Pestkraft – Litanies of the Plague

Pestkraft - Litanies of the Plague

Der Schwarze Tod, die Pest, ist ein relativ beliebter Inhalt im Black Metal, was bei einigen Bands sogar zu einer mehr oder weniger stark ausgeprägten Spezialisierung auf die ehemals gefürchtete, im Mittelalter als unheilbar geltende Krankheit führte. Diese morbide Vorliebe ist nicht selten direkt aus der Namensgebung ersichtlich, wie etwa bei den schwarzen Rittern des sich im Jahre 2014 in der spanischen Stadt Valencia formierten Pestkraft-Ordens. Der vorangegangenen 5-Track-EP „Pest“ folgt nun ihr erstes Langspielalbum mit dem Titel „Litanies of the Plague“. In schwere schwarze Gewänder gehüllt sowie mit Vogelmasken und tierischen Totenschädel ausgeschmückt, wird hier der tödliche Siegeszug der Pestilenz zumindest auf dem musikalischen Wege immer noch weitergesponnen. Wer sich also gedanklich gerne schon mal ein Stück weit zurück in den finstersten und verwinkelsten Kapiteln der menschlichen Geschichte tummeln mag, der ist bei der über den schwedischen Kleinlabel Nigredo Records ausgekoppelten Musik todrichtig!

Nach einem flüchtigen Kerkerbesuch, zwischen tropfenden, grünschimmeligen Wänden und an Knochen nagenden sowie einem durch die Beine huschenden Ratten, geht es bei „Save Me“ ohne Gnade an den mit Pestbeulen übersäten Kragen. Schlagwerk, Bass und Rhythmusgitarre errichten ein unterirdisch dunkles, ausbruchsicheres Gemäuer, kalt und ungemütlich wie nasses Gestein, und in diesem dichten Komplex kann beim intensiven Hinhören nur die sich dort rührende Leadgitarre als wie ein durch eine winzige und vergitterte Öffnung einfallender Mondschein wahrgenommen werden. Das natürlich nur, wenn man unbedingt einen wegweisenden Lichtschimmer in der musikalischen Düsternis braucht. Noch finsterer wird es beim Einsetzen des Gesangs. Der hallende und alles in seiner Reichweite verseuchende Odem von Sänger Blodig besitzt die machtvolle Stimmgewalt eines unheiligen Geistes, um es schön bildlich darzustellen, und bringt die Ohrbeulen direkt zum Zerplatzen. Ja, die Spanier klingen überhaupt nicht nach sonnengereiftem Orangensaft! Gut strukturiert und durchdacht, lässt die Düstermucke vielmehr den hohen norwegischen Norden mit brennenden Kirchen kurzzeitig vor dem geistigen Auge aufflammen. Das lodernde Feuer am Ende des Songs macht zumindest mehr als überdeutlich, dass man sich hier gar keine Hoffnungen auf Rettung machen sollte. Und der nächste Song „An Ending in Abandon“ mauert diese erlangte Gewissheit nun auch luftdicht zu. Dies ist die schnellste, schmerzlichste und auch melodischste Ausgeburt der Pestkraft, weswegen mich dieses Stück auch entfernt an die finnische Black-Metal-Schule erinnert. Absolut gelungen! Weiter geht es mit „Tortuous Existence“. Man windet sich bei merklich angezogenem Tempo und lässt den Hörer die soeben erlittenen Schmerzen voll auskosten. Das resignierte Innehalten in Form eines Gitarrengeplänkels kurz vorm Schluss kann in dieser Konstellation umso mehr wie ein stilles Stoßgebet auf einen wirken, wie der letzte Halm, an den man sich klammert, bevor der Himmel sich restlos über der eigenen jämmerlichen Existenz verdunkelt. Bei „Blackened Skies“ wird nämlich erneut voll auf den Putz gehauen, wobei Nefarial an der Leadgitarre immer wieder schön auftrumpfende Akzente zu setzen weiß, und das ohne sich dabei in erkennbaren oder endlosen Wiederholungen zu verlieren. Dunkel, schwarz, lichtlos, großartig!

Die drei nachfolgenden Songs sind ebenso dunkel wie erhaben wie die beschriebenen und bieten garantiert einen absolut ausgeglichenen Hörgenuss. Also, die Musik bitte schön laut aufdrehen, allerspätestens bei „Dancing with Death“, und bis zur nächsten zu erwartenden Seuche ausharren, die hoffentlich alsbald kommen und auf Anhieb mindestens die Hälfte der total überflüssigen Menschheit dahinraffen wird! Death rules forever! Und vor allem zuletzt, hahaha!