Mortado – Rupert the King

Mortado - Rupert the King

Während sich im italienischen Power-Metal-Lager schon wieder ein neues Rhapsody-Geschwür gebildet hat (diesmal unter dem total bekloppten Namen Turilli / Lione Rhapsody, was sich irgendwie beschissen anhört und nach Eigenberäucherung aussieht, auch wenn die Musik sicherlich ohne jeden Zweifel sehr erhaben sein wird), gibt es auch noch andere wirklich gute und neue Metal-Schmieden aus dem Stiefelland. Eine davon, deren Erstveröffentlichung ganz überraschend in meinem Briefkasten landete, hört auf den Namen Mortado (ok, ich geb’s zu, klingt etwas wie Mortadella, und ja, wenn man tot ist, ist man auch irgendwie Mortadella, haha…) und spielt einen wirklich punktgenauen Thrash, der an ältere Bay-Area-Klamotten erinnert und somit eigentlich alles richtig macht. Die Combo besteht aus dem Ex-Extrema-Member Gianluca „GL“ Perotti, den Schlagzeuger Manuel Togni, welcher u. a. bei Aleph die Felle verdrosch, sowie den beiden Franzè-Brüdern Stefano (Leadgitarre) und Simone (Bass). Und auch wenn das im einfachen Comic-Zeichenstil erstellte Cover-Artwork des auf „Rupert the King“ benannten Debütalbums für einige sicherlich nicht einmal eines Blickes würdig sein wird, so sollte man sich davon definitiv nicht abschrecken bzw. zu so einer oberflächlichen Vorgehensweise erst gar nicht verleiten lassen. Und mal Hand aufs Herz: Das von digitaler Digitalness nur so triefende Cover der kommenden Scheibe von Turilli / Lione Rhapsody sieht noch beschissener aus! Haha…

Mit echt fies in den Ohrmuscheln liegendem Gepiepse und einem wilden Leadgitaren-Solo legt die Scheibe mit dem Titeltrack kurzerhand einen schwergewichtigen Brocken auf den Thrash-Tisch. Hier wird nicht erst viel gefackelt, sondern direkt zur Sache geschritten. Schnell und opulent, sind hier doch alles alte Hasen am Werk. Die Stimme von Gianluca klingt bei diesem Track noch irgendwie dunkel, offenbart aber im Laufe des Albums ein wirklich breites Spektrum an Variabilität, was der recht bunten Scheibe nur zum Vorteil gereicht. Bunt ist auch das richtige Stichwort, denn nicht nur auf der instrumentalen Ebene, sondern auch auf der lyrischen wandert man auf den unterschiedlichsten Pfaden, wie etwa mit „Babylon’s Flag“ oder „The Great Spirit“. Der Besuch beim Manitu ist auch eine ziemlich ruhige, mit indianischen Gesängen verwobene Nummer, welche aber im ganz starken Kontrast zu darauffolgender steht. „Venom“ killt alles und knallt in die Nackenwirbel wie etwa Grave Diggers „Killing Time“ (Und ja, ich weiß, dass Grave Digger nicht dem Thrash zugerechnet werden, aber der Vergleich passt…). Yup, so thrasht man richtig und gegen die Wand! Die Gitarren sind in der Regel auf Härte gestimmt, die überragende Schlagwerkarbeit kommt (nicht nur aufnahmetechnisch) ziemlich gewaltig rüber und gibt nicht selten auch die Richtung vor. Dies sollte Hörern, welche z. B. die neueren Testament-Alben rauf und runter beten können, auch sehr zusagen. Und spätestens beim zehnten Track „Secret Society“ wird klar, dass GL und die beiden Franzè-Brüder mit mehr als nur den klassischen Heavy-Metal-Griffen an der Gitarre aufwarten können. Gekonnt abgerundet wird das Gesamtwerk von dem gelungenen Blind-Illusion-Cover „Blood Shower“ (mit „Double Face“ gibt’s noch ein Extrema-Cover in der fünften Delle). Gutes und schnell zündendes Zeug also, das allen Thrash-Freunden definitiv gefallen wird!