Obed Marsh – Innsmouth

Obed Marsh - Innsmouth

Während in der außenseitigen Welt der Frühling mit seinen warmen Sonnenstrahlen sanft das Leben zurück in die Welt kitzelt, durchfließt meine Ohren ein nicht enden wollender Strom aus Finsternis, Dunkelheit und Wahnsinn. Ein Soundtrack der Verzweiflung, welchen die Funeral Doomer von Obed Marsh im Sommer des letzten Jahres auf die Welt losließen und der nicht nur hervorragend als Untermalung für die Geschichten von Howard Phillips Lovecraft dient, sondern auch hauptsächlich von diesen inspiriert wurde. Ein schleimtriefendes Werk der unheiligen Finsternis, welches den leidgeplagten Namen „Innsmouth“ trägt – jenem Ort aus dem Cthulhu-Mythos mit seinen vom Verfall gezeichneten Einwohnern. Für all jene, die nur den Dosenfraß aus dem Radio gewohnt sind, ist „Innsmouth“ mit Sicherheit der Horror pur – für Genießer stellt es jedoch ein Ausflug in die Abgründe der menschlichen Seele und vielleicht noch tiefer liegenden Regionen dar.

Wer die Werke von Lovecraft liebt, der sieht sich gerade im Metal mit einem reichen Angebot an Bands versorgt, die von seinem Schaffen inspiriert wurden. Ich glaube, besser haben es ansonsten nur die Anhänger von Frodo, Gandalf und den restlichen Ringbegleitern. Jedoch muss ich sagen, dass man selten auf eine so konsequente und atmosphärisch stimmige Umsetzung stößt, wie es bei Obed Marsh der Fall ist. Auf „Innsmouth“ ist die hoffnungsbefreite Atmosphäre lovecraftscher Geschichten jederzeit als düstere Bedrohung spürbar, und es lauern hinter jeder einzelnen Textzeile die gotteslästerlichen Abnormitäten aus den Tiefen des Weltalls (oder in diesem Falle besser gesagt aus den Tiefen des Meeres). Apropos Textzeilen: Auch lyrisch orientieren sich die Australier auf ihrem ersten Album stark am Schaffen des Meisters, und so könnten ihre Texte direkt aus einem, dem Necronomicon beiliegenden Gesangsbuch stammen – wenn es eines gäbe.

That is not dead which can eternal lie…

Insgesamt ist „Innsmouth“ allerdings ziemlich schwere Kost, die sicherlich eher Liebhaber des richtig langsamen Dooms anspricht. Nennenswerte Melodien sucht man jedenfalls vergebens und auch ansonsten bieten die einzelnen Stücke dem Ohr wenig Halt. Vom ersten Augenblick an gleitet man ohne es zu wollen in eine bodenlose Tiefe hinab und wird gänzlich von Schwärze eingehüllt. Wer nicht bereit ist sich darauf einzulassen, hat gleich zu Beginn verloren und wird das Album frustriert beiseite legen. Gelingt einem jedoch der Einstieg, entwickeln sich Obed Marsh zu einer wahren Köstlichkeit, einem Hochgenuss des Alptraumhaften. Das liegt nicht zuletzt an der stimmlichen Leistung von Sänger Sam Ford, der dem Horror auf seine speziellen Weise ein Gesicht verleiht. Ich hoffe, man versteht es in diesem Zusammenhang richtig, aber genau so stelle ich mir die grässlichen Schreie der schleimtriefenden und tentakelbewährten Kreaturen aus den dunkelsten Schattenregionen vor. So klingen die Wesen, über die selbst das Necronomicon nur hinter vorgehaltener Hand flüstert. Untermalt wird die allgegenwärtige Friedhofsstimmung besonders von den Gitarren, die mitunter wie die unheilvollen Glocken einer geschändeten Kirche klingen.

Im Licht der Tatsachen betrachtet, sind Obed Marsh wahrscheinlich selbst in einer musikalischen Randgruppe nur einer speziellen Zielgruppe zugängig. Dafür schaffen es die Australier jedoch die lovecraftschen Werke genau auf den Punkt zu bringen: Der Wahnsinn ist allgegenwärtig und Lichtblicke gibt es keine!


While outside the spring itself is warming everything with its sunrays and tickles nature back to life, my ears flow through a never-ending stream of obscurity, darkness, and madness. A soundtrack of despair, which the funeral doomers of Obed Marsh released in the summer of 2016, and which is not only an excellent accompaniment to the stories of Howard Phillips Lovecraft, but was also mainly inspired by them. A slithering work of unholy darkness which bears the plagued name „Innsmouth“ – the well-known place from the Chtulhu-myth with its degenerated inhabitants. For all those, who are used to simple radio music this will be probably the pure horror – for fans of this kind of music it will be an excursion into the abyss of the human soul and perhaps deeper regions.

If you love the works of Lovecraft, you’ll find a rich selection of bands inspired by his work in the metal genres. I think only the readers of Tolkien could find a richer selection. However, I have to say that you could rarely find such a consistent and atmospherically coherent implementation, as Obed Marsh deliver. On „Innsmouth“ the hope-free atmosphere of Lovecraftian stories can be felt at any time as a gloomy threat, and the blasphemous abnormalities from the depths of the universe lurk behind every single line of text. Speaking of text lines: On their first album the Australians orient themselves also lyrically strongly on the work of the master and so their lyrics could come directly from a Necronomicon accompanying songbook – if there was one.

That is not dead which can eternal lie…

Overall, „Innsmouth“ is however quite heavy, which appeals certainly more the lovers of really slow Doom. You will not be able to find any worthwhile melodies in vain and otherwise the individual pieces offer little support for the ear. From the very first moment, without wanting it, one slides down into a bottomless depth, and is entirely enveloped in blackness. Whoever is not willing to admit it has lost right from the beginning and will put the album aside frustrated. If you succeed, Obed Marsh will be a true treat, a thrill of nightmarish music. This is not least the merit of singer Sam Ford, who gives the horror in a special way a face. I hope you understand it correctly, but this ist how I imagine the horrible cries of the horrifying creatures from the darkest shadows. This is how the beings sound, which even the Necronomicon is whispering about. The omnipresent cemetery mood is particularly marked by the guitars, which sometimes sound like the ominous bells of a desecrated church.

In the light of facts, Obed Marsh is likely to be accessible only to a specific target group even in a musical marginal group. However, the Australians manage to pinpoint the Lovecraft’s works: Madness is ubiquitous and there is no glimpse of light!