Waldgeflüster – Meine Fesseln

Waldgeflüster - Meine Fesseln

Erst durch Zufall stieß ich neulich auf Waldgeflüsters „Meine Fesseln“ und es war klar, dass dieses Album auf keinen Fall enttäuschen würde. Nicht nur für mich selbst ist dieses Album so großartig, nein vielmehr ist es auch eine Ode an die Natur (den Menschen und seine Gefühle als Teil dieser Welt eingeschlossen)!

Die musikalische Wanderung beginnt mit traurigen Akkustikgitarren zu Anfang und sogleich umhüllt „Der Nebel“ den Hörer mit seiner intensiven Atmosphäre. Begleitet von melodischen Gitarrenklängen beschreiten wir den Weg, bestehend aus schroffem Gesang, schnellen und ruhigeren Passagen, kombiniert mit überzeugenden klaren Vocals, und gelangen auf den nachdenklich stimmenden „Karhunkierros“ (ein finnischer Wanderweg, die „Bärenrunde“ genannt). Der Song macht Mut voranzuschreiten, sich selbst und seine Probleme hinter sich zu lassen – wenn auch nur für einen Augenblick. Wir sollten im „Hier und Jetzt“ leben, unsere inneren Kräfte sammeln, Leere, aber auch die Kraft der Natur spüren. Dabei hilft nur Stille und den Weg als Ziel zu sehen. Besonders zum Ende des Stücks wird es dann sehr gefühlvoll und jeder Wanderer sollte hier einmal rasten, um sich selbst von dieser Vertonung zu überzeugen. In den nächsten beiden Songs verdüstert sich die Stimmung und schlägt um ins Depressive. Nicht umsonst ist die Weide der Totengöttin geweiht. Das kriegt der Hörer hier definitiv zu spüren. Die Stimme erinnert stellenweise an Aaskereia, fügt sich aber dennoch sehr gut ins Gesamtbild ein.

Melancholisch und blurot erhebt sich nun die Morgensonn, um mit einem letzten Rest ihres sterbenden Abendlichts auf den Verlust des wirklichen Menschseins hinzudeuten. Im Gesamten betrachtet erzeugt der eingängige Refrain, in Kombination mit Klavier und Anathema-ähnlichen Gitarrensounds (zum Ende hin), eine einzigartige Klanglandschaft. „Mit welchen Fesseln“ startet ebenfalls sehr atmosphärisch, mit vielen unterschiedlichen gitarrenlastigen Einschüben. Nach einem kleinen Ausbruch der Gefühle in erneuter, bester Black-Metal-Manier verebbt der Song zur Hälfte in einem kleinen Interludium, mit fernen Tastentönen und einer hallenden Stimme, als würde man im Sonnenlicht auf einer grünen Lichtung stehen und dem Raunen des Waldes lauschen. Grandios! Das Ende der Reise bildet thematisch nochmals die Trauerweide. Eine todtraurige, aber herzzerreissende Ballade aus Akustikgitarren, Post-Elementen, Klavier und Violine. Ein gelungener Ausklang für einen gelungenen Silberling, der nur durch – stellenweise etwas besser erkennbare – rauhe Vocals noch etwas besser hätte sein können.

Fazit: Waldgeflüster sind pure Sehnsucht. Sehnsucht nach „Entfesselung“ des Seins und des sich selbst Auflösens in den Weiten unberührter Natur. Ich kann nur noch eines hinzufügen: Meinen aufrichtigsten Dank für „Meine Fesseln“!

(auch veröffentlicht im Hammerheart Fanzine #8, Mai 2014)