Vike Tare – Feed the Flames

Vike Tare - Feed The Flames

Eines muss man Vike Tare lassen: Sie haben sich für ihr zweites Album viel Zeit gelassen. Die im Jahre 2003 gegründete Band von der friesischen Nordseeküste brachte ihr Debütalbum „The Tide of Revelation“ bereits 2005 auf den Markt. Elf Jahre und eine achtjährige, aus zeitlichen Gründen angelegte Pause später erschien im September dieses Jahres das „zweite Debüt“ der Band beim Label Einheit Produktionen, welches den Titel „Feed the Flames“ trägt.

Sowohl der Titel des Albums wie auch der Name der Band leiten sich von einem heidnischen Brauch, dem Biikebrennen, ab. Dabei handelt es sich um ein traditionelles Fest, das am Abend des 21. Februar in Nordfriesland gefeiert wird, und dessen Ursprung heute nicht mehr eindeutig bestimmt werden kann. Im Zuge des Festes werden Strohbündel oder -puppen im Feuer unter dem Ausruf „Vike Tare!“ oder „Wedge zehre!“ verbrannt. Dadurch wurde Weda, einer der beiden Kriegsgötter der Friesen, um die Annahme des dargebotenen Opfers gebeten.

Demjenigen, der Vike Tare nicht bereits zu ihrem 2005er Debüt auf dem Schirm hatte, erscheinen sie beinahe wie aus dem Nichts. Denn eines muss man den fünf Friesen lassen: Sie spielen auf technisch unerwartet hohem Niveau und scheinen ihr Handwerk zu beherrschen. Ob es sich bei der Musik nun um den von Vike Tare selbst betitelten Frisian Pagan Black Metal oder doch nur um „gewöhnlichen“ Pagan Metal handelt, kann jedoch getrost dem Hörer überlassen werden. Behandelt werden auf dem Album zwar nicht zwingend rein regionale Themen, der Fokus auf die friesische Heimat lässt sich aber nicht bestreiten. So besingt der Titeltrack des Albums „Feed the Flames“ das bereits angesprochene Biikebrennen, vertont der Song „Die späte Rückkehr“ ein besonders in Norddeutschland beliebtes Gedicht über die Rettung eines Schiffbrüchigen und besingt „Der Fischer“ die Geschichte eines eben solchen, der eine schicksalhafte Begegnung auf dem offenen Meer hat. Insgesamt ein eher düsteres Album, das seinen Hörern ordentlich Meerwasser durch die Ohren spült.

„Feed the Flames“ ist ein erstaunlich homogenes und stimmiges Album auf, wie bereits erwähnt, technisch gutem Niveau. Unter seinen nassen Planken birgt es eine dichte Atmosphäre sowie eine nicht zu bestreitende melodiöse aber andererseits auch knüppelharte Seite. Die melodischen Elemente des Albums kann man am besten in Songs wie „Like a Silent Hill“, dem bereits erwähnten „Der Fischer“ (in welchem zudem noch eine weibliche Stimme in die Rolle der schicksalhaften Begegnung schlüpft) oder dem das Album sanft ausklingenden „Heimgang“ erkunden. Auf die harte Seite der Scheibe trifft man am ehesten in „Phobos Anomaly“ oder „Feed the Flames“. Dass die Band auch Abwechslungsreichtum beherrschen kann, beweist beispielsweise „Trutz, der blanke Hans!“ mit seinem vorsichtigen Einsatz einer akustischen Gitarre und seichtem Klargesang.

Liest man sich die Trackliste des Albums durch, mag man auf seine vielleicht einzige Schwachstelle treffen: So ganz scheint sich die Band nicht einig zu werden, in welchem Sprachraum sie sich bewegen möchte. Englisch und Deutsch werden hier ziemlich „wild“ gemischt. Dem Gesamteindruck schadet das jedoch zum Glück nicht, obwohl ich mich an Stelle der Band wahrscheinlich für einen rein deutschsprachigen Gesang entschieden hätte. „Feed the Flames“ gehört zu der Art von Alben, welche auf ganzer Strecke ein wahrlich gelungenes Hörvergnügen verbreiten können. Für den geneigten Pagan-Metal-Fan mit Sicherheit ein empfehlenswerter Anspieltipp.