Inferno Requiem – Shanhai

Inferno Requiem - Shanhai

Obwohl wir es bei Inferno Requiem mit einer Gruppe zu tun haben, die sich mit asiatischer Mythologie beschäftigt, klingt Fog, der hier alle Fäden im Alleingang zieht, wie die vielzitierte „Banshee“ aus angelsächsischen Legenden. Im übergeordneten Kontext des bisherigen Schaffens der Band nimmt „Shanhai“ hingegen die Rolle einer vorläufigen Standortbestimmung ein.

Das Album schwingt prosaisch gesagt die grobe Kelle, womit aber stets ebenso ein gewisses melodisches Feingefühl einhergeht, und der Aufhänger „Shanhai“ (passend mit „Grand Rage from Mountain and Sea“ untertitelt) steht mit seinem stimmungsvollen Orgel-Intro exemplarisch für die janusköpfige Art des gesamten Materials. Es führt einerseits die Linie seines Vorgängers „Nüwa“ fort, dessen wesentlicher Reiz seine gespenstische Aura war, und greift andererseits jene ruppigen Gesten auf, die Inferno Requiems Einstand „Gloomy Night Stories“ prägten.

Dass Fog und Inferno Requiem trotz gut 20-jähriger Aktivität praktisch immer noch unbeschriebene Blätter sind, kratzt nicht im Geringsten an der Intensität der größtenteils durchschnittlich langen acht Stücke auf „Shanhai“. Sie gestalten sich nicht durchgehend aggressiv, sind aber jederzeit sehr weit von zeitgenössischem und allzu oft verzärtelten Post-Zeug entfernt und insofern Black Metal der alten Schule, als hier weder klanglich noch spielerisch auf irgendwelche Kompromisse eingegangen wird.

Kurz gesagt: Schwiegermutter-Schwarzwurzeln sollten einen weiteren Bogen um die Platte machen, um sich keine blutenden Ohren bei dem klirrend kalten Treiben zu holen. Für alterfahrene Hörer strahlt sie jedoch unleugbare Erhabenheit aus, verstärkt zusätzlich durch subtilen Keyboard-Einsatz und in gleicher Weise nie zu weit im Vordergrund stehende Tremolo-Riffs. Abgesehen davon, dass das Schlagzeug fies wie ein Computer tackert, darf man „Shanhai“ klassisch gestimmten Szenegängern vorbehaltlos empfehlen.