Panopticon – Autumn Eternal

Panopticon - Autumn Eternal

Schon als der erste Song von Nordvis veröffentlicht wurde, wusste ich ganz genau: Das wird ein Hammerteil und nochmals eine Steigerung zu „Roads to the North“. Das US-amerikanische Ein-Mann-Black-Metal-Projekt Panopticon aka Austin Lunn steckt hier nämlich eine ordentliche Portion Energie in diesen Silberling!

Der verträumte Opener „Tamarack’s Gold Returns“ erinnert mit dem hervorragenden Zusammenspiel von Geige und Akustikgitarre stilistisch an die Blue-Grass-Momente vergangener Alben – jedoch bleibt’s bei dieser Eintagsfliege was das angeht. Schade drum wie ich persönlich finde, allerdings schmälert es nicht die außerordentliche Spannung und gewohnte Atmosphäre, die Panopticon so einzigartig machen. In den Songs werden trotz allem zuvor genannte Instrumente eingesetzt, die die Raserei und Down-Tempo-Passagen wunderbar überbrücken und verbinden.

To live is like travelling through a landscape with both easy and broken terrain, light and dark places, all concealing the unexpected.
– Arne Næss

Die Vocals sind von der Lautstärke her allerdings eher in den Hintergrund gemischt, was natürlich eine Dominanz der Instrumente bedeutet. Möglicherweise ist das genau wie bei Saor als Stilmittel des Künstlers zu verstehen. Abgesehen von diesem kleinen Manko ist es ein sehr abwechslungsreiches Album, das (wie der Titel schon sagt) eine herbstlich vergängliche Musiklandschaft widerspiegelt. Mein Anspieltipp ist der Song „A Superior Lament“. Die melancholischen Gitarrensolos enden hier in der vierten Minute in einem – das ist absolut neu für Panopticon – Interludium mit Klargesang, welches mit dem anschließenden Break und einem genialen Spannungsaufbau mit darauffolgendem Geknüppel bei mir absolute Gänsehaut ausgelöst hat!

Diese Scheibe ist einfach authentisch. Das Ganze wird im Booklet zusätzlich durch Texte des norwegischen Philosophen Arne Næss untermalt, die mich sehr berührt haben. Dieses Album muss man als Verfächter von Natur und Leidenschaft für Black Metal einfach gutheißen. Ich kann hier nur herbstlich empfehlen, sich einmal näher mit dem Projekt um Austin Lunn zu beschäftigen. Er ist ebenfalls einer der Köpfe hinter der HammerHeart Brewery, hat in weiteren Projekten wie z. B. Saor und Waldgeflüster mitgewirkt und scheint auch sonst sehr aktiv in der Szene zu sein. In diesem Sinne: Ende und over.

(auch veröffentlicht im Hammerheart Fanzine #10, Mai 2016)