Kryptah – Hypnos

Kryptah - Hypnos

Kryptah, das ist ein Name, der definitiv nach Friedhof riecht. Das schmucke, mit kräftig erdigen, gelblich-grünen Farbtönen stark hervorstechende Cover des auf 100 Einheiten limitierten und über Narbentage Produktionen herausgebrachten Tapes will diesen Eindruck nur noch bekräftigen. Das vom Bassisten AL auf Holz gemalte Gemälde des Artworks ist dermaßen expressiv, dass man einfach nicht umhin kommt, dieses zu „Hypnos“ betitelte (Demo-)Album interessant zu finden. Noch bevor ich auch nur den ersten Ton hörte, drehte sich die Kassette bereits mehrere Male mit einer gewissen Vorfreude in meinen Händen und wurde in Augenschein genommen. Dieses Tape ist ein leuchtendes Beispiel dafür, dass ein Album in der Gesamtheit, also mit einer ansprechenden optischen Gestaltung, Texten und allem, was sonst noch so dazu gehören mag, stets am besten funktioniert.

Die Band, die erst 2017 aus der Taufe gehoben wurde, wenngleich die hier anzutreffenden Musiker schon zuvor in exakt derselben Konstellation unter dem Namen Idisenfluch aktiv gewesen waren, hat sich mit dieser Aufnahme ganz und gar dem Buch „Schlafes Bruder“ des österreichischen Schriftstellers Robert Schneider verschrieben. „Hypnos“, ein Titel, der eine kleine Brücke zu den antiken Gottheiten Griechenlands schlägt, kann somit als ein ganz spezielles Konzeptalbum betrachtet werden. Vorsichtig gezupfte Akustikgitarre und eine grazile, eine Orgel nachahmende Keyboard-Melodie leiten den ersten Song „Aszendent“ auch schon sehr speziell ein. Das ist auch sehr passend, wird doch der Orgel auch schon in der Buchvorlage eine besondere Bedeutung beigemessen, wie meine grobkörnige Recherche (ohne das Buch jetzt gelesen oder die halbwegs gelungene Verfilmung gesehen zu haben) zu Tage beförderte. Das Keyboard spielt bei Kryptah auch eine gleichberechtigte Rolle neben den anderen Instrumenten, und wird nicht nur als hintergründiger Supporter oder gelegentlicher Aufblitzer bzw. Sound-Politurmasse dem Musikgefüge beigemengt. Natürlich gibt es auch massig Passagen, wo die beiden Gitarren die erste Geige spielen, doch wenn A. in die Tasten haut, dann wird ihm der nötige Raum zur Entfaltung auch eingeräumt. Der Anteil des Keyboards am Gesamtwerk ist also nicht unerheblich, stellenweise sogar stark mitgestaltend, was dem Werk eine besondere Klangwürze verleiht und mir persönlich echt gut gefällt.

Erlösung aber ist die Erkenntnis der Sinnlosigkeit allen Lebens.
– Robert Schneider in „Schlafes Bruder“

Ebenso zu gefallen weiß auch der permanente Einsatz der Gitarren, die sich grundlegend recht atmosphärisch in den Saiten austoben, über weite Strecken songdienlich wie starre, das Gesamtkunstwerk einfassende Umrahmungen erscheinen, um diese selbstgesetzten Schranken – was etwa zum Ende des zweiten Stückes „Genius/Schattenwelt“ hin sehr gut ersichtlich ist – dann bewusst zu überschreiten und bestimmte Passagen derart betont hervorzuheben. Diese herausragenden, etwas ruhigeren Soundspitzen sind wie Schlüsselszenen eines Films und schrauben die Spannung immer mehr ein Stückchen weiter nach oben. Die vom Gitarristen I. in dieses Gemenge regelrecht eingeworfene, sich qualvoll gebende Stimme, welche die seelische Pein des leidenden Hauptcharakters des Buches hier wirklich sehr gut widerzugeben vermag, hätte nicht passender zu der Thematik sein können und ist bis zum bitteren und selbstmörderischen, im letzten Lied „Thanatos“ (in der griechischen Mythologie der Bruder von Hypnos) manifestierten Ende, ein angenehmer Wegbegleiter durch die sieben Songs des sehr gelungenen Tapes. Das Schlagzeug kracht auch sehr angenehm, ziemlich organisch und ist in allem nicht allzu aufdringlich, was dem Gesang wie dem Keyboard wohl ein wenig zum Vorteil gereicht.

Die Produktion, vom Session-Schlagzeuger Gerileme aufgenommen, gemischt und gemastert, ist insgesamt sehr erdig und lässt dieses schwarzmetallische Kleinod in einem ebenso passenden Düsterlicht erstrahlen wie das den Hauptprotagonisten des Buches darstellende Cover-Gemälde. Etwas schade, dass diese vielseitige Musik nur ein Dasein auf einem Tape fristen muss. Eine Vinyl-Platte wäre wohl ein um einiges passenderes Medium für diese tolle Veröffentlichung.