Lectoblix – The Night Shall Last Forever

Lectoblix - The Night Shall Last Forever

Wer Lust auf einen albtraumhaften, teilweise psychopathisch anmutenden Ritt durch die Finsternis auf dem Rücken einer echten Nachtmähre hat, darf ruhig ein Ohrenmerk auf „The Night Shall Last Forever“ von Lectoblix werfen. Die rein instrumentale Reise steht ganz unter einem Post-Black-Metal-Stern, ist durchaus facettenreich, stellenweise aber auch anstregend. Zumindest kann das Album aus meiner Sicht nicht auf voller Länge von seinen Stärken zehren. Rein thematisch muss ich jedoch gestehen, dass der Stil passt – auch wenn er nicht in jedem Moment meinen Geschmack trifft.

My music is a chronicling of a dreaming man’s journey to wake up. His encounters and experiences therein cause an inner war between staying and leaving. Will he make up his mind before his time runs out?

Wie bereits gesagt, macht der Stil von „The Night Shall Last Forever“ im Gesamtkontext Sinn, was dieses Zitat von Diem Exuro, dem Kopf hinter dem Projekt, noch einmal unterstreicht. Ich stelle mir also im Verlauf des Albums vor, ich würde ganz langsam und leicht verwirrt aus den düsteren Sphären eines verblassenden Albtraums erwachen. Schon hat die bedrückende Stimmung und ihre mitunter etwas träge wirkende Schwere eine völlig neue Bedeutung und fügt sich hervorragend in das Bild ein. Aber nicht nur ein langsames Erwachen wird hier thematisiert. Es geht auch darum, ob der Protagonist dieser (Alb)Traumreise überhaupt wirklich die nächtliche Scheinwelt verlässt, oder ob ein Teil von ihm dort gänzlich verweilt bzw. gefangen ist. Das klingt eigenartig, vielleicht? Ich muss gestehen, so hört sich „The Night Shall Last Forever“ mitunter tatsächlich an. Und ich kann nur noch mal betonen: Obwohl es sich um grundsätzlich soliden Genre-Stoff handelt, der etlich gute Momente aufweist, ist das Album kein Happen für Zwischendurch und liegt mitunter schwer im Magen.

Ebenso schwer fällt es mir, hier auf einzelne Songs einzugehen und diese zu thematisieren. Hörenswert wäre beispielsweise der relativ melodische Opener und gleichzeitige Titeltrack „The Night Shall Last Forever“. Außerdem das leicht verträumt klingende „The Wizard and the Lonely Princess“ oder das zum Rest des Albums – wie ich finde – in einem krassen Kontrast stehende „The Emperor of Dreams“. Bedrückender geht es in Stücken wie „The Taste of Triumph“ oder „Flashes in the Wine of Sentiment“ zu, die mehr von ihrer schwarzmetallischen Seite zehren. Und schließlich gibt es da noch diese Songs, die für mich gelinde gesagt kompliziert einzuordnen sind, wie beispielsweise das dröhnende „In a Lonely Place“ oder das für die schwerfälligen Stücke dieses Albmus stehende „A Sensitivity to Ephemera“. Eben diese letztgenannten Songs sind es aber auch, welche den inneren Konflikt, der auf „The Night Shall Last Forever“ ausgetragen wird, mit am besten auszudrücken vermögen.

Einen kurzen Ausflug hinter die Kulissen dieser verwirrend anmutenden Scheibe möchte ich noch wagen. Der Bandname Lectoblix erinnerte mich beim ersten Lesen stark an einen ebenso bekannten wie beliebten gallischen Krieger und Wildschweingourmet. In der Tat hat er jedoch nichts mit besagtem Gallier gemein, sondern bezeichnet ein mythisches Wesen, welches hinterrücks Kraft und Jugend aus seinen schlafenden Opfern saugt. Ich komme nicht umher, diesen Namen als passend zu empfinden – auch wenn das mit einem leichten Augenzwinkern irgendwie nichts Gutes über das Album ausdrückt. Das Cover von „The Night Shall Last Forever“ ziert im Übrigen ein Nachtmahr im wahrsten Sinne des Wortes – wenn auch mit einem dezent plüschigen Hintergrund. Faszinierenderweise hat sich Diem Exuro für dieses Album nämlich den Bösewicht Nightmare Moon aus der Zeichentrickserie „My Little Pony“ auserkoren. Was auf den ersten Blick gelinde gesagt skurril anmutet, erweist sich beim zweiten Blick als ziemlich passend. Schließlich basiert der Charakter von Nightmare Moon auf einer innerlichen Zerrissenheit und persönlichen Konflikten, die, wenn man so will, auch auf dem Album an jeder Ecke zu finden sind.

Mit einem gespaltenen Fazit möchte ich „The Night Shall Last Forever“ all jenen ans Herz legen, die auch vor schwerer Kost nicht zurückschrecken. Ich denke, das Werk von Lectoblix aus der Mitte ihres Schaffens – immerhin hat das Album bereits vier Jahre auf dem Buckel – kann mit einigen spannenden Momenten aufwarten und verfügt über eine ganze eigene, düstere Stimmung und Dynamik.