Totenwache – Der Schwarze Hort

Totenwache - Der Schwarze Hort

Nachdem sich nun alle anderen Magazine mit Jubelschreien über das Debütalbum „Der Schwarze Hort“ von Totenwache überschlagen haben, möchte ich auch etwas zu diesem Werk schreiben. Natürlich kann ich mich der allgemein vorherrschenden Begeisterung nur anschließen, hab ich doch letztlich nichts anderes als ein Meisterwerk erwartet, zumal ich schon das Demo „Ursprung“ voll abgefeiert und dem Hamburger Trio sogleich eine goldene Zukunft vorausgesagt habe, während andere sich noch unsicher gaben oder erst eine abwartende Haltung einnahmen (man steht ja schließlich doch nur sehr ungern ganz alleine mit einer eventuell „falschen“ Meinung auf weiter Flur). Der sichtbare Erfolg der Totenwache ist absolut verdient sowie gerechtfertigt, wurde er doch konsequent und stetig von der Band erarbeitet, die einen recht eigenen, äußerst melodischen und (zugegeben) somit auch sehr an finnische Größen erinnernden Stil für sich gefunden und entwickelt hat. Das versprüht Kraft, reißt Wände ein und puscht unentwegt nach vorne. Wer kann sich da solch einer machtvollen Beschallung widersetzen? Schon der letzte Song, „Gloria Antichristi“, den ich schon in der Rohfassung vorab hören konnte, ist eine gewaltige Hymne, die mit anderen Klassikern des Genres locker mithalten kann. Die einschneidende Melodie hinterlässt augenblicklich Narben im Gewebe und bringt die Ohren zum Qualmen. Definitiv ein Klassiker von morgen!

Genauso stark wie der Finisher ist aber auch der Startschuss. Nach dem ruhigen, ein falsches Gefühl von friedlicher Ruhe vermittelndem Intro, kommt das „Urteil: Niedergang“ wie scharfes Henkerbeil herniedergesaust. Der Mensch, der sich systematisch selber nach und nach zugrunde richtet, wird von Animatrums hasserfüllten Schreien verbal gelyncht und gevierteilt, während die selbstbeschworenen apokalyptischen Reiter alles andere im gnadenlosen Ritt niedermetzeln. Die E-Gitarre singt unentwegt ihr Todeslied, das Schlagzeug ist am Trümmern was das Zeug hält, der Bass ballert treffsicher im Dauerfeuer von unten – vor allem im Song „Des Königs stolze Acht“, wo ihm viel Freiraum zur Entfaltung gegeben wird, gut rüberkommend – und die schwarze Atmosphäre windet sich von Song zu Song immer weiter nach oben und verhüllt den gesamten Himmel. Die drei Jungs wissen, wie Black Metal, oder besser gesagt wie richtiger, finsterer Black Metal zu klingen hat! Ihre Stärken, welche wohl der jungen Impulsivität zu verdanken sind, können sie auch über die gesamte Albumlänge mühelos aufrechterhalten. Jeder Song sitzt direkt da, wo er sitzen muss, jeder Melodie-Anflug wie z. B. beim „Der Heiler“, meinem Favoriten, knallt sofort wie ein Peitschenhieb und rasiert die Rüben zahlreich ab. Mehr kann man sich vom Black Metal doch nicht wünschen, oder? Totenwache ist nach wie vor, wenn nicht sogar mehr denn je ein absolut höllisch heißer Geheimtipp. Totale Empfehlung!