Monolithe – Okta Khora

Monolithe - Okta Khora

Nach diversen durchnummerierten Alben unter dem Bandnamen und einigen EPs schlagen Monolithe nun mit ihrer aktuellen Langrille „Okta Khora“ eine weitere Schneise in den Doom Metal. Betrachtet man die Minutenlängen des Albums, scheint hier eine Art Spiegel-Konzept in Albumform umgesetzt worden zu sein, welches sich um die Zahl 8 und ihre Teilbaren dreht. So sind der erste und achte Song jeweils vier Minuten lang, der zweite und siebte Song sowie der dritte und sechste Song jeweils acht Minuten lang und die inneren Songs wiederum jeweils Vierminüter. Das Digipak wie das Booklet mit wunderschönem Artwork legen zudem nahe, dass neben der Zahl 8 auch das Weltall eine Rolle im Konzept spielt.

Nach dem instrumentalen Eröffnungstrack „Okta Khora (Part 1)“ stellt der erste achtminütige Opus „Onset of the Eighth Cycle“ direkt die Weichen. Monolithe verlassen sich bei weitem nicht nur auf tiefe, düstere Chords allein, sie sind deutlich verspielter als beispielsweise Evadne und weniger in regulären Strukturen verhaftet als Aeonian Sorrow. Viele Gitarrenmelodien schweben drohend über einem dezenten Keyboard-Teppich und zaubern eine gefährliche und beklemmende Atmosphäre um die tiefen, rauen Vocals von Sänger Rémi Brochard.

„Dissonant Occurence“ erinnert an Dimmu Borgir in einem Doom-Gewand. Für das Genre wirkt der gewählte Ansatz sehr progressiv: Viele Melodieläufe ergänzen sich, laufen ineinander über, geben dem Stück Luft zu atmen. Dann flackern immer wieder cleane Vocals auf, wunderschöne Momente, welche die Schwere für einige Takte aus dem Song nehmen und der Band Zeit geben, auszubrechen, bevor es zur großen Konklusion kommt.

Glaubt man, die Band vollends verstanden zu haben, überrascht sie den Hörer beim ersten Teil von „Ignite the Heavens“ mit Black-Metal-Parts und Tribal-Gesängen, während sie sich beim nachfolgenden zweiten Teil durch manisch wirkende Weltraum-Klang-Dystopien mit orientalischen Anleihen rippt. Mit „The Great Debacle“ kehrt sie zu finsterem Doom zurück, bei „Disrupted Firmament“ dreht sie dagegen die Epik-Schraube mit betörenden Melodien hoch. Als mit „Okta Khora (Part 2)“ der letzte Song seine isntrumentalen Schneisen durch die Boxen zieht, hat die Band auch noch den Post-Rock gestreift und cineastische Breitbandriffs in den Ring geworfen, die auch einem Kinofilm sehr gut zu Gesicht stünden.

„Okta Khora“ ist hervorragend produziert, klingt erhaben und majestätisch, ohne dabei zu poliert rüberzukommen. Die Songs sind beileibe nichts für Freunde von Easy Listening, vielmehr bekommt man hier um das Doom-Genre herumgezimmerte, anspruchsvolle Grenzerfahrungen: An jeder Stelle gibt es etwas zu entdecken, nie kann man sich ganz sicher sein, was als nächstes kommt. Und dennoch wird man nicht enttäuscht, nichts ist so weit außerhalb der Hörgewohnheiten, dass etwas deplatziert wirken würde. Monolithe verwöhnen den anspruchsvollen Hörer auf „Okta Khora“ mit herrlich komplexen, wunderschön ausarrangierten und intelligenten Songs, allesamt keine Snacks für Zwischendurch, sondern wahre Genießerhappen. Chapeau!