Void – Jettatura

Void - Jettatura

Rock ’n‘ Roll wurde früher offenkundig als die Musik des Gehörnten dargestellt und diente einer ganzen Generation nicht nur als Mittel des Selbstausdrucks, er verkörperte auch ein Aufbegehren gegen Kleinbürgerlichkeit und den gesellschaftlichen und politischen Status quo. Heutzutage hat der Black Metal als Mobil des Aufbegehrens längst den Rock ’n‘ Roll abgelöst, sind die Ausdrucksformen doch extremer und spezifischer geworden und richten sich nun gegen organisierte Religion, den Ressourcen verschwendenden Lebensstil der Menschheit und die nach außen gerichtete Haltung unserer Existenz. Dennoch liegt es nahe, Rock ’n‘ Roll und Black Metal zu verknüpfen, immerhin hatten Bands wie Helltrain oder zuletzt Tribulation damit durchaus beachtliche Erfolge und ein zündendes Fundament. Und so parken Void ihren metaphorischen Cadillac vor dem heruntergekommenen Konvent, in dem nun ein Road Diner eröffnet hat.

Die Band aus Nantes legt mit „Jettatura“ ein Machwerk vor, welches von der Seele des Rock ’n‘ Roll erfüllt, aber deutlich düsterer und sinisterer ist. Das Titelstück eröffnet den Reigen textlich mit der Zahl der Bestie, Cocktails in VIP-Bereichen und satanischen Ritualen. Das Titelstück wirft bereits mit so vielen satanischen und Rock-n-Roll-Lifestyle-Fragmenten um sich, dass man sich fragt, was da noch kommen soll. Die knurrigen Vocals und die klirrenden Gitarren sind deutlich im Black Metal verortet, der Groove und die Attitüde geben dem Ganzen zusätzlich einen Rock-Vibe. „Theory of Hail“ klingt schwarzmetallischer und weniger partyfreudiger als „Jettatura“, aber hier zeigen sich auch schon erste Abnutzungserscheinungen: Das Riffing ist simpel, die Stücke erreichen nur eine geringe Dynamik, so richtig zünden will das Gemisch noch nicht und der V6 schnurrt noch nicht so richtig. Echte Highlights sind leider nur schwer auszumachen. Die Band manövriert zwar auch durch einige ruhigere Passagen, fährt aber zunächst einen großen Bogen um Blastbeats und die ganz große Keule. „Woven Woods“ besingt die Wälder und das Verlorensein. Die Riffs klingen zwar finster, dennoch kommt nie das Gefühl auf, dass die Band sich der rasenden Wut und der Verzweiflung des Black Metals hingibt. Während der Hinstrecke scheint die Handbremse des Cadillacs immer leicht angezogen zu bleiben. „We Come We Breed We Live“ bietet dann endlich Abwechslung, die Gitarren malen einen tiefschwarzen Teppich in den Fußraum, der Wagen rollt langsam aber sicher auf eine Klippe zu, endlich stellt sich eine Bedrohlichkeit und Finsternis ein, die sich auch mit dem folgenden Stück „O M E N“ fortsetzt. In der zweiten Hälfte der CD klingen Void immer mal wieder nach Immortal zu Abbaths Zeiten, was der Band verdammt gut zu Gesicht steht. „Red Cardinals“ gibt kurz vor der Zielgeraden noch mal Gas, die Band scheint nun ihre eigenen Genrevorgaben ausgeblendet zu haben und poltert kauzigen Black Metal aus den Lautsprechern, die Handbremse ist gelöst und man gibt sich versöhnlich stilsicher.

Eine interessante Mischung ist Void da gelungen. Die Band kann stilsicheren Black Metal vertonen, die Texte sind mitunter unterhaltsam und bewusst klischeebehaftet, das macht Spaß und ist sicherlich nicht zu ernst gemeint. Lediglich das Sprit-Gemisch aus Rock ’n‘ Roll und Black Metal will nicht so recht zünden. Tribulation klingen dramatischer, finsterer und anspruchsvoller, Helltrain klangen Party-williger, alkoholgetränkter und ungezügelter. Der Void-Cadillac fährt noch durch Blashyrkh’s kalte Eiswüsten und die Klimaanlage springt nur sporadisch an.