Nurez – Sonnensterben

Nurez - Sonnensterben

Das Soloprojekt Nurez ist mir mit dem Erstling „Hiraeth“ bestens in Erinnerung haften geblieben. Gerade so ein Stück wie „Departure“, das sich zunächst wild um sich schlagend austobt, nur um sich dann nach und nach zu einer genialen und recht vielseitigen Summoning-artigen Nummer zu entwickeln, beförderte das Kind direkt aus der Wiege in die gediegenen Underground-Sphären. Anderthalb Jahre später war auch schon der Nachfolger „Sonnensterben“ fertig, welcher uns nun auch in physikalischer Form vorliegt. Doch anders als noch bei „Hiraeth“, wird hier schon um einiges zielstrebiger und aggressiver zur Tat geschritten. „Stille“ heult ohne Vorwarnung wie ein heftiger Sturm auf und wäscht dem entzückende Keyboard-Melodien erwartenden Hörer erst einmal gehörig den Kopf. Schnelles sowie atmosphärisches Geschrammel behält meist die Oberhand in diesem ganz und gar nicht stillen Track – ein künstlerisch befeuerter Widerspruch in sich halt. Moritz Paul, der junge Initiator dieses noch recht jungen Projektes, weiß aber auch gut mit den verschiedensten Stimmungen zu spielen, denn der darauffolgende Titelsong macht doch eine Rückbesinnungsschleife zum ersten Album hin, das natürlich ohne den neu eingeschlagenen Kurs zu verlassen. Die einsetzende, behagliche Akustikgitarre, alsbald von häusliche Seelenruhe verströmenden Keyboard-Klangbildern und E-Saiten abgelöst, sowie der schwermütige, sich an die derart erschaffene Mystik anschmiegende Klargesang umgarnen schnellzündend die melodieverliebten Ohrmuscheln, bis dann irgendwann die ungewohnten Töne eines Saxophons die glatte Oberfläche zunächst etwas aufwühlen bzw. trüben können. Doch bei genauerem Hinhören wird man rasch feststellen müssen, dass der fremdartige Stoff sich doch recht geschmeidig ins Gesamtkonzept des Stückes einfügt. Im Großen und Ganzen ist der Einsatz dieser exotischen Zutat als gelungen zu bezeichnen. Dennoch, und dessen bin ich mir ziemlich sicher, wird sich nicht jeder Black-Metal-Hörer damit arrangieren und/oder abfinden können/wollen.

In den verbliebenen drei Songs „Die Odyssee“, „Wyrd“ und „Until the Warmth of Spring Shall Come Again“ kommen noch weitere Zutaten wie etwa Naturgeräusche, weibliche Vocals von gleich zwei Gastsängerinnen, tiefe Growls oder diverse Textvorträge wie zum Beispiel das Gedicht „Im Nebel“ von Hermann Hesse hinzu. Zwischen all diesen Einsprengseln schimmern aber immer wieder die herausstechenden Keyboard-Melodien, welche die Hauptstütze der langen Kompositionen darstellen, hindurch. Gerade der letzte Song sticht da besonders positiv hervor, man fühlt sich schnell an die besten Songs von Summoning oder auch Caladan Brood erinnert. Moritz Paul ist wirklich ein sehr talentierter und von Passion getriebener Künstler, und ich bin mir sicher, dass wir noch viel von ihm in Zukunft hören werden. Es ist schließlich wie immer, alles im Kosmos befindet sich in stetiger Bewegung, und während irgendwo hellstrahlende Sonnen erlöschen, werden woanders wieder neue geboren.