In Crucem Agere – Graveyard of Liars

In Crucem Agere - Graveyard of Liars

In Crucem Agere, was so viel wie ans Kreuz genagelt bedeutet, wobei ich es salopp lieber zu am Kreuze abhängen übersetzen würde, ist ein wirklich bemerkenswerter und recht viel Raum für Interpretationen aller Art zulassender Bandname, den sich da der in Wien ansässige Musiker Syknatt für sein schwarzmetallisches Projekt ausdachte, welches hauptsächlich von ihm alleine, jedoch mit tatkräftiger Unterstützung einiger Gastmusiker aufrechterhalten wird. Da „Graveyard of Liars“, das zweite Album der Band, seit Anfang Dezember seine unheiligen Botschaften in die heiligste aller Jahreszeiten hineinspeit, halte ich es für angebracht, dieses den zahlreichen Weihnachtskommerzverweigerern etwas näherzubringen. Also los geht’s!

MANKIND WILL PAY FOR THEIR ARROGANCE

Das siebenteilige Opus eröffnende und den Bandnamen anpreisende „In Crucem Agere“ ist das einzige Lied, das auf Deutsch vorgetragen wird, und auch das einzige, das einen schwachen paganen Windhauch mit ins Feld führt. Dieser Anschein rührt von den Gesangspassagen mit der viel tiefer grölenden Stimme, welche mich jedes Mal stark an die Thüringer Band Gernotshagen erinnern. Passenderweise ist der Song auch mit einem ordentlich mitreißenden Gitarrentakt ausgestattet und zieht richtig gut in die Beine wie in den Nacken ein, was jeden Schwarzmetaller ziemlich glücklich stimmen müsste. Beim nächsten Song „The Last Day of Mankind“ merkt man nun etwas stärker, dass das Fundament von In Crucem Agere naturreiner Black Metal ist, welcher vom Grundkonzept her ein wenig dem von Mavorim ähnelt. So dürfte es natürlich auch niemanden verwundern, wenn die Menschheit hier nicht nur ans Kreuz genagelt, sondern verbal noch einen gehörig auf die verruchte Lügenfresse gezimmert bekommt, bevor sie anschließend komplett terminiert wird. Ja, so muss eine richtig fiese Weihnachtsdurchsage lauten! Der Titeltrack oder so ein Song wie „Vobiscum Exitum“ unterstreichen ebenfalls bestens die stetig wachsende, misanthropisch-nihilistische Grundhaltung von Syknatt und seinen Mittätern. Mit viel Abwechslung an den Instrumenten sowie sich steigendem Zynismus geht es hier von Track zu Track im Gleichschritt weiter. Es wird vieles ausprobiert, zum Beispiel gibt es in den Songs wechselnde Stimmlagen von unterschiedlichen Sängern, so dass man merkt, dass man hier für viele Einflüsse offen ist, was sich dann in einigen ohrschmeichlerischen melodischen Riffs wie etwa beim Song „Lethargic“ oder den schön quietschenden Gitarren bei „Hellmonger“ bemerkbar macht. Dem Album haftet somit ein leicht experimenteller Anstrich an, der mir aber wirklich gut zu gefallen weiß. Schwarzwurzel-Bauern, die außer der ihnen bestens bekannten Kartoffel nichts anderes essen wollen, werden hier sicherlich was zu meckern finden, denn ja, zugegeben, „Graveyard of Liars“ hebt die Welt des Black Metals nicht aus den Angeln, aber die selbstproduzierte Scheibe eignet sich dennoch hervorragend, um sich die Gehörgänge mal wieder so richtig durchzupusten und auf diese Weise zu entstauben. Die physikalische CD-Version kommt übrigens noch mit einem etwas lauter aufgenommenen und sehr knalligen Bonus-Track daher, welcher nicht beim digitalen Stream enthalten ist.