Spectrale – ▲

Spectral - ▲

Schwer zu erfassen und doch leicht wie ein Schmetterling. Das waren meine ersten Assoziationen, nachdem das Debüt „▲“ von Jeff Grimals Nebenprojekt Spectrale seine Runde durch meine Anlage beendet hatte. Unbestreitbar ist die dichte Atmosphäre, über die das Album trotz seiner Leichtigkeit verfügt. Wenn man sich Grimals Tätigkeit als Gitarrist der französischen Black-Metal-Band The Great Old Ones betrachtet, wundert es nicht, dass er Erfahrung auf diesem Gebiet hat: Die Franzosen haben ausgerechnet das Werk des Horror-Meisters H. P. Lovecraft als ihr Grundthema auserkoren und verweben dessen intensive Werke in nicht minder intensive und düstere Alben. Mit ebenfalls sehr dichter Atmosphäre.

Doch an dieser Stelle soll es nicht um Grimals hauptsächliche Tätigkeit bei The Great Old Ones gehen. Und düster oder gar gruselig ist das, was Grimal mit Spectrale abliefert, auch nicht im Geringsten. Im Gegenteil: Die Musik auf „▲“ versprüht eine Art der Verspieltheit, die es gleichzeitig schafft, nicht kitschig daherzukommen. Vielmehr verbreiten die neun Songs des Albums eine gewisse meditative Ruhe, welche den Hörer auf sanften Schwingen in ungeahnte Welten trägt. Wem das zu esoterisch oder experimentell klingt, der sollte von „▲“  mit Sicherheit die Finger lassen. Auch werden all jene bitter enttäuscht sein, die von dem Album Metal erwartet haben. Den sucht man zwischen all der ambienthaften Instrumentalmusik nämlich vergebens.

Entspannend, harmonisch und irgendwie spacig

Obwohl ursprünglich als reines Soloprojekt angedacht, ist Spectrale mittlerweile eine waschechte Gruppenarbeit. Zusammen mit seinen Mitstreitern Léo Isnard (Schlagzeug und Gitarre), Xavier Godart (Gitarre und „Geräusche“) sowie Raphael Verguin am Cello erschafft Grimals Truppe eine teils spacige, teils einfach nur entspannende Klangkulisse. Dabei harmoniert das Zusammenspiel aus dem sanften Klimpern der Akustikgitarre und der stimmungsvoll Akzente setzenden E-Gitarre nahezu perfekt. Darf dann noch das Cello oder ein Piano mitmischen, verliert man sich vollends in den Tiefen dieses Albums. Gesang sucht man auf „▲“ allerdings ebenso vergebens, wenngleich auf den Einsatz von Stimme nicht gänzlich verzichtet wird. All das, in Verbindung mit der grundsätzlich positiven Stimmung von „▲“, ergibt ein Gesamtwerk, das man ohne schlechtes Gewissen als magisch ansehen kann.

Fazit? What you see is what you get: Hinter einem gezeichneten Cover in gediegenen Tönen, das von einem Astronauten und zwei unbekleideten Damen verziert wird, verbirgt sich selten eine Old-School-Black-Metal- oder eine Hard-Rock-Band. Dazu noch der extravagant wortlose Titel und voilà, haben wir eine mystische Instrumentalmusik mit der richtigen Portion Mut zum Außergewöhnlichen vor uns. Kein Metal. Aber doch jede Menge Musik.


Difficult to grasp, yet light like a butterfly. These were my first impressions after listening for the first time of „▲“, the debut of Jeff Grimal’s side project Spectrale. The dense atmosphere is indisputable, despite the albums lightness. But that’s no surprise, if you take a look at Grimal’s work as a guitarist in the french black metal band The Great Old Ones which albums are inspired by the work of H. P. Lovecraft. Their albums are as intensive and dark as Lovecraft’s stories – and they also have a dense atmosphere.

But this review is not about The Great Old Ones. And the music on „▲“ is neither dark or spooky. Instead, the album exudes a kind of playfulness that at the same time manages not to sound cheesy. Its nine songs spread a certain meditative calm, which carries the listener on gentle wings in unimagined worlds. If that sounds too esoteric or experimental, you should definitely keep your hands off „▲“. Also, those who are expecting a metal album will be bitterly disappointed. Between all the ambient instrumental music you will not find anything of that kind.

Relaxing, harmonious and somehow different

Although originally conceived as a solo project, Spectrale is now a full band. Together with his colleagues Léo Isnard (drums and guitar), Xavier Godart (guitar and „noises“) and Raphael Verguin on the cello Grimal’s mates create a special kind of music. The interaction of the gentle jingling of the acoustic guitar and the atmospheric accentuation of the electric guitar harmonizes almost perfectly. When it comes to the special moments were cello or piano are coming into play, you can lose yourself completely in the depths of this album. If you’re looking for vocals on „▲“, you won’t find much. All of this, in conjunction with the generally positive mood of „▲“, the result is a work that can be considered as magical without a guilty conscience.

In the end I can say: What you see is what you get. Behind the drawn cover with an astronaut and two nude ladies on it isn’t hiding an old school black metal band or a hard rock band. Instead you will get some mystical instrumental music with the right portion of courage for an acoustic experiment. No metal at all. But great music.