Zwenz – A Life’s Work of Natrgaard

Zwenz - A Life’s Work of Natrgaard

Wie der Titel es schon sagt, wird hier dem Hörer das musikalische, unter dem Projektnamen Zwenz zusammengezurrte Lebenswerk des Solokünstlers Sven Krause alias Natrgaard (aktuell noch mit seiner anderen Band Beyond Helvete aktiv) offenbart. Dabei ist dies schon die zweite Wiederveröffentlichung des ursprünglich 2005 in Eigenregie herausgebrachten Werkes. Allein diese Tatsache legt die Vermutung nahe, dass es sich hierbei womöglich um eine verkannte Black-Metal-Perle handeln muss. Laut dem neuen Label Black Blood Records ist dies auch das wichtigste Werk von Zwenz, welchem endlich die ihm gebührende und professionelle CD-Veröffentlichung widerfährt. Da ich mit Zwens bis jetzt noch keine Berührungspunkte hatte, kann ich mich nun ganz unverfroren und voller Zuversicht auf diese akustische Reise begeben.

Auch wenn Natrgaard in Vergangenheit mit Satanismus und Antichristentum, also dem üblichem Black-Metal-Zeugs kokettierte, hat er recht schnell die Schönheit der einsamen Naturpfade für sich entdeckt, wovon dieses Album ein gutes Zeugnis abgibt. „Einstieg“, das zum größten Teil rein instrumental arrangierte Stück (die eingesungenen, nur kurz aufkommenden Textzeilen haben es, wieso auch immer, nicht ins Booklet geschafft), stellt, so könnte man es sagen, eine Tür in eine von Menschenhand weitgehendst noch unberührte Landschaft dar, wo Wölfe heulen und der Adler am Firmament seine Kreise zieht. Und in diesem „Hinterland“ fühlt sich Natrgaard so richtig wohl, was nicht nur aus den gesungenen Texten, sondern vor allem auch der ehrfürchtigen musikalischen Darbietung direkt herauszuhören ist. Wirklich markant und ein Gefühl der Selbstsicherheit verbreitend ist der teils von einer sanftmütigen Flöte begleitete Klargesang, welcher in recht ähnlicher Form auch bei Bergthrons fünftem und genialem Opus „Leben und Lebenswille“ anzutreffen ist. Er ist sehr melodisch, mit starker Betonung und in Länge gezogenen Wörtern intoniert, klingt ehrlich und rein und besitzt die Kraft, den Hörer geradewegs und ohne Umwege auf den hier besungenen einsiedlerischen Lebensweg mitzunehmen. Der dazu phasenweise abwechselnd gespielte und trittsichere Black Metal – gutturaler Kehlgesang inklusive – der besten klassischen Sorte, der mit treibenden Rhythmen eine ganz klare Marschrichtung vorgibt, macht diesen Song zum Mittelpunkt dieses kurzweiligen Albums. Kurzweilig deshalb, weil nachher nicht mehr viel kommt; nur noch das kurze, von Gitarre umsäumte Gesangsstück „Reise ins Innere der Erde“ an dritter Stelle, hier und da von einigen Zwischenrufen aufgelockert, und danach das letzte richtige Lied „Falkenflug“. Dieses ist gleichermaßen schön wie „Hinterland“ zusammengestellt, passenderweise mit schrillen und etwas aufdringlichen Falkenrufen ausgeschmückt, und lässt das sehnsüchtige Feuer einer nicht totzukriegenden Naturverehrung noch einmal stark auflodern, bevor dieses mit dem akustischen Outro „Abschied“ auch schon wieder erlischt. Doch das im Herzen entfachte Feuer wird definitiv noch länger weiterbrennen – so viel ist gewiss!

Natrgaards Lebenswerk ist, anders kann man es nicht sagen, wirklich großartig, wenn auch viel zu über- und vielleicht auch ein wenig zu durchschaubar. Alle Freunde der paganen Metal-Kunst sollten dieses Werk aber zumindest mal gehört haben!