Huldrekall – What Else Will Fade?

Huldrekall - What Else Will Fade?

2020 werden Huldrekall aus Olympia im US-Bundesstaat Washington zehn Jahre alt, doch nach der dritten Split-EP der Gruppe vor einigen Monaten – nun mit ihren Nachbarn Spektral Hatchery, auf den ersten beiden beteiligten sich jeweils die Extrem-Doomer Mania und die französischen Post-Blackies L’Acephale – scheint sich Mastermind Clay DeVillbiss lieber auf diverse Projekte zu konzentrieren. Bei „What Else Will Fade?“ handelt es sich lediglich um eine Wiederveröffentlichung des bisher letzten Albums der Band seitens Acid Tears Records.

Das deutsche Label bietet somit die erste CD-Version des Materials an, nachdem es ursprünglich nur auf Kassette über Grey Sun respektive Einsamkeit Tapes herauskam, wo Clay selbst involviert ist. Die damalige Limitierung auf 100 Exemplare gilt auch jetzt wieder, allerdings enthält die Neuauflage einen Bonus-Track.

Der zweite vollständige Langspieler des langjährigen Trios, zu dem mit Jaysen Peters kürzlich ein vierter Musiker gestoßen ist, steht ihm Zeichen des sogenannten Cascadian Black Metals, der für die Szene von Hudrekalls Heimat charakteristisch ist, mit einem dezenten Schuss Crust – eine Mischung, für die Schubladenfetischisten das Kürzel RABM (Red Anarchist Black Metal) geschaffen haben, was insofern passt, als sich die Mitglieder entschieden gegen Rechtsextremismus aussprechen, im Geiste von Wolves in the Throne Room Naturschutz propagieren und in ihren Texten auf den materialistischen Zeitgeist schimpfen.

Sie treten für Selbstbestimmung und schrankenlose Freiheit ein, wovon man anhand der Vocals gleichwohl ebenso wenig merkt wie zunächst auch vom typischen Sound des Pazifischen Nordwestens. Das zweigeteilte erste Stück „La Danse Macabre“ schleppt sich nämlich erst langsam und rein instrumental dahin, ehe es mit verhalltem Geschrei rasanter zugeht.

Erst das folgende „Frozen Heart“ reflektiert den stimmungsvoll melodischen Stil der Region anschaulich. Huldrekall verbleiben mit sattem Akkordspiel statt flirrend hohen Tönen im mittleren Tempo-Bereich und lassen sich nur vorübergehend zum Galoppieren hinreißen. Der Song wird dadurch enorm eingängig, und dieser Linie folgt die Combo auch mit „Insolent Oppressor“, das zwar schwungvoller daherkommt, aber genauso von einem markanten Gitarrenleitmotiv lebt.

Ein etwas bemüht wirkendes akustisches Ende leitet zum stimmig ohne Verzerrung beginnenden „Delusion of Purity“ (dem erwähnten Bonus) über, einem weiteren Schleifer der schizophrenen Art, denn auch hier geht nach etwa halber Spielzeit das Gepolter los. Die Schwächen im Songwriting werden spätestens hier augenfällig, zumal die beiden abschließenden Longtracks „Psychic Self-Mutilation“ (knapp zehn zähfließende Minuten mit kurzer Eruption im letzten Drittel) und „Fading Light“ (Ambient-Rauschen als umschließende Klammer streckt einen strukturlosen Mittelteil auf dreizehn Minuten) keine Besserung in Aussicht stellen.

Gut möglich, dass Huldrekall auch deshalb vorläufig auf Eis gelegt wurden, weil den Machern die Ideen ausgehen. „What Else Will Fade?“ ist sicherlich kein Ärgernis, aber im Vergleich mit anderen Kalibern aus der Umgebung der Band ein unausgegorenes Werk und tatsächlich sogar weniger zwingend als ihre Nebenbaustelle Nidstang, die ebenfalls 2017 einen klasse Einstand hinlegte.