Karner – Knochnkerker

Karner - Knochnkerker

Als Karner oder Gerner bezeichnet man in Süddeutschland und Österreich, woher auch die Schöpfer von „Knochnkerker“ stammen, historische Beinhäuser als Zeugnisse einer Totenkultur, die mehrere Jahrhunderte lang europaweit gepflegt wurde. Die Band gleichen Namens widmet sich passenderweise ebenfalls dem Ableben, sei es wortwörtlich oder im übertragenden Sinne als Reflexion eines aufs Ende fokussierten Naturbildes.

Die Triebfeder des Quintetts, dessen Mitglieder sich hinter ihren bürgerlichen Initialen verbergen, scheint Gitarrist und Texter Marcel Kerschbaumer zu sein, der für diese Kassette die allerersten Songs von Karner kompiliert hat. Narbentage ließen wie gewohnt nur diabolische 66 Exemplare herstellen, deren Layout die Stimmung des Gebotenen bereits vorwegzunehmen scheint.

Die Aufnahmen gehen als kürzeres Album durch und dürften zwar keinem roten Themenfaden folgen, leben aber von einer einheitlich morbiden Atmosphäre. Das über sieben Minuten lange (aber eben nicht langweilige) „Durch Wetta, Nocht und Gischt“ sticht als Miniepos und vorläufiges Gesellenstück einer Gruppe hervor, die keine Neuerungen anstrebt, ihre Songs dafür jedoch lobenswert dynamisch geschrieben und produziert hat.

Beim Hören denkt man oft an eine nicht ganz so direkte, weniger intensive Variante der Schweizer Wacht. Erfreulich ist daran andererseits, dass Karner keine orthodoxe Teufelsanbetung betreiben, sondern Menschsein und Umwelt mit ihren jeweiligen Schattenseiten thematisieren.

Das ist zwar gerade im deutschsprachigen Raum nichts Neues, doch der liebenswürdige Zungenschlag unserer südlichen Nachbarn verleiht dem Material auf „Knochnkerker“ ein schärferes Profil, als es die durch und durch althergebrachte Musik allein zulassen würde. In diesem Zusammenhang könnte sich Schreihals Bernd Stollwitzer in Zukunft zu einem echten Charakterkopf entwickeln.

Man mag Karner eine differenzierte Art von Wald-und-Wiesen-Gerumpel nennen, die zweifellos zukunftsträchtig ist, falls die Mitglieder jene Steifheit, die man auf ihrem Einstand noch hier und dort spürt, im Zuge regelmäßiger Auftritte und einer klaren Zielsetzung ablegen können.