Knarkaren – …put uninspired title here…

Knarkaren - ...put uninspired title here...

„Fickt euch doch einfach alle!“, zetert der Drogenabhängige und setzt sich den letzten Schuss, bevor er schließlich – angefeuert durch eine uninspirierte Todesanzeige im örtlichen Blatt – den letzten Gang in die Grube nimmt. Allein, nur graue Vögel ziehen am Himmel über dem Grab des letztendlich doch Besiegten. All das Kämpfen mit sich und den anderen erscheint jetzt völlig sinnlos. Vorbei.

Klingt nicht sehr unterhaltsam? Ist es aber, wenn man den kaputten Schweden Knarkaren sein Vertrauen schenkt und die EP „…put uninspired title here…“ in den MP3-Player oder ins Kassettendeck bugsiert. Ja, es erwartet den Hörer Depressive Metal, das Black spare ich mir, denn so wirklich reinrassig mag die EP nicht klingen. Ist auch völlig egal, denn atmosphärisch sind Knarkaren vielen Konkurrenten um Welten voraus. Was die fünf Stücke in den viel zu kurzen 23 Minuten so interessant macht, ist der Hauch Post-Punk, der dem Ganzen einen abartigen Joy-Division-meets-Lifelover-Charme einverleibt. Anders als Lifelover haben Knarkaren aber durchwegs hervorragendes Liedgut abzuliefern, welches einen in eine drogengeschwängerte, teilweise beinahe friedvoll melancholische Welt mitreißt. Man höre nur das hitverdächtige und unheimlich schöne „Grey birds breeding“, ein treibender Ohrwurm, den man immer und immer wieder im Player haben möchte.

Die Produktion ist roh, die Gitarren wabern im Raum, das Schlagzeug ist dumpf, beinahe klingt es wie eine Live-Einspielung, und genau der Eindruck wirkt sich auf den Hörer aus. Man lauscht gefesselt den panischen Schreien, die zwischen Trotz und Verzweiflung pendeln und die herausragende Gitarrenarbeit nur zu veredeln wissen. „Throwing up all these sunny sundays“ mit seinen Fuck-you-all-Schreien nimmt man den Schweden voll ab. Keine Spielerei, kein Kindergarten, einfach nur musikalisch äußerst begabte Kaputtniks, von denen man weder Bandmitglieder geschweige denn Fotos kennt. Und das ist das Erfrischende dabei, keine Zurschaustellung von menschlichem Elend wie bei Shining, Vanhelga oder wie sie alle heißen. Knarkaren sprechen in 23 Minuten mehr erschreckende, menschliche Szenarien an, als die Genregrößen. Und so kann depressive Musik, welche genug positive Widerhaken ausfährt, um gefällig zu sein, richtig ins Ohr gehen.