The Spirit – Sounds from the Vortex

The Spirit - Sounds from the Vortex

Gerade bin ich wieder in den 90ern eingeschult worden, als in Skandinaviens frostklirrenden Schmieden Black mit Death Metal zu einem völlig neuen Stahl geformt wurde. Oft denke ich heute wehmütig an die damalige Zeit zurück, wie diese den Metal zu neuen Möglichkeiten anspornte, oder daran, was da für wegweisende Grundsteine gelegt worden sind. Manchmal wäre ich gern in diesen Jahren in meinem jetzigen Alter unterwegs gewesen, um diese kreative Zeit des Wandels und der Schaffenskraft bewusst mitzuerleben. Doch wir befinden uns unabänderlich im Jahre 2018 und ich stelle fest: So schlimm ist es jetzt auch gar nicht, wenn man so Bands wie The Spirit kennenlernen darf.

Die Saarbrückener greifen die alten Zeiten auf und lassen das frühere Black/Death-Bündnis wieder aufleben. Rhythmisch, melodiös, stürmisch und technisch äußerst versiert kommt das 2015 gegründete Quartett daher, welches im Oktober 2017 in Eigenregie und in einer kleinen Auflage den Debütbastard „Sounds from the Vortex“ gebar. Nun, im August dieses Jahres, wurde das Album noch einmal neu und größer publiziert. Als schwarze Hebamme fungierte hier eines der größten Metal-Plattenlabels unserer Zeit: Nuclear Blast.

Mit sechs fetten Tracks plus Intro und einer Spieldauer von nicht ganzen vierzig Minuten zählt die Scheibe zu den etwas kürzeren Werken des Genres, was aber keinesfalls schlecht ist. Ich denke zwar nicht, dass das so beabsichtigt war, aber man kommt sich hierbei ein wenig gecliffhangert vor und will unbedingt wissen wie es denn wohl weitergeht. Doch bevor es soweit sein wird, wird „Sounds from the Vortex“ noch unzählige Male seine Kreise in meinem Player drehen. Die Scheibe bietet dem Hörer eine Reise in die Vergangenheit und lädt dazu ein, auch mal wieder die guten alten, und trotz angesetztem Staub immer noch frisch klingenden Dissection-Platten aus dem Schrank herauszukramen. Doch „Sounds from the Vortex“ ist trotz der klassischen Musikdarbietung niemals und in keinster Weise ein Abklatsch und strotzt hörbar vor einigen Neuerungen. Bei der nächsten Veröffentlichung von The Spirit wird deren Musik bestimmt noch um einiges innovativer ausfallen und mit einer eigenen, noch deutlicheren Handschrift versehen werden, kann ich mir vorstellen. Jedenfalls zeigen die Saarbrückener bereits auf ihrem Erstling was in ihnen steckt und wirbeln wie ein… nun ja… Vortex… durch den starken Nuclear-Blast-Fundus. Es ist ein Album voller Nostalgie und Altbewährtem mit großem Mut zur Eigenständigkeit!