Kauan – Sorni Nai

Kauan - Sorni Nau

Es war ziemlich wahrscheinlich, dass Kauan mich auch mit ihrem neuesten Album „Sorni Nai“ überzeugen würden. Dass die Russen mit der faszinierenden Angewohnheit ihre Alben in finnischer Sprache einzusingen es allerdings schaffen würden die Messlatte noch eine Stufe höher zu legen, hätte ich mir nicht zu Träumen gewagt. Dabei ist es nicht nur die Musik, die mein Herz abermals im Sturm erobert hat – auch das Thema, dessen sich die Gruppe auf diesem Konzeptalbum angenommen hat, ist wahnsinnig faszinierend.

Als großer Fan geheimnisvoller und mysteriöser Geschichten, moderner Legenden und (nicht aus Überzeugung, sondern aus humoristischer Neugier) sämtlicher kursierender Verschwörungstheorien, war mir die Geschichte des tragischen Zwischenfalls am Djatlow-Pass bereits ein Begriff. Hier eine kurze Zusammenfassung: 1959 verschwand eine Gruppe russischer Studenten während einer Ski-Wanderung im nördlichen Ural. Die Umstände ihres Todes erscheinen auf den ersten Blick außergewöhnlich, denn augenscheinlich hatte die neunköpfige Gruppe ihr Zelt mitten in der Nacht und beinahe unbekleidet fluchtartig verlassen – bei tiefsten Minusgraden eine fatale Entscheidung. Bis heute sind die näheren Umstände dieses Unglücks ungeklärt und natürlich haben sich die wildesten Theorien darum entwickelt.

Ich weiß leider nicht, was Kauan genau besingen – ob es nun eine allgemeine Erzählung der Ereignisse ist, ob sie auch auf einige der Theorien eingehen oder ihre ganz eigene Version dieser mysteriösen Geschichte erzählen – verstehe ich doch kein einziges Wort Finnisch. Es reicht jedoch vollkommen, sich von der Atmosphäre des Albums tragen zu lassen. Allein schon musikalisch wurde das Thema so gut aufgearbeitet, dass ich bei jedem Hördurchgang eine Gänsehaut bekomme. Die Stimmung des Albums ist so wechselhaft wie die Geschichte selbst – vom hoffnungsvollen Aufbruch der Reisegemeinschaft bis hin zum dramatischen Ende in der Kälte des Urals bekommt man als Hörer eine emotionale Berg- und Talfahrt geboten, der man sich nur schwer verschließen kann. Den Stil des Albums einzuordnen fällt auch dieses Mal nicht leicht. Kauan haben ihre ganz eigene Art des Geschichtenerzählens gefunden und bedienen sich dabei mehr sporadisch einzelner Elemente aus Folk, Doom und Avantgarde Metal. Einzelne Anspieltipps zu geben, grenzt bei diesem Konzeptalbum beinahe schon an Frevel. Ich kann trotzdem ein Reinhören in die Songs „Akva“, „Khurum“, „Nila“ und „Khot“ wärmstens empfehlen.