Seelenfrost – ☽

Seelenfrost - ☽

Mit der Bitte um Rezension erreichte mich bereits im Herbst noch dieses frostige Langbrett, welches bereits 2014 veröffentlicht wurde. Der Albumtitel lautet „☽“, den ich aufgrund seiner optischen Beschaffenheit einfach mal als zunehmenden Mond deute. Ehrlich gesagt ist es zwar ungewöhnlich, aber dennoch eigenartig – im positiven Sinne – den Albumtitel mittels eines anormalen Schriftzeichens zu definieren. Dabei wusste ich nicht einmal, dass dieses Zeichen in einem Standard-Schriftsatz überhaupt vorkommt.

Wie dem auch sei, optisch ist das relativ einfach gestaltete Digipak jedenfalls mit zwei zusätzlich ausklappbaren Seiten bestückt, auf denen (ähnlich wie auf dem Cover) in hellgrün gehaltene Unterholz-Bilder samt den Liedtexten zu finden sind. Was mir noch zusätzlich nach etwas genauer Betrachtung bzw. Beriechung auffiel, ist die Tatsache, dass das Digipak etwas nach Patschuli duftet. Nun gut, das tut dem musikalischen Schaffen zwar keinen Abbruch, es irritierte mich aber für einen Moment.

Das instrumentale Intro, vermutlich als eine Ode an den abnehmenden Mond gedacht, beginnt schon mal sehr spannend und vielversprechend. Die Keyboards erinnern mich direkt an die sehr nostalgisch gehaltene Scheibe „Mellon Collie and the Infinite Sadness“ von den Smashing Pumpkins. Klingt komisch, ist aber so. Der zweite Track „Nacht“ hat damit dann allerdings nichts mehr gemeinsam. Hier wird’s dann doch schwarzmetallisch, und obwohl ich den Titel des zweiten Tracks sehr mag, ist er kompositorisch doch recht schwach. „Lethargie“ greift dann sogleich die Keyboards aus dem Intro auf und ergänzt diese mit filigranen Gitarrenmelodien. Kurzum setzen dann auch die E-Gitarren ein, die eine markante Note setzen und mit einem kleinen Solo auftrumpfen. In „Erde“ gibt’s dann eine ruhigere Passage, die, wie ich finde, eine gute Abwechslung in das Gesamtkonzept bringt. Doch die schnelleren Passagen klingen stellenweise etwas platt, ebenso wie im nachfolgenden Song „Rausch“. Da ist noch mehr drin, wenn ich das so schreiben darf. „Geist“ hingegen wertet das Album um ein Vielfaches auf. Hier dominieren ganz klar die Gitarren, aber das ist es auch, was Seelenfrost Spaß macht und ebenso definiert (denke ich). Besonders die grazilen Melodien, die schon fast dem Post-Rock zugeschrieben werden können, in Kombination mit dem schlussendlichen, sehr melancholischen Gitarrensolo sind absolut grandios! Definitiv der beste Song der Scheibe. Aber auch „Kroystase“ als siebter Track überzeugt mit einem geil getriebenen Riffing und greift abermals die Melodien inklusive Gitarrensoli des Vorgängers auf. „Himmel“, mit einem dezenten Chorgesang versehen, wirkt schon ein wenig episch. Ich hatte so etwas zuvor vom vorletzen Song der neuen Dauþuz-Scheibe geschrieben, an der der Musiker ebenfalls involviert ist. Was für ein Zufall, haha. In „Himmel“ sind gewisse Parallelen zu Dauþuz erkennbar, an denen man unmissverständlich die Leidenschaft des Musikers erkennt. Was will man als Hörer also mehr?

Seelenfrost ist bodenständiger melodischer Black Metal mit Affinität zu kleinen verspielten Details und einer Menge Melodie, eingebettet in Schwarzmetall. Das weiß zu gefallen und fügt sich sehr gut in die Thematik „Natur und Mensch als Teil der Natur“ ein.


With the request for review, this frosty album, published in 2014, already reached me in autumn. The album title is „☽“, which I interpret as an increasing moon, because of its optical nature. To be honest, it is unusual, but nevertheless strange – in a positive way – to define an album title by an abnormal font character. I didn’t even know that this character is in a standard fontset at all.

However, the simple designed digipak is equipped with two additional fold-out sides, on which (similarly to the cover) bright green pictures of thicket are found, along with the lyrics. What I noticed in closer consideration, is the fact that it smells like patchouli. Well, that has nothing to do with the musical work, but irritated me for a moment.

The instrumental intro is probably an ode to the increasing moon and sounds very promising and exciting. The keyboards remind of the very nostalgic disc „Mellon Collie and the Infinite Sadness“ by The Smashing Pumpkins. Sounds a bit strange, but it’s like that! The second track „Nacht“ has nothing more in common with that. Now it’s going to be more black metal and though I like the title, it’s the weakest track of all. „Lethargy“ immediately takes up the keyboards from the intro and adds some delicate guitar melodies to it. The electric guitars are now set in, forming a distinctive note, together with a small solo. In „Erde“ you can find a quiet passage, which makes a good change in the entire album. The rapid parts as in „Rausch“, sound a bit flat to me. At this point I’ve to say: There’s more potential. But „Geist“ then upvalues the album a lot. The guitars are now dominating and I think, this is what Seelenfrost absolutely stands for! Especially the fine melodies, which can almost be attributed to post-rock, combined with the final, very melancholic guitar solo are absolutely terrific! Definitely the best track of the album. Again, „Kroystase“ convinces with an awesome driven riffing and also takes up the melodies – including a guitar solo – like the one before. „Himmel“ sounds a bit epic, because of its subtle choral singing. I had written something like that before, regarding the next to last song of the Dauþuz debut, in which the musician is also involved. What a coincidence, haha. In „Himmel“ you can recognize certain parallels to Dauþuz and of course the unmistakably passion of the musician. What more can you request as a listener?

Seelenfrost is down-to-earth melodic black metal with an affinity for small playful details and a lot of melody, embedded in black metal. This knows how to please and fits very well with the theme of nature and man as a part of nature.