Shadows of the Dying Sun – Insomnium

Insomnium - Shadows of the Dying Sun

Wow! Insomnium sind und bleiben absolut einzigartig. Mit welchem Herzblut diese Musiker hier ans Werk gehen, kann man auf diesem Opus sterbenden Lichts deutlich spüren. Seit meinem Einstieg in die Dunkelwelt mit „Since The Day It All Came Down“ sind viele Jahre vergangen und die musikalische Entwicklung des finnischen Quartetts steigt hier nun in neue Sphären auf. Insomnium haben nichts Wesentliches an ihrem Stil geändert (was ich sehr schätze), dennoch ist dieses Album viel dynamischer und kontrastreicher ausgefallen als der Vorgänger „One For Sorrow“.

Die filigranen Feinheiten und liebevollen Details, die es hier zu entdecken gibt, lassen mir auch beim wiederholten Hören von „Shadows of the Dying Sun“ meine Nackenhaare aufrecht stehen. Insomnium lassen sich für mich nicht in eine Schublade mit der Aufschrift „Melodic Death Metal“ stecken. Da gibt es viel mehr zu entdecken, wie sie selbst mit ihrem neuesten Werk beweisen. Nach der ersten Melodiebombe offenbart sich der Song „Revelation“, der sich in meinen Hirnwindungen schon in Form eines Ohrwurmes ein Heim gesucht hat. Die Melodien sind so herzzerreissend schön, dass es schwer fällt Worte dafür zu finden. Die markanten Zusammensetzungen aus Klargesang, Flüstern, Einschüben von Akustikgitarren, großartigen Gitarrenwelten und nicht zuletzt Niilo Sevänens brachialer Stimme fügen sich zu einem brillianten Hörgenuss. Das ist es was ich an Insomnium liebe.

Spätestens beim nachfolgenden „Black Heart Rebellion“ wird nun auch die musikalische Spanne hörbar: Mit wilden Blastbeats und Folterung des Schlagzeugs wird sogar dem Black Metal gehuldigt. Außergewöhnlich kommt auch der Nachfolger „Lose To Night“ daher, der gut als Ballade fungieren könnte. Der Song „The River“ hätte stilistisch übrigens auch gut auf der „Since The Day…“ Platz gefunden. Hier knüpfen die Musiker an alte Zeiten an. Auch wenn Insomnium durchgehend eine düstere todtraurige Stimmung verbreiten, hat ihre Musik dennoch immer etwas lebensbejahendes (auch textlich gesehen). Quasi die Essenz, die man für sich finden und ebenso spüren muss. Ein gutes Beispiel mag hier die Single-Auskopplung „Ephemeral“ sein, die selbst alles andere als das ist, was sie bedeutet: Kurzlebig. Die Melodie ist mir seit VÖ letzten Jahres November nicht aus den Gehörgängen gewichen und auch der Rest von „Shadows of the Dying Sun“ wird dort wohl noch sehr lange verharren. Spätestens bis zum nächsten Album. Hehe. Es ist jedesmal ein geniales Gefühl, wenn ich ein Album höre in das ich mich komplett hineinversetzen kann (oder das von mir Besitz ergreift), das mir auf irgendeine Art und Weise hilft oder auch nach langer Zeit noch die gleichen Emotionen auslöst… Qualitativ ist diese Scheibe zumindest ganz weit oben, nicht nur vom Content, ebenso die Produktion glänzt mit einem glasklaren Sound.

„One live, one chance – that’s all we have.“ – Genau deshalb empfehle ich jedem, seine Chance zu nutzen, um sich diesen Meilenstein finnischer Düsternis zuzulegen. Es lohnt sich!

(auch veröffentlicht im Hammerheart Fanzine #8, Mai 2014)