Triste Terre – Grand Œuvre

Triste Terre - Grand Œuvre

Triste Terre schieben mit „Grand Œuvre“ ihr erstes Full-Length-Album in den Äther. Nach mannigfaltigen EPs und Single-Auskopplungen in den Jahren 2016 bis 2018 wurde das auch mal Zeit.

Der Black Metal, den Triste Terre zelebrieren, ähnelt dem ihrer Label-Kollegen Au-Dessus, finster, verschroben, bewusst disharmonisch. Aber schon auf „Œuvre au Noir“ werden die nahezu symphonischen Qualitäten der Band deutlich. Dichte, drohnenhafte Gitarrenarbeit, die sich orgelähnlich verdichtet und der Komposition Dringlichkeit verleiht. Der Texter und Schreiber der Musik nennt sich Naâl und versteht offensichtlich sein Handwerk. Das zwölfminütige Opus durchläuft mehrere Tempiwechsel und zeigt eine spielsichere, garstige und wütende Band, die ohne Kompromisse zu Werke geht.

Wer auf Gnade gehofft hat, wird von „Corps Glorieux“ eines Besseren belehrt. Markerschütternde Schreie und peitschende Snareschläge leiten das nächste atmosphärisch dichte Stück der Band aus Lyon ein. Hier fesseln gerade die langsamen Parts, über welchen die Schreie fast zu überhitzen drohen. Wunderschöne Melodien beherrschen Triste Terre demnach auch, und dennoch finden sie immer wieder den Weg in Disharmonie und unerwartete Dramatik.

„Nobles Luminaires“ beginnt ruhig mit einem leicht verzerrten Arpeggio und geht nahtlos in einen süchtigmachenden Drumgroove über. Die technische Versiertheit dieser Band ist schlicht beachtlich. Die Lyrics lesen sich ausnahmslos wie Seiten aus arkanen, alchemistischen Büchern; mit dieser Stimme könnte man zwar auch ein Backrezept vortragen und Gänsehaut provozieren, aber die intensive Verwebung von Digipak-Artwork, Lyrics und Konzept verleiht dem Album einen besonders finsteren Glanz.

„Grand Architecte“ und das mit pfeilschnellen Blastbeats bedachte „Lueur Émérite“ setzen den Trend überlanger Songs fort: Kein Song auf der CD ist unter acht Minuten, in der Regel sprengen die einzelnen „Œuvres“ die Zehn-Minuten-Marke mühelos, ohne dabei vorhersehbar oder langweilig zu werden. Die Songs stehen für sich genommen gut auf dem Album, aber das Album als Ganzes entfaltet noch mal eine intensivere und dichtere Atmosphäre.

Mit „Tribut Solennel“ wird das Album beendet, die Band schwört sich lyrisch darauf ein, niemals die arkanen Künste weiterzugeben, die Geheimnisse aus Alchemie, Medizin und Philosophie, denen man die fünf vorherigen Songs gewidmet hat. Dann über weite Wege instrumental peitscht der letzte Song noch mal durch alle Stärken von Triste Terre: Waghalsige Drums, eine gute Produktion, die dicht und differenziert klingt, ohne den Charme des Black Metals abzulegen, fantastische Vocals und songwriterische Fähigkeiten, für die andere Bands töten würden.

„Grand Œuvre“ ist genau das, ein Meisterwerk der schwarzen Metal-Kunst. Die EPs haben der Band augenscheinlich erlaubt, ihre Kunst zu perfektionieren. Auf diesem Album stimmt einfach alles. Das Artwork ist detailverliebt und wunderschön, das Album steht als Ganzes über den einzelnen Songs und die Atmosphäre wird mit jedem Atemzug dichter, dringlicher und bedrohlicher. Eine absolute Empfehlung für alle Black-Metal-Fanatiker!