Nachtaltar – Verhängnis

Nachtaltar – Verhängnis

Es ist schon eine ganze Weile her, dass wir uns hier mit einer Rezension zu Wort gemeldet haben. Und jetzt, wo wir euch wieder neuen Stoff bieten, kommen wir gleich mit einer einigermaßen schweren Kost um die Ecke. Was haben wir uns dabei bloß gedacht? Aber keine Sorge: Wer befürchtet, ich würde mit Nachtaltars jüngster EP „Verhängnis“ gleich einen Verriss unters Volk bringen, der könnte nicht mehr daneben liegen.

Bei näherer Betrachtung ist „Verhängnis“ mit lediglich zwei Songs und nur etwas mehr als zehn Minuten Spielzeit auch – zumindest oberflächlich gesehen – gar kein so schwerer Brocken, sondern mit Leichtigkeit zwischendurch zu hören. Das liegt auch daran, dass Nachtaltar gleich ohne große Umschweife schnell zur Sache kommen. Ein kurzer Takt mit dem Schlagzeug, und schon prescht „Verhängnis“ mitten rein in seine Interpretation soliden Schwarzmetalls, dem man einen Hang zum Post-Black Metal nicht absprechen kann. Ob ich jedoch den Punk, den Nachtaltar in ihrer Mischung sehen, als Graustufe zwischen den Zeilen erkennen kann, vermag ich nicht mit Sicherheit zu sagen. Aber wahrscheinlich fehlt mir dazu auch die Erfahrung in Sachen Punk.

Sowohl musikalisch als auch vom Gesang her ist der erste Song „Zeitgeist“ ziemlich geradeaus. Keine Schnörkel oder Verzierungen garnieren die bedrückende Stimmung. Das ist mit ein Grund, warum der nicht minder bedrückende Text des Stückes einen sehr intensiven Eindruck hinterlassen kann. Ein anderer Grund ist der erstaunlich gut verständliche Gesang, der trotz seiner Klarheit nur wenig an Wut und Frustration einbüßt. „Zeitgeist“ erscheint mir wie ein Klagelied auf den heutigen Lebensstil, den es mitunter wenig subtil aber gleichzeitig in intelligent arrangierte Textzeilen verpackt, kritisiert. Zweifellos eine Eigenschaft, welche den Black Metal von anderen Stilrichtungen im Bereich Metal abhebt: Hier haben auch gesellschaftskritische oder politische Botschaften (und damit meine ich nicht irgendwelche braune Grütze) einen legitimen Platz, ohne an demselben fehl zu wirken.

„Still verzerrt sich wund mein Herz“ ist die Nummer Zwei im Bunde und mit etwas mehr als sechs Minuten der bedeutend längere Part von „Verhängnis“. Immer noch relativ schmucklos und gradlinig, erzählt der Song von dem größten Bösen auf dieser Welt: Dem Menschen.

„Ein Biest der Mensch dem Menschen ist, solang er nicht einander kennt.“

Schonungslos wird hier das Thema Krieg und Konflikt aufgegriffen; werden Hass und Gewalt thematisiert, die sich Menschen in genau diesem Moment weltweit im wahrsten Sinne des Wortes um die Ohren hauen. Doch geht es zwischen den Zeilen nicht nur um sinnlose Kämpfe aus nicht minder sinnlosen Gründen. Die Angst vor dem Fremden – ob nur um der Angst Willen oder aus unwissendem Unbehagen – steht ebenso hinterfragungswürdig zwischen den Zeilen, wie der Aufruf zu mehr Miteinander und Menschlichkeit. Eine Botschaft, die wir in der heutigen Zeit vielleicht viel dringender brauchen, als wir denken.