mitglied der in den 1990er Jahren aktiven Doom/Death-Formation Dying In Silence, präsentiert mit seinem Erstlingswerk „Mountains“ ein komplexes und höchst atmosphärisches Album, welches zu einem eher spirituellen Ausflug in die Berge einlädt. „Mountains“ ist eine Hommage an die Erhabenheit und die Ewigkeit steinerner Gipfel, in deren Schatten man sich winzig und bedeutungslos fühlt. Anders kann ich die sowohl musikalisch als auch textlich beeindruckende Arbeit von Hegesias nicht bezeichnen. Doch wer sich „Mountains“ auf die Hörliste setzt, sollte auch gewarnt sein. Nicht vor den schrecklichen Untiefen, in welche man zu stürzen droht, wenn man auf unsicheren Pfaden durch die Berge wandert. Sondern vielmehr vor der beinahe erschlagenden Länge der drei Songs, aus denen das Album besteht und für die man im wahrsten Sinne des Wortes einen langen Atem braucht. Hegesias Erstling ist bei weitem kein Album, welches man sich mal eben nebenbei zu Gemüte führt. Es braucht – wie eine ausgedehnte Wanderung – Zeit. Doch genauso wie man von einer solchen mitunter verändert und mit einem neuen Blickwinkel auf die Welt zurückkehren kann, so schafft es auch „Mountains“ nachdenklich zu stimmen.

And you stand there,
Wondering,
Listen to the mountains telling their story.
And you feel so small and weak.

Der Schwermut und die – allerdings nur scheinbare – Trägheit, welche das Album umgeben, erleichtern nicht unbedingt den Zugang. Zwar würde ich „Mountains“ in erster Linie dem atmosphärischen Black Metal zuordnen, doch sind in seiner Langsamkeit deutliche Eindrücke von Doom, wenn nicht sogar von Funeral Doom zu spüren. Wer also nicht ohnehin eine Vorliebe für diese Stilrichtungen besitzt, dürfte sich mit „Mountains“ schwer tun. An alle anderen, die bereit sind, sich die Zeit zu nehmen, habe ich eine Empfehlung: Schnappt euch einen dampfenden Tee oder meinetwegen auch einen leckeren Whisky, lehnt euch entspannt zurück und entflieht der Welt um euch herum für eine gute Stunde. Wagt eine Reise, die mehr zu euch selbst als in die undurchsichtigen Höhen von Nebel verhangener Gipfel führt. Und zu der Frage, wozu ihr bereit wärt, um das Leid der Welt hinter euch zu lassen…

At the top of the mountain
I stare into the clouds,
Gasping for breath after ascension.
Shivering I stand alone,
Where the mists are drowning my spirit.