Mirrored in Secrecy – Solitution

Mirrored in Secracy - Solitution

Nachdem wir schon kurz das recht neue, auf Doom ausgelegte Projekt The Crow & The Phenix, welches sich aus Mitgliedern der Kölner Gothic-Institution Mirrored in Secrecy rekrutierte, vorgestellt haben, macht es natürlich Sinn, sich die Vorgängerband von David Timsit und Julia Kahlert auch noch etwas genauer anzuschauen bzw. anzuhören. Das zweite und vorerst letzte Album „Solitution“ – der Titel ist wohl eine gelungene Symbiose aus den beiden aussagekräftigen englischen Wörtern Solitude und Evolution – ist dafür natürlich am besten geeignet. Passend zum gewählten Titel wäre direkt zu sagen, dass Mirrored in Secrecy aktuell nur noch von David im Alleingang aufrechterhalten wird, was aber nicht heißen soll, dass dieses Projekt nun komplett auf Eis liegt. Aber lassen wir uns überraschen und warten etwas ab, und dann wird es sich bestimmt herauskristallisieren, ob unter diesem Gothic-artigen Markenzeichen in Zukunft doch noch etwas Neues zu vernehmen sein wird oder auch nicht. Bis es aber soweit ist, wird „Solitution“ noch einige Kreise in meinem Player drehen, garantiert!

„Bittersweet“, der Opener macht sofort signifikant klar: David hat definitiv einen Masterplan und weiß ganz genau, wie man spannend strukturierte Songs schreibt und in die Tat umsetzt. Bittersüß ist indes auch seine in der Range viele Farbtupfer und -facetten umfassende Stimme, und nicht nur der Songtitel. Ob dezenter oder druckvoller Klargesang oder tiefe Growls, David beherrscht mit seinem voluminösen Stimmorgan einfach alles bravourös. Gerade bei „Bittersweet“, aber ebenso dem zweiten Track „Last Resort“, wird dies auf die Spitze, auf eine melodische Kollision hin getrieben. Das gefällt und nimmt einen sofort mit! Ein weiterer starker Pluspunkt stellt die variationsreiche Gitarrenarbeit dar, die sowohl knallhart und riffbetont nach vorne stürmen, aber ebenso ruhiger zur Tat schreiten kann, wie zum Beispiel im sechsten Song „Ravenpath“. Neben den typischen, rockigeren Gothic-Elementen wird man hier sicherlich auch viele begleitende Einflüsse der epischen Doom-Schiene heraushören können, die den Sound bereichern und dem Gothic ganz neue Dimensionen eröffnen. „Megrim“ würde ich hier als das beste Paradebeispiel dafür nennen wollen. Momentan scheint es sowieso einen sehr speziellen Trend in Richtung des exotischen Stils Gothic Doom, wie etwa bei der von uns bereits angecheckten Band Imparity, zu geben. Es ist womöglich doch ein guter Schachzug, die gesammelten Erfahrungen aus Mirrored in Secrecy nun in die neue Band The Crow & The Phenix zu überführen, und einen Neuanfang in der gefundenen Komfortzone zu wagen. Das erscheint mir hier sehr logisch und auch konsequent.

Es bleibt also festzuhalten, dass „Solitution“ wegweisend für Davids (und wohl auch Julias, die auf diesem Album jedoch nur im letzten Song „At the River“ als Gastsängerin zu hören ist) musikalischen Werdegang war. Zudem ist es auch um einiges selbständiger als noch der Vorgänger „Day of Renewal“ von 2012, wo man sich stellenweise öfters an andere bekannte Genregrößen erinnert fühlen kann. Definitiv ein sehr gelungenes Album, das mich wieder ein Stück weit zurück zu meinen metallischen Ursprüngen mitgenommen hat. Auch ich habe nämlich mal unter anderem mit Theatre of Tragedy oder Cemetary angefangen und weitere ähnliche Acts gehört. Und selbst heute tue es auch noch gelegentlich.