Prophecy Fest 2017 (Live Report)

Prophecy Fest 2017

Am letzten Juli-Wochenende 2017 fand zum dritten Mal in Folge das Label-eigene Prophecy Fest in der Balver Höhle statt, das natürlich (mal wieder) mit einem extravaganten Billing mit einigen ganz selten auf der Bühne anzutreffenden Acts aufwartete und lockte. So wurden auch wir zum dritten Mal mit einigen sehr schmackhaften musikalischen Leckerbissen geködert und sind am frühen Nachmittag des 28. Juli mit Freude und hohen Erwartungen im Gepäck schnurstracks nach Balve aufgebrochen.

Freitag, der 28. Juli 2017

Nhor
Leider waren wir ein wenig spät dran, so dass wir nur noch einigen wenigen Songs der bezaubernden Piano-Musik des Künstlers Nhor lauschen durften. Ich wusste bereits vorab, dass er Stücke um das Projekt „Wildflowers“ vortragen würde. Ein Projekt, das aus den vier Zyklen des Jahreskreislaufs besteht: Spring, Summer, Autumn und Winter. Lediglich die ersten beiden Jahreszeiten sind digital sowie auf Tape veröffentlicht und sollen in ihrer Gesamtheit nach Ablauf dieses Zyklus als CD erscheinen. Auch wenn in der Höhle selbst etwas Unruhe herrschte und vermutlich niemand mit einem Piano-Starterpaket gerechnet hatte, war es doch eine aufregende Begegnung eines erstmaligen Auftrittes. Die Songs sind allesamt recht minimalistisch, aber dennoch regen sie an, sich ihnen in Stille hinzugeben und ihrer Melancholie zu lauschen. Das war hier eben nur bedingt möglich, daher wäre ein Theater vermutlich der bessere Ort für diese filigrane Musik gewesen. Dennoch war die Akustik bei diesem Auftritt glasklar. Etwas verwirrend war für mich die Tatsache, dass der Musiker mit dem Rücken zum Publikum saß und noch jemand auf der Bühne malte. Nette Idee, aber irgendwie etwas verstörend und sehr anonym. Dennoch, das Bild im Anschluss bei eBay zu verkaufen, um den Erlös einem Wildlife Trust zu spenden, finde ich eine grandiose Idee!
Chris

Soror Dolorosa
Für mich persönlich waren Soror Dolorosa der Einstieg ins diesjährige Prophecy Festival… Aber für meinen Geschmack nicht unbedingt ein guter. Das mag zum einen daran liegen, dass die Musik live nicht mein Fall war und ist vielleicht auch der Tatsache geschuldet, dass ich den ersten Festival-Tag in recht übermüdetem Zustand verbrachte und so von einigen Bands des Abends ein verzerrtes Bild habe. Insgesamt hatte ich das Gefühl, dass viele Bands mit ruhigerer Musik am ersten Abend des Festivals nicht so recht ihre Atmosphäre rüberbringen konnten. Aber auch das wird Geschmacksache gewesen sein. Das eine oder andere Nicken mit dem Kopf und Wackeln mit dem Fuß konnte ich mir dann allerdings auch nicht verkneifen, denn im Grunde mag ich das Schaffen von Soror Dolorosa durchaus, wie ich beim späteren Durchforsten via Bandcamp feststellen durfte.
Olli

Sun of the Sleepless
Totgeglaubte leben bekanntlich länger, und so wurde nach über einem Jahrzehnt Schwadorfs schwarzmetallisches Projekt namens Sun of the Sleepless aus den Tiefen des vermeintlichen Grabes wieder ans Tageslicht befördert und um die erste Langspielrille „To the Elements“ sowie eine exklusiv auf Vinyl gepresste Compilation mit dem alten Material ergänzt. Die offizielle Auferstehungsfeier wurde natürlich live auf dem diesjährigen Prophecy Fest begangen, was alleine schon ein sehr triftiger Grund war dorthin zu pilgern. Dieses zweite Konzert überhaupt (der erste Gig wurde 1999 beim ersten kleinen Prophecy-Label-Festival gespielt), das deshalb so selten wie ein Diamant in der Größe einer Faust gewesen sein durfte und mit einigen befreundeten Gastmusikern wie Eviga von Dornenreich oder Martin von Falkenstein von Mosaic realisiert wurde, ist sicherlich ein sehr starker Magnet unter den vielen Acts des Festivals gewesen und wurde von allen mit voller Spannung erwartet. Nach den sehr ruhigen Tönen von Nhor und den für stählerne Metal-Herzen etwas ungewöhnlichen Klängen von Soror Dolorosa, hat die wuchtige Gitarrenarbeit endlich für einen metallischen Wirbel gesorgt und die allgemeine Zufriedenheit erst so richtig angeheizt – und das nicht nur, weil auf der Bühne zwei große Fackeln loderten. Mit ihren oft langsam startenden und sich bis hin zu einem Sturm aufbauenden Konstrukten des Poetic Black Metals wurden den zahlreichen Besuchern regelrecht wuchtige und stählerne Riff-Wände entgegengeschleudert, die endlich für stärkere Gebärden in der Menge sorgten. Bei so einem Song wie „The Owl“ oder „Phoenix Rise“, das den insgesamt intensiven Auftritt gebührend beendete, konnte man nur mitgerissen werden. Ein gelungener (Neu)Auftakt mit starker Präsenz! Wer diesen Termin nicht wahrnehmen konnte, der hat noch die Möglichkeit Sun of the Sleepless auf der kommenden (Schleichwerbung an) Samhain Celebration am 27. Oktober (Schleichwerbung aus) zu erleben.
Adam

