Schattenvald – …und ewig dauert der Berg…

Schattenvald - Und Ewig dauert der Berg

„…und ewig dauert der Berg…“ ist, wenn man sich alle Veröffentlichungen von Schattenvald ansieht, nunmehr schon ihr sechzehntes Werk. Als Neu- oder Frischlinge kann man die Truppe also bei weitem nicht bezeichnen. Für mich persönlich stellt die auf Vinyl gepresste Compilation allerdings die erste Begegnung mit den Franken und ihren Abstechern in die süddeutsche Sagenwelt dar.

Schon nach den ersten paar Runden, welche die Platte auf dem heimischen Spieler gedreht hat, fällt mir auf, dass ich Berge bisher immer eher mit Ruhe und einer Art von andächtiger Stille assoziiert habe. Doch der 15-minütige Opener „…und ewig dauert der Berg…“ macht schnell eines klar: Schattenvald sind kein Stückchen ruhig. Gut, ich hatte ehrlich gesagt auch nichts anderes erwartet. Trotzdem: Gerade habe ich mich noch in den kühlen Blautönen des leicht abstrakten Bergmotiv-Covers verloren, als mich schon die Wucht von Iskharians wütenden Schreien packte und in einen dichten Schneesturm hineinzog, in dem ich verschwand. Die Berge können eben auch erbarmungslos sein. Es sind die mitunter plötzlich auftretenden Wechsel in Geschwindigkeit und Stil, die diesem Song sowohl die richtige Portion an Abwechslung als auch Unvorhersehbarkeit verschaffen, welche einem auch nach mehrmaligem Hören immer wieder überraschende Momente schenken. Und genau die braucht es auch, um ein Stück von diesem Ausmaß (der Song nimmt immerhin einen Großteil der A-Seite der LP ein) nicht in die Langeweile abgleiten zu lassen. Nachdem sich die erste Schattenvald-Lawine auf einen gestürzt hat, wird es mit „Der Unhold schmaust ganz ungestört“ rein musikalisch ein ganzes Stück ruhiger. In Sachen Atmosphäre legt der Song allerdings noch mal gehörig zu. Der Schrei einer fernen Eule sowie der Einsatz von Kuhglocken läuten die geflüsterte Gruselgeschichte im wahrsten Sinne des Wortes ein. Während „…und ewig dauert der Berg…“ voll auf symphonischen Black Metal setzt, wird beim schmausenden Unhold die Folk-Karte ausgespielt. Das bringt einen gehörigen Kontrast mit sich, der zu gefallen weiß.

Nach knapp 22 Minuten heißt es „Bitte wenden“ und wir genießen die B-Seite der LP. Doch anders, als es vielleicht früher bei B-Seiten der Fall war, muss sich der Rest der Scheibe nicht vor dem Vorangegangenen verstecken. Im Gegenteil: Mit einem existenzverachtenden Schrei startet die zweite Seite einen rasanten Ritt durch die Nacht der Berge. Auffällig ist, dass die nun folgenden Songs schmutziger klingen, urtümlicher. Kein Wunder, wurden die letzten vier Stücke der LP doch innerhalb von 24 Stunden unter Zuhilfenahme eines vierspurigen Aufnahmegerätes verewigt. Der dreckigere Sound weiß ebenfalls zu gefallen und sorgt noch mal für ein ganz eigenes Aha-Erlebnis. Auffällig ist ebenfalls, dass die vier Tracks der B-Seite beinahe nahtlos ineinander übergehen und – wenn man nicht explizit darauf achtet – ein Unterschied kaum auszumachen ist. Stilistisch prügeln sowohl „1837“ als auch „Die drei Brüder“ und „Die Räubersleut‘ von Laubersreuth“ in die gleiche Richtung und sorgen mit ihrer düsteren Stimmung, die teilweise ins kontrolliert Chaotische abdriftet, für ein gnadenloses Schneetreiben in eisiger Höhe. Ein wenig ruhiger (aber das darf es zum Ende auch sein) wird es erst mit dem abschließenden „Ausklang“, welcher der LP einen würdigen Abschied verpasst.