Hyrgal – Serpentine

Hyrgal - Serpentine

Ein starkes Debütalbum ist die beste Ausgangsbasis, um die Welt des Black Metals im Sturm zu erobern. Hyrgal, nun beim französischen Ausnahmelabel Les Acteurs de l’Ombre Productions zu Hause (letztes Jahr wurde dasselbe Album bereits über Naturmacht Productions veröffentlicht), gehen nach ihrer Demo von 2008 mit „Serpentine“ in die zweite professionelle Angriffsstellung und versprechen atmosphärischen wie melodischen Black Metal vor dem Hintergrund alpiner Landschaften und französischer Folklore. Textlich wird aber vor allem in Bezug auf die Folklore ganz anderes dargeboten, da geht es nämlich vielmehr um Kritik am Establishment und der Religion sowie um den Kampf gegen falsche Propheten.

Das Intro „L’Appel“ setzt die – auf dem Cover der CD abgebildete – Hütte direkt in ein verregnetes Berg-Setting unter einer drohenden Wolkendecke. Aus der düster-schönen Berg-Idylle geht es direkt mit „Mouroir“ hinein in einen tobenden Sechsminuten-Derwisch, der mit seinen treibenden Drums, den infernalen Vocals und den getragenen und präsenten Melodien deutlich macht, dass Hyrgal durchaus einen engen Bezug zur alten Schule des Black Metals haben, diesen aber mit einer songdienlichen Produktion zu kombinieren wissen. Dabei erlaubt man sich auch kurzzeitig die Atmosphäre vor die Tobsucht zu stellen und nochmals in das Idyll des Intros zurückzufallen, nur um dann umso intensiver den Song zu einem kurzweiligen und intensiven Ende zu tragen.

„Till“ beginnt mit cleanen gezupften Arpeggien der Gitarre, die unvermittelt in verzerrtem Schmelz aufgehen und den Song melodisch kleiden, bevor Schlagzeuger Zuccaro Emmanuel in einen langsameren, intensiveren Groove verfällt und die Headbanger-Fraktion unter den Black-Metal-Enthusiasten bedient wird. Textlich wird nun die gröbere Gangart gewählt, die Band verkündet, dass die Zeit der Empathie nun ein Ende hat und eine Einreihung ins Mittelmaß fortan nicht mehr in Frage kommt. Die durchgängig in französischer Sprache dargebotenen Songs entfalten durch die bittere und hasserfüllte Darbietung im Gesang ein sehr erhabenes und archaisches Gewand.

„Représailles“ wirkt noch epischer und hasserfüllter als „Till“. Sänger und Gitarrist Flandrois Clément gibt sich in diesem Rache-Epos voll und ganz der Raserei hin und rezitiert in seinem rauen Duktus mitunter ein Gedicht von Antoine Jacquemoud. Der Song fesselt mich nochmals deutlich intensiver als die vorherigen, die dargebotene Intensität und Konsequenz im Songwriting lassen vergessen, dass es sich hier um ein Debüt handelt.

„Aux diktats de l’instict“ verfeinert das Spiel mit unterschiedlichen Tempi und lässt den Schreien und der Verzweiflung mehr Raum. Die Leistung am Schlagzeug ist abermals beeindruckend: Pfeilschnelle Double-Bass-Passagen, eine peitschende aber nicht überpräsente Snare, und die immer wieder aufkeimenden, gebremsten und wohldosierten Grooves geben sowohl der Gitarre als auch den Vocals viel Raum zur Entfaltung und setzen die Mitmusiker und den Song gleichsam gekonnt in Szene.

„Rite“ versteht sich als Zwischenintro und vertieft die vorherrschende Atmosphäre, um dann final in „Etrusca disciplina“ zu verkünden: Alles bricht zusammen, alles brennt… Das Tempo ist zu Beginn deutlich reduziert – man gibt sich ganz den Gitarren und der Stimmung hin – bevor das Schlagzeug zu galoppieren und der Song sich zu einem reißenden Mahlstrom zu entwickeln beginnt. Hyrgal gelingt hier noch einmal eine Steigerung in das maximal Mögliche, ein gelungener, intensiver und verheißungsvoller Abschluss, der sowohl Lust auf einen erneuten Durchlauf der CD, als auch auf ein zweites Album macht. Freunde des klassischen Black Metals kommen hier voll und ganz auf ihre Kosten, lediglich den Verfechter der atmosphärischeren und abwechslungsreicheren Stile des Genres könnte die dargebotene Aggressivität zu Lasten von depressiveren oder verträumteren Parts zu einseitig sein.