The Grey Forest – The Grey Forest

The Grey Forest - The Grey Forest

Der Bandname The Grey Forest, der zu einem noch recht jungen chilenischen Neofolk-Projekt gehört, ist doch schon alleine von der Klangfarbe her irgendwie stark melancholisch angefärbt, oder? Grau wird doch als eine triste, langweilige und das Gemüt erdrückende Farbe wahrgenommen. Im Kontrast mit einer grellen Farbe, wirkt es jedoch stark unterstreichend, vielleicht sogar noch intensiver und leuchtender als die komplementäre Farbe. Mit der wirklich gelungenen Musik verhält es sich hier genauso. Melancholie und Hoffnung sind hier irgendwie eng miteinander zu einer Entität verflochten, wie ein Liebespaar in etwa, das nicht miteinander, aber auch nicht ohne der jeweils anderen besseren Hälfte leben kann – ein Eindruck, der durch die gesamte EP wie ein abgeschossener Pfeil hindurchfliegt, das Ziel nicht verfehlt, und der einen immer wieder von Neuem, selbst noch nach dem Abklingen der Musik zum Nachsinnen anregt. Ja, in dieser Musik liegt eine sanfte Stärke verborgen, die man anfangs gar nicht erst so wahrnehmen wird. Beim ersten Stück „Vetas de madera“ (übersetzt „Holzmaserung“) sicherlich auch noch nicht, welches, zugegeben, Assoziationen zu einer Band wie Eldamar oder aber auch Eneferens in mir aufkommen lässt. Als Einflüsse der Band werden Alcest, Agalloch, October Falls, Woods of Ypres, Uaral, Vàli und auch Musk Ox aufgezählt, doch die wasserklaren, hier vorherrschenden Kompositionen wissen die metallischen Gefilde sehr weitflächig zu umgehen – und ja, auch die dem Metal zugehörigen Vergleichsbands sind in der Tat viel weniger Metal als an den Verpackungen und bunten Beipackzetteln oft angegeben. The Grey Forest schielen auch eher in Richtung Dark Folk, wobei ihre Inspiration aus der Beobachtung der wilden Natur bezogen wird, wie sie selbst schreiben. Der Geruch von nasser Erde, durch Blätterwerke schimmernde Sonnenstrahlen, die knorrigen Formen von Wurzeln – mehr von ursprünglicher, in Musik verpackter Natur geht nicht! In „Gotas de invierno“ („Winterliche Regentropfen“ würde ich es übersetzen), dem vierten und schönsten Lied wird diese Naturanbetung auf die Spitze getrieben. Die unaufdringlichen Gitarrenklänge sind wie ein reinigender, einen unbestimmten Schmerz hinwegspülender Regen und werden durch die wortlosen Vocals in höchst emotionale Höhen emporgehoben. Was übrig bleib, das ist die besagte Melancholie… Traumhaft schön, irgendwie auch um die Seele in der Luft baumeln zu lassen. In der Gesamtheit eine Naturromanze mit einer Prise Grau wie Ascheregen… Hoffen wir, dass unsere Zukunft weiterhin im Kreislauf der Jahreszeiten immer wieder von vorne ergrünen und das Grau mit einer Morgen- oder Abenddämmerung einhergehen wird und nicht mit dem einbetonierten Grau der von gieriger Menschenhand forcierten Naturzerstörung. Absolut unterstützenswert!