Tales of Ratatösk – Rise & Decay

Tales of Ratatösk - Rise & Decay

Heute geht es mit den Pagan-Metallern von Tales of Ratatösk schon wieder auf eine weitere musikalische Reise ins Reich der nordischen Sagen. Es ist nun mal ein Thema, das immer wieder junge Musiker zu aufmunternden Songs inspiriert und nicht selten wirklich schöne Blüten dabei trägt. Die Idee, sich nach dem Eichhörnchen Ratatösk zu benennen, welches auf dem Weltenbaum Ygdrassil lebt und Botschaften zwischen dem in der Krone lebenden Adler und dem an Fuße des Baumes hausenden, schlangenartigen Drachen Nidhöggr übermittelt, ist auch eine sehr schöne und originelle Idee, die in dem wunderschön designten Band-Logo sofort sehr positiv hervorsticht. Dasselbe kann ebenso von dem kontrastreichen und sehr minimalistich gehaltenen Artwork behauptet werden, welches definitiv sehr ansprechend ausgefallen ist und Lust macht, die CD ohne Umschweife in den Player einzulegen. Ein Pluspunkt, zumindest aus meiner Sicht der Dinge, ist zudem auch das Weglassen der unnützen Einschweißfolie bei der Verpackung des zu „Rise & Decay“ benannten Albums. Richtig so, stets mit saftgrünem Gedankengut voran!

Das kurzweilige Intro, bei dem schon die mittlerweile für den Pagan Metal so typischen Instrumente wie die Fiedel und Drehleier zum Einsatz kommen, hinter sich lassend, geht es bei „Fire & Ice“ gleich richtig schnell metallisch und zusätzlich noch mit Dudelsack zur Sache. Die Bagpipes sowie der raue Gesang sind hier besonders dominant auffallend, was bei Hörern mit von Harmonie verwöhnten Ohren sehr wahrscheinlich wenn nicht gar zwangsläufig zu einer leichten Unstimmigkeit im Urteil führen kann. Der Song wirkt aber auch vom Aufbau irgendwie hektisch, so dass sich die gelegentlich aufblitzende Violine und auch die anderen Instrumente in diesem Zweikampf etwas verlieren. Bei „Tell Your Tale“ wird das Ganze aber direkt etwas entschleunigt und in bessere Bahnen gelenkt. Gerade das Wechselspiel mit der Stimme von Maria führt zu einer reichlich angenehmeren Entspannung beim Hören. Und auch die belebende Melodie tut noch ihr Übriges dazu. Definitiv besser als beim Song davor, wenn auch die weiblichen Vocals hier noch etwas dünn bzw. emotionsarm rüberkommen. Das geht bestimmt noch besser! „The Traveller’s Song“, welcher vorab schon als Appetizer dargereicht worden ist, geht dann in der Tat noch eine ganze Ecke runder ins Gehör: Die Instrumentalisten scheinen sich nun warm und besser aufeinander eingespielt zu haben, und siehe da, Marias Stimme verströmt schon ein wenig mehr Selbstsicherheit und hallt um kleine Nuancen resonanzreicher und kräftiger. Definitiv noch etwas besser als der Song davor! Mit „We Have No Fear“ bleibt das erreichte Niveau  konstant bestehen, wobei man sagen muss, dass der Refrain hier sowohl einprägsam wie prägnant ausgearbeitet worden ist, bevor mit „Fimbulwinter“, dem längsten, über siebenminütigen Lied des Album, eine weitere Sprosse der Leiter erklommen wird. Ein sehr langsamer, bedächtiger Anfang, hart riffende Gitarre, aufkommende melodische Winde, gefolgt von sturmartigen, unberechenbaren Ausbrüchen an allen Instrumenten. Ein ineinander übergehendes Doppelsolo aus Gitarre und Violine setzt dem Treiben noch die Krone auf. Definitiv noch besser als die Songs davor! Dann kommt noch „Jörmundar“, ein Stück, das sich wohl am meisten am klassischen Metal-Zeugs orientiert, muss es doch auch als einziges ohne den Dudelsack auskommen. Nicht schlecht, jedoch nicht ganz so gut wie die am Schluss stehenden Titel „Battle of the Doomed Gods“ und „Andro“. Dort werden alle noch zur Verfügung stehenden Kräfte mobilisiert, es wird gebündelt und sehr melodieverliebt zugeschlagen und der Sieg letztendlich auch errungen. Die Band hat es insgesamt doch noch geschafft, mich von sich zu überzeugen!

Man muss ehrlich sagen, Rise & Decay“ ist kein überperfektioniertes Album, es hat Ecken und Kanten, aber es ist ein Album, das von Song zu Song und mit jeder Wiederholung wächst und mit pfiffigen Melodien (die auch zum Pfeifen animieren) einen stets bei guter Laune zu halten vermag. Es ist natürlich und aufrichtig gespielt, und das zählt viel mehr als technisch aufpolierte Perfektion, bei mir zumindest. Gerade die Fiedel und auch der Dudelsack sorgen für zum Teil echt heroische, aber auch ländlich gemütliche Momente, bei denen man einfach nur in Ruhe lauschen und sein Bierchen zischen möchte. Eine wirklich nette Entschleunigungsmusik, die etwas Distanz vom städtischen Alltag der Pestmoderne bietet und einen ca. 10 Jahre zurück in die Vergangenheit befördert, als Pagan Metal noch ganz groß in Mode war, und wo sich die Wiege solch Festivals wie die des Black/Dark Trolls befindet. Übrigens, am 21. und 22. Juni ist die Band bei dem Umsonst- und Draußen-Festival Rage Against Racism im schönen „Duisburg“ mit dabei. Sie hat dort den Rage Slot Battle für sich entschieden können. Echt starke Sache! Geht hin. Es ist für lau, falls ihr es gerade überlesen haben solltet!