Arcturus
Ihr werdet mich wahrscheinlich für leicht bescheuert halten, wenn ich euch verrate, dass mir der Auftritt von Arcturus musikalisch nicht gefiel, ich aber trotzdem einen Heidenspaß dabei hatte. Ich muss gestehen, dass ich nicht sagen kann, dass Arcturus schlecht gespielt haben – mir sagte nur das Zusammenwirken der einzelnen Instrumente nicht zu. Vereinfacht ausgedrückt: Ich konnte mit der Musik nichts anfangen. Hingegen war es ein wahres Vergnügen die Spielfreude der Norweger bewundern zu dürfen. Mal abgesehen von der skurrilen „Kostümierung“ der Bandmitglieder. Besonders im Gedächtnis geblieben ist mir der Sänger, der auf mich wie ein „kleines Mädchen im Körper eines Mannes“ wirkte. Nagelt mich bitte nicht allzu sehr auf dieser Aussage fest (es war nun mal das Erste, was mir beim Anblick der Darbietung auf der Bühne in den Kopf kam), denn ich meine sie nicht im Geringsten negativ. Im Gegenteil: Ich konnte beinahe körperlich spüren, wie viel Freude Arcturus bei ihrem Auftritt hatten.
Olli

GlerAkur
Nachdem beim ersten Prophecy Fest 2015 Vemod als klare „Gewinner“ aka Publikumslieblinge mit ihrem fetten Sound durch die Decke gegangen sind und deshalb erneut zum darauffolgenden Fest eingeladen wurden, scheinen wohl GlerAkur, die Newcomer aus Island, das zweite Fest „gewonnen“ zu haben (Ob das zu einer Prophecy-Fest-Tradition wird?). So durfte man dieses Jahr erneut ihren Klängen Gehör schenken. Vorausgesetzt, man war gewillt, denn GlerAkur spalten die Meinungen in Schwarz und Weiß, in Top oder Flop, so wie ich es mitbekommen habe. Ich war natürlich gewillt, denn ihre majestätischen Instrumentalstücke haben mir schon beim ersten Mal wirklich gut gefallen. GlerAkur machen ja auch keine Musik für die Massen, sie wollen nicht einfach nur banal à la „schwing die Keulen“ unterhalten. Vielmehr versuchen sie eine gewaltige Atmosphäre auf der Bühne aufleben zu lassen. Oder besser gesagt: Sie versuchen es nicht, sie schaffen das auch! Eine Atmosphäre, die ihresgleichen sucht, die sich langsam aber kontinuierlich zu einem großen Finale aufbauscht und die man vielleicht am ehesten mit einem Gletscher oder auch einem Eisberg vergleichen kann, der einen irgendwann aber unausweichlich mit seiner enormen Vehemenz überrollt. Wie man das erleben kann? Folgendermaßen: Augen schließen, die Arme ausbreiten (in etwa so wie in dem Schnulze-Streifen „Titanic“) und auf den großen Knall der Gefühle warten. Das kann aber nicht jeder, hehe…
Adam

Sólstafir
Die sehr beliebten Sólstafir hab ich noch nie live gesehen, dies war mein erstes Mal. Und wenn ich den Ausführungen eines anderen Festival-Besuchers, der diese isländische Band schon mehrmals auf der Bühne erlebte und nie richtig gut fand, Glauben schenken darf, dann soll dies deren bis dato bester Auftritt gewesen sein. Das kaufe ich ihm auch ohne mit der Wimper zu zucken ab, denn der Gesang von Aðalbjörn Tryggvason war einfach nur phänomenal gut an diesem Abend! Weiß nicht, ob es nur an der Location lag, aber die Klangfarbe seiner Stimme war hell und klar, dass es eine Freude war dem Set der Band zuzuhören. Ja, das war eine echte Überraschung für mich und für einige nicht wenige bestimmt das persönliche Highlight des Festivals. Auf jeden Fall ein toller Abschluss des ersten Festival-Tages!
Adam

