Neverland in Ashes – Earth : June

Neverland in Ashes – Earth June

Manchmal sind die Wege, auf denen neue Musik zu einem kommt, schon etwas merkwürdig. Neverland in Ashes folgten mir beispielsweise irgendwann über meinen privaten Instagram-Account. Es dauerte allerdings eine Weile, bis ich begriff, dass es sich hierbei um eine Band handelt, und dass diese auch noch zwei Alben auf dem Markt hat. Nach dem Motto „Reinhören kann ja nicht schaden“ wagte ich mich zaghaft an das bereits 2011 erschienene, letzte (zumindest auf Scheibe gepresste) Lebenszeichen der Band und siehe da: Das Gehörte gefiel mir ganz gut. Zwar hat das Werk der Kölner Truppe, mit der etwas merkwürdigen Schreibweise „Earth : June“, wie gerade erwähnt schon ein paar Jährchen auf dem Buckel, doch ich nehme mir an dieser Stelle trotzdem die Freiheit für eine „verspätete“ Rezension.

Stilistisch sieht sich die Band als eine Kombination aus Melodic Death Metal und Modern Metal. Leider grenzt diese Beschreibung das Genre von „Earth : June“ nur recht undeutlich ein, da es sich insbesondere beim Modern Metal doch eher um eine ziemlich schwammige Definition handelt. Beim Anhören des Albums werde ich zudem das Gefühl nicht los, hier mehr Metalcore als Melodic Death Metal vor mir zu haben. Was man Neverland in Ashes allerdings lassen muss: Sie kommen ziemlich schnell zur Sache. Es dauert gefühlt nur den Bruchteil von Sekunden, bis „Earth : June“ Fahrt aufnimmt und so kaum Platz zum Luftholen lässt. Es ist gerade dieser Druck, mit dem die Band nach vorne prescht, der mich auch darüber hinwegtröstet, dass das Album aus meiner Sicht ein wenig unausgegoren in der Aufnahme klingt.

Wir alle erinnern uns noch daran, wie wir als Kinder träumten: „Wenn ich mal groß bin, dann…“ Doch irgendwann schwindet der schöne Schein und wir blicken hinter die Kulissen in die reale Welt. Wenn das Nimmerland in Asche liegt. Willkommen in der Realität.
— Quelle: Band-Webseite

Bereits der erste Song „Delilah Destroy“ weist die Richtung, auf der es bei „Earth : June“ geht. Im Vordergrund steht hier besonders die ordentlich hingerotzt klingende Stimme von Sänger Julian Jung, der am Mikro eine gute Figur macht. Auch das Schlagzeug sorgt für ordentlich Druck, während von Gitarrenseite hier noch keine herausragenden Melodien kommen. Anders sieht das hingegen in „Empress“ aus, das schon weitaus eingängiger daherkommt, als das etwas sperrig klingende „Delilah Destroy“. Eingeläutet von einem Kampfschrei und Haarwedelstimmung verursachenden Gitarren zeigt „Empress“ schon deutlicher, welches Potential die Band besitzt. Leider kann ich nicht sagen, dass sich dies in „Elsewhere“, dem dritten Song des Albums, nahtlos fortsetzt. Dazu kommt auch dieser Song ein bisschen zu sperrig daher und geht nur schwer ins Ohr, obwohl er über etliche gute Augenblicke verfügt. „For the Flies“ und „Cinnamon“ stellen hier wieder eine Steigerung dar, was nicht zuletzt am vermehrten Einsatz des Synthesizer liegt, der im Hintergrund für einen roten Faden sorgt.

Meine Zählweise der Songs kann – wenn man sich die Trackliste ansieht – ein wenig verwirrend sein. Ich habe nur die „echten“ Songs auch als solche gewertet. Faszinierend ist bei „Earth : June“ nämlich der Einsatz von gezielten Verschnaufpausen: Zwischen jedem Song befinden sich instrumentale, mitunter elektronisch anmutende Zwischenspiele, die für genau die richtige Portion Abwechslung auf dem ansonsten eher durchschnittlichen Album sorgen.

Insgesamt scheinen Neverland in Ashes ihr Potential auf „Earth : June“ nicht völlig auszuschöpfen. Das ist auf der einen Seite schade – auf der anderen Seite lässt das natürlich auch Raum nach oben für die Zukunft. Wer sich einen Eindruck von der Scheibe machen möchte, kann diesen gut über den offiziellen YouTube-Kanal der Band erlangen.