Schattenfall – Schatten in Schwarz

Schattenfall - Schatten in Schwarz

Fünf abwechslungsreiche Tracks bieten Schattenfall auf diesem visuell schmucklos wie für Black Metal zweckmäßig gestalteten, in einem herkömmlichen Digipak erhältlichen Album, und dementsprechend gewöhnlich wirkt auch ihre Musik, so spürbar sorgfältig sie komponiert und eingespielt worden sein mag. Die Band arbeitet sich eine knappe Dreiviertelstunde lang an den für die zeitgenössische Szene gebräuchlichen Stilmitteln ab.

Nach dem beflissen mit verhallten Gitarrenakkorden und hervorstechendem Bass auf den eigentlichen Kern der Sache hin ausgearbeiteten Intro „Im Sommer ging ich fort“ (mit dem Fade-out verpufft die aufgebaute Spannung allerdings) geht es in „Angst meiner Fantasie“ mit programmatischem Gekrächz, das zur leicht blechernen Produktion von „Schatten in Schwarz“ passt, in getragenem Tempo weiter. Ein flirrendes Leitmotiv verleiht dem fast acht Minuten dauernden Stück schärfere Konturen, als es zunächst wegen des verwaschenen Klangbilds zu erwarten stand, doch die unflexible Stimme relativiert den grundsätzlich positiven Eindruck bis zu einem gewissen Grad.

Dass Schattenfall im zweiten Teil des Stücks das Tempo anziehen, steht beispielhaft für ihr ambitioniertes Songwriting. Unabhängig von ihrer fürs deutsche Schwarzmetall-Milieu typisch nebelhaften, mitunter arg pathetischen Lyrik beweisen die Mitglieder ein Händchen für dramatische Arrangements, die vor allem „König Misanthrop“ regelrecht sinfonisch anmuten lassen, obwohl zu keiner Zeit echte oder virtuelle Orchestermusiker zum Einsatz kommen.

Das an Harmonien besonders reiche Titelstück geht als Vorzeigenummer des Longplayers durch – gemächlich schreitend, einerseits nordisch-nostalgisch kalt und andererseits in eindeutig hohem Maß von der Frühphase französischer Post-Protagonisten (Alcest und deren Vorgänger Amesoeurs) beeinflusst. Diese Einschätzung scheint sich in Hinblick auf die unverzerrt dargebotenen Gitarrenpassagen des gut zehnminütigen Rausschmeißers „Die Klagen von Grau“ zu bestätigen; der gewollt heroische Gesang ist hier aber in gleicher Weise misslungen, wie die Herren zu lange und zu wenig verbindlich auf leidlich handfesten Riff-Ideen herumreiten.

Alles in allem kann man „Schatten in Schwarz“ als im Guten wie Schlechten verträumtes Album all jenen empfehlen, die sich ihren Black Metal glimpflich statt aggressiv, poetisch und nicht ideologisch aufgeladen wünschen. Allerdings gibt es auf diesem Feld wesentlich substanziellere Alternativen.