Mornir – Dämmerstund

Mornir - Dämmerstund

Ich könnte es verstehen, wenn man Mornir vorwirft, auf ihrem Debütalbum „Dämmerstund“ gar nicht so viel anders zu machen, denn im Grunde liefern sie etwas ab, was schon viele Bands vor ihnen auch abgeliefert haben. Wie gesagt, verstehen könnte ich es. Aber das tut diesem wuchtigen Album zum Glück nicht im Geringsten einen Abbruch!

„Dämmerstund“, das ist ein mit kraftvollem Pagan Metal und Headbang-Garantie vollgepacker Silberling. Ihr ahnt es vielleicht bereits, dass es sich bei „Dämmerstund“ nicht um ein hochkomplexes Album handelt, das irgendeine Sache anprangert oder irgendein bestimmtes Thema ansprechen möchte. Aber auch das ist nicht schlimm, denn die Energie, welche diese Scheibe entfesselt, ist ohnehin besser zum Mitgrölen als zum Nachgrüblen geeignet.

Für ein Debüt legen Mornir ihre eigene Messlatte ziemlich hoch an. Der rasante Ritt hinein in die Dämmerung beginnt bereits mit dem Opener „Flammenschwinge“ erstaunlich stark, was sich auch in den nachfolgenden Songs „Altvordere Macht“ und „Hexer“ konsequent fortsetzt. Letzteren Song konnte man bereits 2019 als Single genießen, und ich schätze, dass sich dieses Stück live zu einem echten Hit mausern wird, falls es das nicht schon ist, denn immerhin sind Mornir bereits seit 2011 auf diversen Bühnen unterwegs. Einen Platz in meiner Ohrwurm-Liste hat „Hexer“ jedenfalls jetzt schon.

Die extrovertiere Scheibe kann jedoch auch in ihren ruhigeren Momenten überzeugen. Mit weiblicher Gesangsunterstützung von Theresa Mehringer geht es in „Lebenshauch“ und „Ein Licht“ zwar etwas gediegener zu, doch in Hinblick auf die Stimmung sind auch diese beiden Songs große Klasse. Sehr stimmig finde ich die Eingliederung der Violine, die hier tatsächlich als vollständiges und mitrockendes Instrument fungiert und nicht nur für den pagan-folkigen Exoten-Bonus gewählt wurde.

Als wohl „experimentellstes“ Stück der Scheibe würde ich „Bote des Weltenfalls“ einordnen. Ein kleines bisschen sperrig kommt der knapp vierminütige Track daher, beweist aber auch, dass man sich traut, über den eigenen Tellerrand zu schauen.

Nach fast fünfzig Minuten ist der Spaß leider „schon“ vorbei. Aber keine Sorge, das Album macht so viel Laune, dass man es schnell noch einmal von Anfang an durchören möchte. Die angenehme Kurzweil, welche mit Sicherheit auch von der ebenfalls sehr angenehmen Länge der einzelnen Songs herrührt, tut ihr Übriges. Ich für meinen Teil kann jetzt schon behaupten, dass ich noch lange viel Spaß mit diesem Album haben werde. Nur schade, dass Corona uns bei etwaigen Live-Auftritten im Moment einen Strich durch die Rechnung macht…