Waldtraene – Unter Wolfes Banner

Waldtraene - Unter Wolfes Banner

Ich hatte bereits vor Kurzem das Vergnügen, mit der Band Waldtraene ein mehr als nur ausführliches Interview führen zu dürfen – über ihr musikalisches Schaffen, ihre Inspirationsquellen und natürlich auch über ihr neuestes Album „Unter Wolfes Banner“. Natürlich will ich euch das grandiose Album, welches quasi der Initiator für das Interview war, nicht vorenthalten und an dieser Stelle ein bisschen genauer beleuchten.

Vorab kurz zu den Fakten: „Unter Wolfes Banner“ ist der zweite Teil der Reihe „Es wussten eins die Alten“. In dieser bisher zweiteiligen Reihe von Konzeptalben übernimmt der Hörer die Rolle eines spirituellen Wanderers, der sich sozusagen auf der Suche nach sich Selbst befindet. „Im ersten Album des Konzepts trifft der Hörer auf den Dichtergott Bragi, der ihn durch das Album geleitet und ihm Wege aufzeigt. Er erinnert an Vergangenes und legt dar, was der „Suchende“ daraus lernen kann“, so die beiden Bandmitglieder Horda und Knoepfchen über ihr eigenes Werk. „Im neuen Album […] findet sich der Hörer nach dem Auszug bei Bragi des Nachts im Wald wieder, während vor ihm seltsame Lichter erscheinen. Sie locken ihn immer tiefer in den Wald, tiefer in sich selbst. Er trifft die Schatten der Vergangenheit, Seelen aus verschiedensten Epochen des Altertums, alle geeint unter dem Wolfsbanner, welches für die Stärke, den Krieger in jedem selbst steht. Inhalte der Lieder, welche auch wieder durch Gesprächparts umrahmt werden, reichen von historischen Begebenheiten über Göttergeschichten bis hin zu Naturmythen und zwischenmenschlichen Themen.“

Das alles klingt nicht nur so, als hätte sich jemand sehr ernsthaft mit der Materie beschäftigt. Man merkt „Unter Wolfes Banner“ in jedem Augenblick an, dass das Album mit viel Liebe zum Detail geschaffen wurde. Besonders beeindruckt hat mich die besondere, fast magische Harmonie zwischen den beiden Stimmen von Horda und Knoepfchen. In Kombination mit der wunderbaren Schlichtheit einer akustischen Gitarre und einer Flöte, schaffen es die beiden, eine Vielfalt von Bildern in die Köpfe ihrer Hörer zu zaubern. Zwischendurch wird das Album immer mal wieder von kleinen Story-Elementen unterbrochen, welche die Reise des „Suchenden“ näher beschreiben.

Hört man sich den zweiten Teil der Konzeptreihe „Es wussten einst die Alten“ im Vergleich zu seinem Vorgänger an, fällt auf, dass sich beide Alben trotz ihres zeitlichen Abstandes (ersteres erschien 2014) beinahe nahtlos ineinanderfügen; sowohl was die Geschichte anbelangt, als auch die musikalische Qualität. Zwar erscheint „Unter Wolfes Banner“ ein kleines wenig zügiger und ein bisschen schneller zu sein, doch ist dieser Unterschied nur minimal. Ein Umstand, der den beiden Konzeptalben sehr gut tut.

Angenehm ist auch, dass Waldtraene auf ihren Werken niemals ins Kitschige abdriften. Die Themen des Albums – ob es sich dabei um die angesprochenen Naturmythen oder das Zwischenmenschliche handelt – werden mit würdevoller Vorsicht und Ehrfurcht behandelt, ohne dass sich Waldtraene dabei selbst allzu ernst nehmen. Man merkt besonders den erzählenden Stellen des Albums an, dass die beiden auf „Unter Wolfes Banner“ durchaus auch Humor beweisen können. Wer also befürchtet, ein übermäßig philosophisches Werk vor sich zu haben, den kann ich beruhigen: Das Album mag seine heidnische Herkunft ernst nehmen – es macht aber auch jede Menge Spaß beim Hören.