Samstag, der 29. Juli 2017

Lotus Thief
Tja, so ist das eben, wenn man trödelt, da der Abend zuvor bei Sólstafir zu lang war: Man verpasst auch schon mal etwas. So erging es uns bei Lotus Thief, von denen wir leider nur die letzten Minuten mitbekommen haben. Diese waren für mich allerdings so catchy, dass ich beschloss mir die „Gramarye“ für ’nen 10er zuzulegen. Für Fans aus dem Post-Metal-Sektor klang der letzte Song tatsächlich neugierig machend. Letztendlich war dann aber das Album mehr als ernüchternd, denn von fünf Songs gefiel mir grad mal einer, vermutlich der, welchen ich live gehört hatte. Hmpf… Dabei hätte ich von Ex-Mitgliedern der Band Botanist etwas mehr erwartet. Anstelle von Space Rock und Post-Metal wird einem hier eher Progressivität geboten. Nö, „Green Metal“ klingt für mich anders.
Chris

The Moon and the Nightspirit
Entgegen Ollis Meinung, dass Dornenreichs Auftritt der beste des Festivals gewesen sein soll, bin ich der Überzeugung, dass diese „Auszeichnung“ eher The Moon and the Nightspirit gebührt. Die Ungarn waren mit einer der Hauptgründe, der das Prophecy Fest 2017 für mich erst attraktiv machte. Tatsächlich hätte ich nicht erwartet, dass mich dieser Act live dermaßen mit seiner Musik ergreifen würde, zumal ich bisher nur das Album „Holdrejtek“ besitze und in die anderen Alben nur hier und da mal reingehört habe. Die Kombination aus Gitarre, Geige und Handtrommeln klang einfach mystisch und unterlegt mit der zarten Stimme von Agnes mehr als nur bezaubernd. Es fehlten lediglich einige Schmetterlinge, die das Ganze optisch aufgewertet hätten – aber die wären in der Höhle bestimmt erfroren. Bei diesem Auftritt wurde jedenfalls besonders klar, warum Prophecy die Höhle als Location gewählt hat: Der Klang ist einfach nur atemberaubend und verleiht der Musik von The Moon and the Nightspirit etwas Natürliches und zugleich Magisches.
Chris

Spiritual Front
Spiritual Front waren für mich persönlich die Überraschung und Neuentdeckung dieses Festivals. Das lag auch daran, dass ich mit dem, was ich dort hören und sehen durfte, absolut nicht gerechnet hatte. Man könnte sagen, ich wurde kalt erwischt. Ich weiß nicht, wie die Band bei anderen Auftritten so drauf ist, aber für mich haben sie die Höhle gerockt. Spiritual Front war die erste Truppe an diesem Tag, die mir ein paar Haarwedler entlocken konnte und ein freudiges Grinsen auf mein Gesicht brachte. Ich bin bei Konzerten aber auch eher der melodische Typ, wenn ich ehrlich sein darf. Nach den ersten beiden Bands, die doch eher eine seichtere Form der Musik präsentierten, fand ich die Italiener der „spirituellen Front“ eine erfrischende Abwechslung auf einem vor Abwechslung nur so sprühenden Festival. Hut ab, ihr konntet mich wahrlich begeistern!
Olli

NOÊTA
Die Schweden von NOÊTA sind in einer ähnlichen Konstellation wie The Moon and the Nightspirit aufgestellt, aber im direkten Vergleich zu deren atemberaubender Darbietung stand an diesem Tag NOÊTAs Kunst ein wenig im Schatten der Ungarn. Vielleicht lag es auch daran, dass sie nur als Duo auftraten, ohne Unterstützung weiterer Musiker. Das mit dem Schatten ist aber keineswegs negativ von mir gemeint, denn schließlich wird bei NOÊTA ein schattiger und düsterer Black Ambient zelebriert, der in den ausladenden Weiten der Balver Höhle eine um einiges beklemmendere Stimmung verströmte. Der viel minimalistische, um nicht zu sagen zaghafte Einsatz der Akustikgitarre sowie die betörende Stimmlage der sympathischen Sängerin Êlea sorgten für eine ziemlich hypnotische Gefühlsregung vor der Bühne, von der sich nicht jeder vereinnahmen lassen konnte oder wollte. Etwas monoton war es aber dann doch auf lange Sicht, das muss ich auch zugeben.
Adam

