Into the Arcane – Sleepless We Lie, Thoughtless We Cry

Into the Arcane - Sleepless We Lie, Thoughtless We Cry

Mit „Sleepless We Lie, Thoughtless We Cry“ hat eine weitere niederländische Combo es mit der Leichtigkeit des Fingerschnippens geschafft, meine vollste Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Die Rede ist von dem Quartett Into the Arcane, das mit ihrem intelligenten, schwarz- und deathmetallisch verfärbten sowie atmosphärischen Doom Rock wirklich stark punkten kann. Das fängt an bei kraftvollem, echt organisch pulsierendem Gitarren- und Bass-Gemisch (was bei den genannten und hochkarätigen Einflüssen wie Black Sabbath, Celtic Frost, Bathory, Tiamat, Paradise Lost, Trouble und Candlemass kein Wunder ist), den sich irgendwie verwinkelt anhörenden und einen großen Reiz ausübenden Melodien und endet nicht zuletzt an der mit einer extremen Unverwechselbarkeit gesegneten (Raben)Stimme von Sänger Erik, welcher Into the Arcane auf einer recht abgelegenen und einsamen Insel auf der Metal-Weltkarte positioniert. Ja, Leute, in Zeiten der allgemeinen kreativen Blutarmut ist das eine echt paradiesische Ausgangsstellung, um sich mal von der wohlverdienten Erfolgssonne irgendwo bescheinen zu lassen. Ob diese aber zum Vorschein kommt, oder ob sie sich doch hinter dicken Regenwolken versteckt halten wird, darauf hat die Band leider keinen allzu großen Einfluss. Sollte aber eh egal sein – auch ein Vincent van Gogh wurde schließlich erst nach seinem Ableben berühmt.

Die ganze Atmosphäre dieses fiktionalen, sich um einen Dr. Philips und seine Niederschrift „The Arcane Disorder“ drehenden Konzeptalbums, angefangen bei dem sich mysteriös gebenden Intro bis hin zu dem fürs Artwork verwendeten, in warmen erdigen Tönen gezeichneten Gemälde des niederländischen Landschaftsmalers Aert van der Neer, sprudelt, meinem individuellen Gefühl nach, aus einem gewissen viktorianischen oder auch barocken Background heraus. Dr. Jekyll und Mr. Hyde lassen hier grüßen, finde ich irgendwie… Und auch wenn dies nicht wirklich auf Anhieb fassbar oder rational identifizierbar ist, so ist die Zusammensetzung aus den einigen hier verbauten kleineren Puzzle-Akzenten für das große Unsichtbare und dennoch alles Durchdringende verantwortlich. Der erstaunliche Chorgesang im fünften Song „Reptilian Masquerade“ ist ein Beispiel davon, welches mir sofort speziell und positiv auffiel. Davon bitte mehr in Zukunft! Aber auch die Gitarre im nachfolgenden „Thoughts on Breathing“, meinem Favoriten des Albums (Anspieltipp!), zaubert eine derart impulsive und unverbrauchte Melodie auf die kognitive Oberfläche, dass es einem dabei wie von alleine ganz zappelig unter den Schuhsohlen wird. Und ja, der Melodiestrang erinnert mich sogar ein wenig an die berühmte Castlevania-Spielreihe, was als ein sehr großes Kompliment betrachtet werden kann. Diese Scheibe ist in der Tat schon sehr eigenständig, wodurch sich Into the Arcane perfekt in die Riege so aktuellen Bands wie Sorcerer, Isole oder Crypt Sermon einreihen. Pflicht für alle Doom-Freunde!