Meuchelmord – Niedersachsen Schwarzmetall

Meuchelmord - Niedersachsen Schwarzmetall

Wenn ich an Meuchelmord denke, so hab ich nicht nur die niedersächsische Band des Einzeltäters Cernunnos vor Augen und in den Ohren, sondern immer häufiger auch den Wunsch einen derartigen zu verüben, z. B. wenn ich wieder mal höre, dass die noch wenigen verbliebenen Reste eines alten Waldes wie etwa des vor kurzem gerade noch so geretteten Hambacher Forsts aus Gründen der bodenlosen Raff- und Habgier sowie unermesslichen Dummheit und Kurzsichtigkeit einiger wenigen eh schon geldscheißenden und in Gold badenden Menschen noch weiter abgeholzt werden sollen. Bei solchen Nachrichten frage ich mich ernsthaft, wo die ganzen Racheengel bleiben, wann die nächste Sintflut einsetzt bzw. wann die ganzen apokalyptischen Prophezeiungen endlich wahr werden und die zweibeinige Pest vom Antlitz des Planeten fegen bzw. auf ein gesundes Maß dezimieren. So krass dies sich auch anhören mag, aber die explosionsartige Wachstumsrate des Menschen sollte langsam jedem vernünftig denkenden Freigeist Angst bereiten. Ja, der Mensch vermehrt sich genauso unkontrolliert wie die Ratten, eigentlich sind wir genauso, wenn nicht sogar noch schlimmer wie das „Rattenvolk“, um hier gleich eine Überleitung zum zweiten Song des aktuellen Albums „Niedersachsen Schwarzmetall“ von Meuchelmord herzustellen. Cernunnos – so würde ich es unterschreiben – steht mit seiner Band gegen den Verfall der Sittlichkeit, gegen die hingenommene Diffamierung alter Werte, gegen die stumpfsinnige Vernichtung der Natur, und das im Konnex mit einem von Trauer und Hass überdeckten Heimatgefühl. Diese Empfindung harmoniert bestens mit dem schönen Artwork, welches in der nachgepressten Jewelcase-Edition ein morbid verzerrtes Landeswappen von Niedersachsen mit einem halb verwesten Pferd zeigt. Echt gut gelungen und passend! Die limitierte und komplett vergriffene Digipak-Erstpressung zeigt dagegen einen Kopf mit einer ABC-Maske, was sicherlich auf die Verseuchung des gesunden Menschenverstandes und Lebensraumes anspielt.

Musikalisch wurde das niedersächsische Schwarzspektakel zum größten Teil mit anspornender und stark aufrüttelnder Gitarrenmelodik und der dazu im passenden Takt tobenden Batterie umgesetzt. In einer nahezu gleichbleibender Uniformität werden hier die Saiten geraspelt oder, wie beim „Schlachtenlärm“ zum Beispiel, im beharrlich stampfenden Tempo gezupft – nur hier und da leicht aus der Kontinuität springend, um die Kurve zu einem Rhythmuswechsel zu kriegen. Allen Songs, vom Intro „Auftakt“ und Zwischenspiel „Rachezug“ abgesehen, ist auch ein großes Haarwedel-Potenzial eigen, der von der meist anprangernden Kreischstimme noch zusätzlich aufgestachelt wird. Von Depressivität, wie ich es noch letztens auf der Split mit Mavorim zu hören bekam, ist hier nicht viel zu vernehmen. Diese aktuelle Veröffentlichung ist eindeutig ganz und gar auf den Angriff nach vorne getrimmt. Und das hört man. Cernunnos hat wirklich Drive im Blut und scheinbar auch eine große Sample-Sammlung aus alten Dokumentarfilmen über unsere deutsche Geschichte. Diese, oft mit Sprachen des alten Kaisers Wilhelm gesalzen, bringen eine angenehme Abwechslung ins schnelle Spiel und verleihen dem Album einen speziellen historischen Charme. Der Titeltrack ist davon am meisten positiv infiziert: Zu Anfang, in der Mitte und am Ende gibt es das Knistern längst vergangener Zeiten zu hören. „Niedersachsen Schwarzmetall“ ist aber so oder so eine echte Hymne geworden, unverfälscht und stark, im Herzen mit Donnerhall, eben wie der hier gemeißelte niedersächsische Schwarzmetall. Für alle aus dieser Region stammenden Schwarzmetaller ist diese CD somit Pflichtprogramm! Aber auch allen anderen dürfte die Scheibe ein Ohr wert sein. So, ich muss mich nun auf den Weg machen, denn: It’s time for a kill…