Dornenreich
Mir fällt es schwer in Worte zu fassen, was ich bei diesem Auftritt von Dornenreich empfunden habe, denn keines meiner Worte scheint die atemberaubende Atmosphäre dieses akustischen Konzertes beschreiben zu können. Ich hatte definitiv eine Gänsehaut, so viel kann ich sagen. Auch wenn ich Dornenreich irgendwo zu meinen Lieblingsbands zähle, so waren es bisher vor allem ihre Texte, die mich tief berührten. Außerdem sind Dornenreich für mich mehr Poesie als Musik – und dieser Auftritt hat dieses Empfinden noch einmal unterstrichen. Wenn das nicht Musik gewordene Poesie ist, was dann? Mal war es die pure Sehnsucht, mal ungezügelter Wahnsinn, mal kreischende Verzweiflung und mal die sanften Töne der Hoffnung, die von der Bühne klangen. Es brauchte lediglich zwei Musiker und drei Instrumente, um eine dermaßen intensive Atmosphäre zu erzeugen. Ich bin fest davon überzeugt, dass dieser Auftritt das Highlight des ganzen Festivals war.
Olli

Dornenreich sind als Live-Act in der Tat unschlagbar! Eviga und Inve sind Meister ihrer Instrumente, und ihre perfekte, mal rauf und mal runter in der Lautstärke und Intensität sich abwechselnde Spielweise gepaart mit dem gefühlvollen Gesang Evigas, das ist der Wahnsinn schlechthin! Obwohl ich hier zugeben muss, dass dies wirklich nur live so gut funktioniert; auf CD lässt sich diese starke und unbändige Magie leider nicht wirklich gut einfangen. Egal, es war ein wundervoller und historischer (es wurden auch alte, auf die neue Akustik-Ausrichtung umgemünzte Songs gespielt) Auftritt, eines der Highlights des Festivals ganz bestimmt, da stimme ich Olli zu. Schließlich hat (meinem Empfinden nach) kein anderer Act zum Schluss soviel Applaus geerntet wie Dornenreich.
Adam

The Vision Bleak
Auf die Darbietung von The Vison Bleak habe ich mich schon lange im Vorfeld ganz besonders gefreut. Erstens, weil jedes einzelne Album der Horror-Metal-Combo eine rundum runde Sache ist, ganz besonders das neuste, eine etwas andere Richtung einschlagende, und zweitens, weil ich bis dato noch nicht die Gelegenheit hatte die Band live in Action performen zu sehen. Und die Ankündigung des seltenen Auftritts mit den Shadow Philharmonics versprach ein Event der ganz besonderer Art zu werden. Und so war es eigentlich auch. Als die Band die stilvoll geschmückte Bühne betrat und mit „From Wolf to Peacock“ vom aktuellen Album losfegte, wurde wohl jeder augenblicklich von der theatralischen Gesamtdarbietung gebannt. Wow! Neu war mir allerdings, dass es live neben Konstanz auch noch einen zweiten Aushilfssänger bei The Vision Bleak gibt. Dieser warf sich mächtig in Pose, war aber wohl aufgrund von technischen Schwierigkeiten nicht wirklich gut hörbar gewesen, was mir etwas seltsam vorkam. Aber gut… Danach folgten mit „Carpathia“, „Into the Unknown“ und „Deathship Symphony“ drei weitere echte Knaller aus dem mittlerweile sehr breiten Repertoire der Band. Aber was war das? Nach „The Whine of the Cemetery Hound“ und „By Our Brotherhood with Seth“, also insgesamt nur sechs auf ca. eine halbe Stunde Spielzeit verteilten Songs, hieß es da Winke, Winke und Goodbye, denn dort drüben an der Klampfe wartete schon die nächste Band in der Warteschlange… Aufgrund von Zeitproblemen, sprich sich zusammenaddierten Verzögerungen, wurden bei der Label-eigenen Band vorzeitig die Stecker gezogen, wahrscheinlich um der externen Band Hexvessel die zugesicherte Spielzeit erfüllen zu können. Was für ein Driet… Aber besser ein schöner und kurzer Auftritt als gar keiner. Gefallen hat es mir trotzdem sehr!
Adam

