Tusen År Under Jord – Sorgsendömet Fobos

Tusen Ar Under Jord - Sorgsendömet Fobos

„Tausend Jahre unter der Erde“, so die Übersetzung dieses musikalischen und als Pale Moon Music bezeichneten Projekts eines gewissen Daniel Jonsson aus Schweden. 2013 von Hibiskofon in einer Auflage von nur 100 Kassetten in Umlauf gebracht, wurde „Sorgsendömet Fobos“ nun in die sorgfältigen und vertrauenswürdigen Hände von Trollmusic gelegt und als eine stilvolle Digisleeve-CD-Version mit einem zusätzlichen sechsten Track erneut veröffentlicht. Ob die hier „verewigte“ Musik als Dark Ambient, Drone, Neofolk, Neoklassik oder gar als eine Metal-Verwandte x-ten Grades aufgefasst wird, das bleibt jedem geneigten Zuhörer selbst überlassen. Diese fürwahr schwer greifbare, mit unbestimmter, kaum nachvollziehbarer Leichtigkeit alles durchdringende Musik scheint irgendwie in jede der genannten Schubladen passen zu wollen, aber dann wiederum doch nicht. Letztendlich ist es vollkommen egal für welchen Terminus man sich entscheidet, das individuelle Empfinden des Zuhörers ist das einzige in der Musik, dem eine Bedeutung beigemessen werden sollte. Und dieses wird in der Regel aus einer atmosphärischen Grundvoraussetzung geboren. Während andere Musikstücke oft viel Vorlaufzeit für den Aufbau eines stimmungstragenden Gefüges benötigen, scheint das hier entstandene Opus wie das vertonte Manifest der Atmosphäre selbst zu sein. Dementsprechend kurz ist dieses intensive Hörerlebnis. Durch die mit Absicht implementierten Knackgeräusche wird das Klangbild einer alten, verstaubten oder, um einen Link zum Bandnamen zu schlagen, gar ausgegrabenen Schallplatte reproduziert. Die bruchstückhafte Instrumentalisierung wirkt wie eine akustische Collage, wie Musik aus einer Zeit vor der Zeit. Einzige Ausnahme bildet der dritte Track, der kontinuierlich eine sehr zerbrechliche Melodie auffährt. Trotz allem: Als Gesamtpaket ist diese Totalität konvergent und irgendwie harmonisch aufgebaut. Die eingesetzten Stilmittel sollen wohl bewusst die Ursehnsucht nach etwas Verlorengegangenem in einem wachrütteln, nach etwas kaum Greifbarem, nach etwas Kosmischem. Wer weiß das schon aber genau? Es ist ein Album, das sich nur als Gesamtkunstwerk verstehen, oder besser gesagt erahnen lässt, ein wirklich seltenes und von daher wertvolles Kleinod in der rapiden Sintflut der massenhaften Musikveröffentlichungen.

(auch veröffentlicht im Hammerheart Fanzine #10, Mai 2016)