Runahild – Seidgaldr (Rezension / Review)

Rúnahild - Seidgaldr
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Aus den luftigen Höhen der norwegischen Wildnis kommt „Seidgaldr“, das elfte Album der heidnischen Zauberin Runahild (die sonst unter dem Namen Eliwagar bekannt ist).

Das Album ist eine Sammlung von stammes-heidnischen Volksliedern, die mit nordischem Schamanismus verwoben sind und eine frei geformte psychedelische Reise ins eigene Innere, durch Dunkelheit ins Licht, garantieren. Es ist vor allem ein akustisches Album, roh und ursprünglich, das die Geister der Götter und der Natur durch meditative und direkte Beschwörungen anruft. Diese werden mit faszinierenden Trommeln und wirbelnden, aber einfachen Melodien kombiniert, die den Zuhörer in einen hypnotischen Zustand versetzen.

Die Stücke sind minimalistisch und in Schichten aufgebaut, die durch einen tiefen spirituellen Reinigungsprozess mittels der Klänge führen. Die Katharsis beginnt mit „Død og Liv“ – eine Beschwörung, die an die Färöerin Eivør Pálsdóttir erinnert, mit Hintergrundgeräuschen eines knisternden Feuers und sanften Regens, die den Sinn des Seins im Freien und das Ungeschützsein gegenüber den Elementen wiederherstellt. Und der Zauber beginnt…

Sobald wir uns in einem trance-ähnlichen Zustand befinden, umgibt ein „Drum Circle“ unsere Seele und schließt uns in einen noch tieferen Schlaf ein, während der Titeltrack „Seidgaldr“ (was „Beschwörungen der Zauberei“ im Norwegischen bedeutet) seine Magie um uns herum webt und wir auf dieser introspektiven Reise in unser Inneres hinabgleiten. Es ist wie gütige Hexerei, angenehm, aber nicht ängstlich, weder hell noch dunkel – nur einhüllend und leimartig am Darkwave-Genre angrenzend, z. B. wie bei „Cantus“ von Faith and the Muse. Doch im Wesentlichen ist es nordisch-heidnischer Folk mit authentisch originalen Instrumenten wie der Handtrommel, der Kraviklyra und der Langeleik (die wie eine Bordunzither klingt).

Man sollte keinen hochpolierten, kommerziellen, radiotauglichen, heidnischen Folk wie L.E.A.F., Faun oder Omnia erwarten. Diese Musik ist viel rauer und irgendwie eigenartiger bzw. persönlicher. Sie ist mehr Lo-Fi, aber das erhöht irgendwie auch ihren Charme und macht sie greifbarer.

Das Album schreitet fort mit Regen und Trommeln und neuen Zaubersprüchen, die nicht allzu unähnlich von frühen Wardruna oder Byrdi klingen, zweispurigem Gesang, der gegenseitig harmoniert, und natürlichen Soundsamples von Gewittern, Wind und Regen, als ob Thor und Freyr ihren Gastauftritt haben würden.

Wir erreichen „Njardablót“, das eines der Highlights des Albums ist, ein Track von rein tribalistischem Ritual Folk wie der von Blood of the Black Owl. Es scheint eine musikalische Verbindung zwischen dem nordischen Ritual Folk und dem der indigenen Amerikaner zu geben. Auch wenn sie kulturell sehr unterschiedlich sind, existiert eine große Ähnlichkeit in ihrem trommelnden und rhythmischen Tonfall – es muss eine tiefere verbindende Wurzel zwischen ihnen geben. Dieser wiederkehrende Stil zeigt sich auch auf „Wyrd“, welches mit eindringlichem und melancholischem Flötenspiel zeitgleich im Gestern, in der Gegenwart und im Morgen ertönt und uns in seinem Netz verfängt, während wir in die Spiegel der Ewigkeit blicken.

From the exposed heights of the Norwegian wilderness comes „Seidgaldr“, the eleventh album from the heathen enchantress Runahild (who is otherwise known under the name Eliwagar).

The album is a collection of tribal heathen folk songs that are woven with a Nordic shamanism that ensure a free-form psychedelic journey into oneself through the darkness and into the light. It is mainly an acoustic album, raw and primal, which invokes the spirits of the gods and of nature through meditative and linear incantations. These are combined with spellbinding drums and swirling yet simple melodies which lull you into a hypnotic state.

The pieces are minimalistic and build up in layers taking you through a deeply spiritual cleansing process through sound. The catharsis begins with „Død og Liv“ – an incantation reminiscent of the Faroese Eivør Pálsdóttir with background samples of a crackling fire and gentle rain which altogether recreate that sense of being outdoors and vulnerable to the elements. And the spell is cast…

Once we are in the trance-like state the drum circle surrounds our soul and encloses us into a deeper slumber as the title track „Seidgaldr“ (meaning „Incantations of sorcery“ in Norse) weaves its magic around you as you descend inwards into yourself on an introspective journey or trip. It’s like a benevolent witchcraft, pleasant not fearful, neither light or dark – just enveloping and glue-like bordering on the darkwave genre like Faith and the Muse’s „Cantus“ but quintessentially Nordic heathen folk with authentically primal instruments from the hand drum, the kraviklyre and the langeleik (which is like a droned zither).

Do not expect a highly polished commercial radio-friendly pagan folk like L.E.A.F, Faun or Omnia, this is much more raw and somehow more private or personal. It’s much more lo-fi but this somehow increases its charm and makes it more real.

The album progresses with the rain and the drums and into new spells that are not too dissimilar from early Wardruna or Byrdi with double-tracked vocals harmonising with each other and natural sound samples of thunderstorms, wind and rain as Thor and Freyr do their guest appearance.

We reach „Njardablót“ which is one of the highlights of the album, a track of pure tribalistic ritual folk like that of Blood of the Black Owl. There seems to be a connection between Nordic ritual folk and that of the indigenous Amerindians musically, even though culturally they are very different but they are so alike in their drumming and rhythmic chanting – there must be some deeper connective root. This reoccurring style also features on „Wyrd“ which is quite haunting and emotional with melancholic recorders and flutes crying into our yesterday, present and tomorrow all at once as we become entangled in its web while looking into the mirrors of forever.

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