Imparity – Watch the World Go By

Imparity - Watch the World Go By

So, was ist denn uns heute ins Netz gegangen? Imparity mit ihrer ersten Gothic-Doom-EP. Halt mal, Gothic Doom? Ich kenne und mag Doom recht gerne (gerade die epischeren Sachen), und ich kenne und mag auch bestimmte Gothic-Sachen, aber eine Mischung aus diesen beiden Stilen ist mir bisher noch nicht untergekommen. Aber gerade deshalb wurde hier meine Neugier geweckt, so dass die 4-Track-CD sofort in meinem Player versenkt wurde. Etwas Neues und Unbekanntes muss doch ja nicht immer gleich Murks sein. Stattdessen vielleicht nur etwas gewöhnungsbedürftig. Schließlich mussten sich in den Geburtsstunden des Hard Rocks bzw. Heavy Metals die stark von den britischen Käfern befallenen Flower-Power-Ohren auch erst langsam den neueren Klängen annähern, oder etwa nicht? So wie wir uns jetzt dem Klimawandel anpassen müssen und so wie alles den ständigen Wandel- und Anpassungsprozessen unterworfen ist. So ist das kosmische Gesetz…

Beim erwartungsvollen Lauschen von „Trapped in Wealth“ wollte noch kein Gothic-Funke auf mich überspringen, ist der Opener von so klassischer Doom-Natur, wie es sicherlich in jedem Sachkundebuch für eisenverseuchte Musik beschrieben wird. Die vier Jungs an den Instrumenten spielen aber auch einen konsequent umgesetzten, leicht von Melancholie verwässerten Doom, nur die Stimme von Sängerin Eva hat das Gothic-Feeling hier für sich gepachtet. Doch erst ab dem zweiten Song „Wounded Society“ entfaltet sich dieses wie eine zarte Blüte und erinnert verstärkt an bekannte Szene-Ikonen wie Liv Kristine oder die ehemalige Tristania-Frontfrau Vibeke Stene. Ohne Evas Gesang würde mich hier zunächst nicht mal ansatzweise irgendetwas an Gothic-Einflüsse denken lassen, doch dieser ist in der Tat recht vielschichtig, wodurch die EP zumindest stimmlich mit vielen Farbnuancen besticht. „Victory or Death“, das dritte Stück im Bunde, mach sich anschließend auch am besten im Ohr breit, und das in jeglicher Hinsicht. Die Instrumentalabteilung setzt hier zu einer echt melodischen wie treibend riffbetonten Torpedierung an, und Nachtigall Eva kredenzt uns sogar etwas Röchelgesang, was ihr auch echt gut gelingt und den Song richtig aufwertet. Das passt schon mehr zum rotzigen Doom! Das Schlusslicht bildet das titelgebende Stück „Watch the World Go By“, welches ähnlich dem zweiten Song wieder mehr Melancholie im Corpus hat (Doom und Melancholie sind ja quasi wie Vater und Sohn) und verstärkt von der melodietragenden wie betörenden Stimme geliebkost und umgarnt wird.

Resümee: Im Grunde ist dieses kurze Werk nicht von schlechten Eltern, wenn auch sicherlich noch hier und dort um einiges ausbaufähig. Vor allem in Bezug auf die Gothic-Ausrichtung, welche wirklich ausschließlich von Evas Stimmlage transportiert wird. Aber man hat sich hier, und das muss man erwähnen, ganz bewusst und absichtlich gegen jegliche Synth- oder Keyboard-Klänge, also gegen die typische, oft übertrieben eingesetzte – was sogar dahingehen kann, dass einem das Blut aus den Ohren schießen kann – Gepolter-Folter entschieden. Die eher stampfend und in einem recht gediehenen Tempo arbeitenden Doominikaner müssen vielleicht etwas mehr weg von der hier angepriesenen bluesigen Hard-Rock-Anpeilung wegschauen und mehr auf die charakteristischen melo-epischen, um nicht zu sagen gothicschen Klänge aufspringen, um sich das „Gothic“ auf die Fahnen schmieren zu können. Aber auch so ist diese kurze EP definitiv eine gelungene Horizonterweiterung für jeden verdammten Doom-Liebhaber. Doomster, die z. B. noch regelmäßig so eine Platte wie die „Nightflowers“ von Lords of Stone herauskramen und dabei immer noch wohltuend kribbelnde Ohren kriegen, sollten auch hier ganz glücklich werden können. Wenn Imparity noch hart an sich arbeiten, so wird da in naher Zukunft ganz bestimmt noch was ganz tolles aus Bochum auf uns zugerollt kommen. Kann ich mir echt gut vorstellen!