Hexvessel
Nun, Hexvessel haben leider einen schweren Stand bei mir, denn sie haben für mein Empfinden viel zu lang gespielt. Während The Vision Bleak gefühlt mitten im Auftritt „abgewürgt“ wurden, durften Hexvessel ihr komplettes Ensemble rauf und runter spielen. Ich weiß, diese Behauptung ist nicht fair, auch wenn sie einer gewissen Wahrheit nicht entbehrt. Dabei hat alles so gut angefangen. Zeitlich war das Festival wieder mal eine gute Stunde im Verzug, so dass die kurze Spielzeit von The Vision Bleak verkraftbar oder zumindest verständlich gewesen wäre. Und die erste Hälfte des Hexvessel-Auftrittes hat mir auch ehrlich gesagt richtig gut gefallen. Die Band wirkte absolut sympathisch und der Wechsel aus männlichem und weiblichem Gesang war eine tolle Mischung. In der Mitte des Auftrittes gab es noch zwei akustische Einlagen, die alleine von Sänger Mat McNerney getragen wurden und mir ebenfalls sehr gut gefielen. Hier hätte man allerdings meiner Meinung nach den sanften Ausstieg aus dem Auftritt wagen sollen, denn ab diesem Punkt fand ich die Darbietung eher anstrengend als befriedigend. Nun gut, ändern konnte man nichts dran. Und im Endeffekt kann die Band ja wahrscheinlich nichts für die zeitliche Planung. Von daher bleibe ich dabei, dass Hexvessel einen tollen Auftritt geboten haben. Ein bitteres „Aber“ wird jedoch bestehen bleiben.
Olli

Dool
Ganz ehrlich, ich war zu dem Zeitpunkt, als die niederländischen Dool die Bühne betraten, schon hundemüde. Entgehen lassen wollte ich mir diesen Auftritt aber auch nicht und ich kann nur sagen, dass ich es nicht bereut habe. Dool konnten die Balver Höhle mit ihrem Mix aus Progressive Rock und Doom noch mal so richtig aufmischen. Starke Stimme und starke Musik, die vor Selbstbewusstsein strotzt. Zwar musste ich nach knapp der Hälfte des Auftrittes aus Erschöpfung die Segel streichen, doch bis hierher kam ich voll auf meine Kosten und konnte noch einmal ein bisschen Wind durch das Haupthaar streifen lassen.
Olli

Hypnopazūzu
Den letzten Act des Festivals hat leider keiner von uns mehr mitbekommen, was einer längerer Fahrtzeit nach Hause, der einsetzenden Müdigkeit sowie den bei Hypnopazūzu vorkommenden Elektroparts geschuldet ist. Aber der Auftritt soll dennoch legendär gewesen sein, wie ich im Nachhinein vernommen habe. Verpasst ist aber verpasst, weshalb ich mir nun keinen Kopf mehr darüber zerbrechen möchte, um es womöglich doch noch bedauern zu können…
Adam

Fazit

In der Gesamtheit war das Prophecy Fest, wie schon in den beiden Jahren davor, ein sehr gelungenes Ereignis mit vielen prägenden Eindrücken und tollen Überraschungen, und das noch in einer einzigartigen Location, welche wie jedes Jahr mit der Ausstellung eines bestimmten Künstlers geschmückt war. Dieses Mal fiel die Wahl auf den österreichischen Graphikdesigner Irrwisch, der nicht nur das tolle Cover des aktuellen Lotus-Thief-Albums „Gramarye“ gezeichnet, sondern auch das spezielle CD-Programmbuch, das jeder Besucher beim Einlass ausgehändigt bekam, mit seinen Werken ausgeschmückt hat.

Trotz aller positiver Resonanz, haben wir vernehmen müssen, dass dieses Festival nicht so gut besucht wie angedacht war, so dass es nächstes Jahr wohl erst einmal ausgesetzt wird. Woran es gelegen haben mag, dass nicht genügend Publikum vor Ort gewesen war, darüber kann man nur spekulieren. Es ist aber eine Tatsache, dass viele der Prophecy-Bands, egal wie künstlerisch wertvoll und einmalig ihr Schaffen auch sein mag, wirklich nur kleinere Randgruppen ansprechen. Es sind keine Acts, welche riesige Menschenmassen begeistern und bewegen können. Zudem kontrastieren viele der Bands auch zu stark miteinander, einige sind z. B. in ihrer Spielweise sehr schnell andere wiederum sehr langsam. Damit kommen sicherlich viele Hörer, die oft nur auf eine bevorzugte Richtung eingeschworen sind, nicht klar. Vielleicht wäre es deshalb für die Zukunft besser, die beiden Tage nicht so sehr durchzumischen und den Verkauf von Tagestickets wieder einzuführen, damit für den Besucher etwas mehr Spielraum bleibt. So oder so, wir sind auf jeden Fall gespannt, wie es in der Zukunft weiter mit dem Prophecy Fest gehen wird.