The Negation – The Sixth Extinction

The Negation - The Sixth Extinction

Das Pariser Black-Metal-Quintett The Negation veröffentlicht mit „The Sixth Extinction“ eine spannende EP mit 4 Songs, beherbergt in einem schön aufgemachten Digipak. Das Booklet ist mit zwölf Seiten für eine EP vergleichsweise ausladend dimensioniert und die Druckqualität über jeden Zweifel erhaben. Das fühlt sich gut an und macht Lust, die Texte zu lesen.

The Negation sehen die Welt in einem Abwärtszyklus befindlich, welcher in Kürze zum Untergang der Gesellschaften und zum Massensterben führen muss. Diesem Leitgedanken hat sich auch die vorliegende EP verschrieben.

Der erste Text in französischer Sprache gehört zum Song „France Éternelle“. In atmosphärischem Mid-Tempo-Black-Metal malt Vokalist Carnage weite, friedliche Lande entlang der Flüsse, welche nach und nach mit Krieg und Gewalt überzogen werden und schlussendlich von der Hinrichtung und Enthauptung des Adels überschattet werden. Die durchdringenden Gesänge erinnern an Nergal von den polnischen Behemoth und fügen sich grandios in die Atmosphäre des Songs ein. Die Produktion ist amtlich, transparent und räumlich. Die Drums klingen voluminös, die Gitarren differenziert und klirrend, und der Bass erzeugt den notwendigen Druck in der Komposition.

„When the Time of Mass Suicide Will Come“ fragt, was bleibt, wenn das oberflächliche Leben in den sozialen Netzwerken, das denaturierte Sein fernab jedweder Menschlichkeit und die Zerstreuung durch die Medien nicht mehr ausreichen, um die Gesellschaft zu befrieden, und was die Menschen tun werden, wenn sie die Ausweglosigkeit und Leere dieses Seins erfahren. Bedrohlich und abermals präzise wie ein Uhrwerk schmiedet die Band ein Bild einer apokalyptischen Welt am Rande der Zerstörung, in welcher die Menschen der eigenen Sinnlosigkeit überdrüssig den Freitod wählen.

„The Sixth Extiction“ setzt sich mit der Zerstörung der Natur und den Folgen für die Menschheit auseinander. Die Stärke der EP offenbart sich immer mehr in der düsteren, dunklen Atmosphäre und dem Gefühl von Ausweglosigkeit und Finalität. Den Franzosen gelingt es mit technischer Finesse und Stilsicherheit, den Hörer tief in den Bann zu ziehen und in das Konzept miteinzuweben.

„Shadows from the Past“ gibt sich dann fast schon versöhnlich und wirkt wie ein Nachruf auf eine Welt, die wir nicht wieder heilen können. Und während die ersten Songs im Artwork mit den Assoziationen der französischen Revolution, Folter und Totenschädeln hinterlegt wurden, zeigt sich zum vierten Song lediglich die Tristesse eines kleinen Dorfes, urbane Kälte, wo einst Natur war.

The Negation gelingt es mit „The Sixth Extinction“ eine Konzept-EP vorzulegen, die sowohl das Quintett selbst und ihr Wirken hervorragend zusammenfasst, als auch den Hörer mit auf eine Reise nimmt. Musikalisch über jeden Zweifel erhaben und mit einem Digipak und Booklet mit toller Haptik ausgestattet, kann man ganz in die Texte und die teils wilden, teils atmosphärisch geprägten Black-Metal-Songs eintauchen. Und das bei einer Produktion, welche die Instrumente nicht versteckt oder kaschiert, sondern den Hörer durch viel Transparenz immer wieder ermöglicht, neue Facetten zu entdecken. Eine klare Empfehlung für die restlichen kalten Tage des Frühlings!