Realm of Wolves – Shores of Nothingness

Realm of Wolves - Shores of Nothingness

Realm of Wolves ist der Zusammenschluss einiger ungarischer Musiker, die allesamt bereits in eigene Projekte involviert sind, von denen ich die meisten schon auf meinem Bandcamp-Schirm hatte. Da ich im Vorfeld wusste, dass in diesem Jahr noch irgendwas in dieser Richtung erscheinen würde (und mich auch schon gespannt darauf gefreut habe), war ich dementsprechend wenig überrascht, als ich die EP „Shores of Nothingness“ als Neuveröffentlichung vorgeschlagen bekam. Leider sind es nur drei Songs, die uns einen Einblick in das gemeinschaftliche Schaffen der drei Künstler Stvannyr, Ghöul und vvildr schenken, die bereits in den Bands Vvilderness, Silent Island und Ephilexia ihr Können eindrucksvoll unter Beweis stellen. Schnell wird deutlich, dass die drei Songs zwar recht unterschiedlich sind, aber dennoch voll auf einer Wellenlänge liegen und ohne Zweifel die Fingerabdrücke aller beteiligten Musiker tragen. Wer also bereits bei Vvilderness‘ „Devour the Sun“, Silent Islands „Equator“ oder Ephilexias „Hope Is Our God“ weiche Knie bekam, der wird auch mit „Shores of Nothingness“ bestens bedient sein. Allerdings nur, wenn er den harschen Klängen des rauen Black Metals nicht abgeneigt ist. Denn genau unter diesem Banner möchten sich die Drei mit Realm of Wolves vereinen – insofern ihre eigenen Bands nicht schon Anleihen aus dem Black Metal beinhalten.

Bei nur drei Songs, von denen der Längste gerade mal ein bisschen über fünf Minuten Spielzeit besitzt, gibt es quantitativ nicht viel zu rezensieren. Dafür kann man sich jeden Song einzeln vornehmen. Den Einstieg in die EP macht „Laurentia“, dem ich für meinen Teil am deutlichsten die Handschrift von Silent Island entnehme. Das nicht ganz vierminütige Instrumentalstück zeigt sich betont ruhig, wird aber ab der Hälfte deutlich schneller und aggressiver und bleibt dennoch wohldosiert melodisch. Wie bei dem Cover der EP nicht anders zu erwarten, spielt auch eine gute Portion Melancholie eine nicht unwichtige Rolle und zieht sich als roter Faden durch die einzelnen Songs.

„Shores of Nothingsness“, der Titeltrack der EP und einziger Song mit Text und Gesang, zeigt wahrscheinlich noch eine Ecke deutlicher, wo die Reise hingehen soll. Denn auch wenn viele der beteiligten Künstler Erfahrung in reinen Instrumentalprojekten besitzen, scheint Realm of Wolves Wert darauf zu legen, seine Botschaft auch in Worten rüberzubringen. Ich vermute ganz stark, dass dieser Song dementsprechend am deutlichsten einen Eindruck vom Zusammenspiel von Stvannyr, Ghöul und vvildr gibt. Bemerkenswert ist auch, dass Sänger vvildr aka Ferenc Kapiller im Vergleich zu seinem Soloprojekt Vvilderness noch einmal an Stimme zugelegt hat und hier düsterer und herber rüberkommt. Der letzte Song in diesem kurzweiligen Terzett ist „Fragments of Self“, ein ebenso melancholisches wie trauriges Instrumentalstück mit starken Anleihen an Silent Island und Ephilexia.

Leider ist an dieser Stelle der Spaß bereits vorbei. Bevor er richtig angefangen hat, möchte man sagen. Dabei vergisst man vielleicht schnell, dass dieser lediglich das erste Lebenszeichen von Realm of Wolves darstellt und dass in Zukunft sicherlich noch mehr kommen wird. Das Zusammenspiel der drei Musiker klappt jedenfalls so reibungslos und harmonisch, dass ich mich schon jetzt auf das erste Album in voller Länge freue. Und „hungrig“ scheinen die drei Wölfe auch zu sein. Anders kann ich es mir nicht erklären, dass manch ein beteiligter Musiker gleich in mehreren Bands tätig ist, bei denen ich durch die Bank ebenfalls ein Reinhören empfehlen kann, insofern hier jemand völliges Neuland bei den drei Ungarn betritt.